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Bowle: Mehr Arznei als Getränk?

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

shz.de von
erstellt am 14.Dez.2013 | 00:35 Uhr

Zu sehr später Stunde, wenn sich die Quotenbringer zurückgezogen haben, bietet das ZDF eine geistreiche, meistens sehr unterhaltsame Sendung unter dem Titel „Pelzig hält sich“. Dort unterhält sich Gastgeber Pelzig – Kennzeichen Hut und Herrentäschchen – mit Gästen, die er so geschickt befragt, dass dabei stets etwas Gescheites herauskommt. Zu Beginn muss der Gast eine Bowle trinken, die nach den Mienen der Opfer zu urteilen noch scheußlicher schmeckt als ihre Farbe befürchten lässt.

Würde man den Genießer eines guten Tropfens, etwa Peer Steinbrück, fragen, was er von dem Getränk Bowle halte, er könnte noch einmal den berühmten Mittelfinger zeigen; denn der alkoholisierte Waldmeister- oder Erdbeersaft mit schmerzhaften Spätfolgen gilt als unzeitgemäß, um nicht zu sagen prollig. Dieses vernichtende Urteil gilt aber nicht in der Weihnachtszeit. Dann nimmt die Bowle qualitätsmäßig mühelos die Herausforderung der meist im Schutz der Dunkelheit ausgeschenkten Glühweine auf. Und wenn ihr Ruf urplötzlich einen Spitzenrang erreicht, dann liegt das an Heinz Rühmann und seiner in die Jahre gekommenen Altherrenrunde, die nach dem Genuss der Feuerzangenbowle noch einmal ausgelassen jung werden. Ähnliches gilt für die Nostalgiker, die sich auch in diesem Jahr mit kalten Ohren und tropfender Nase zur Open-Air-Vorstellung aufraffen und sich über Pfeiffer mit drei F und Professor Bömmels Seufzer „Bah, wat habt ihr für ’ne fiese Charakter“ so heftig amüsieren, als sähen sie den Film nicht zum 20., sondern zum ersten Mal. Und alles Dank der unterschätzten Bowle.

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