14-Jähriger Uhrenbastler im Weissen Haus : „Bombenbauer“ Ahmed: Warum ihn Barack Obama erst doch nicht treffen wollte

Uhrenbastler Ahmed Mohamed beim Besuch im Weißen Haus in Washington.

Uhrenbastler Ahmed Mohamed beim Besuch im Weißen Haus in Washington.

Ein Muslim baute eine Uhr und wurde wegen einer Verwechslung festgenommen. Die Empörung war groß. Nun kippt die Stimmung.

shz.de von
20. Oktober 2015, 12:09 Uhr

Washington | Mitte September wurde er in Texas von der Polizei in Handschellen abgeführt. Vier Wochen später ist Ahmed Mohamed ein Medienstar, der im Weißen Haus empfangen wird. Eine selbst gebaute Uhr, die für eine Bombe gehalten wurde, hat den jungen Tüftler weltweit bekannt gemacht - und die Umstände drumherum. Die Verwechslungsgeschichte aus Texas ist in den USA zum kleinen Politikum geworden.

Ahmed ist Muslim und wurde im Sudan geboren. Die Überreaktion an seiner Schule sowie die harte Hand der texanischen Polizei wurde schnell auch mit Rassismus und Ausgrenzung Andersgläubiger in Verbindung gebracht. Alles zusammen löste eine Welle der Solidarität mit dem 14-Jährigen aus.

„Coole Uhr, Ahmed“, twitterte Präsident Barack Obama vor vier Wochen und lud den Jungen zum Astronomie-Abend ins Weiße Haus ein.

<blockquote class="twitter-tweet" lang="de"><p lang="en" dir="ltr">Cool clock, Ahmed. Want to bring it to the White House? We should inspire more kids like you to like science. It&#39;s what makes America great.</p>&mdash; President Obama (@POTUS) <a href="https://twitter.com/POTUS/status/644193755814342656">16. September 2015</a></blockquote>

Es folgten weitere Sympathiebekundungen von Politikern und Prominenten, darunter Facebook-Gründer Mark Zuckerberg und Hillary Clinton, die für die Demokraten ins Rennen um die Präsidentschaft gehen will. „Annahmen und Furcht schützen uns nicht“, schrieb sie damals bei Twitter. „Ahmed, bleib neugierig und bau weiter.“

<blockquote class="twitter-tweet" lang="de"><p lang="en" dir="ltr">Assumptions and fear don&#39;t keep us safe—they hold us back. Ahmed, stay curious and keep building. <a href="https://t.co/ywrlHUw3g1">https://t.co/ywrlHUw3g1</a></p>&mdash; Hillary Clinton (@HillaryClinton) <a href="https://twitter.com/HillaryClinton/status/644167278196600832">16. September 2015</a></blockquote>.

Ahmed brachte seine Uhr am Montag nicht mit ins Weiße Haus, auch wenn er sagte: „Ich wollte schon immer einmal den Präsidenten treffen.“

Die Obama-Administration zeigte sich auffallend schmallippig. Er glaube nicht, dass Obama bei so vielen Menschen im Weißen Haus Gelegenheit haben werde, mit dem Jungen zu reden, kündigte Regierungssprecher Josh Earnest schon am Nachmittag den geordneten Rückzug an. Die Stimmung war ein wenig umgeschlagen in den vergangenen Wochen - auch wenn Obama sich schließlich doch noch zu einer kurzen Begegnung bewegen ließ.

Auch US-Präsident Barack Obama zeigte sich bei der Astronomie-Nacht im Weißen Haus - und traf später kurz mit Uhrenbastler Ahmed zusammen.
dpa
Auch US-Präsident Barack Obama zeigte sich bei der Astronomie-Nacht im Weißen Haus - und traf später kurz mit Uhrenbastler Ahmed zusammen.
 

Mit seinem Vater unternahm Ahmed, der nach eigenen Worten in Texas auf der Suche nach einer neuen Schule ist, eine Reise in die arabische Welt. Katar, Saudi-Arabien, zuletzt das Geburtsland Sudan standen auf dem Programm. Im Sudan wurde die Familie - so zeigen es Bilder in Sozialen Medien - vor wenigen Tagen von Präsident Omar al-Baschir empfangen.

<blockquote class="twitter-tweet" lang="de"><p lang="en" dir="ltr">BBC News - Ahmed Mohamed: US &#39;clock boy&#39; meets Sudan leader <a href="http://t.co/IUQ7quK029">http://t.co/IUQ7quK029</a></p>&mdash; Zaid Benjamin (@zaidbenjamin) <a href="https://twitter.com/zaidbenjamin/status/655086107521101824">16. Oktober 2015</a></blockquote>

Gastgeber Obama dürfte das gar nicht gefallen haben. Baschir, auch als „Schlächter von Darfur“ bekannt, wird praktisch in der gesamten westlichen Welt seit Jahren per Haftbefehl des internationalen Gerichtshofes in Den Haag als Kriegsverbrecher gesucht.

Und dann beschäftigen da noch die Fragen: Wurde die Geschichte von dem harmlosen Tüftler, der seinen Lehrern seine tolle Erfindung zeigen wollte, richtig erzählt? Wollen politisch interessierte Kreise von dem Jungen und seinem Schicksal profitieren? Ted Cruz, texanischer Senator und republikanischer Präsidentschaftskandidat, warf Obama gar vor, die Story politisch auszuschlachten. Und tat gleich dasselbe, indem er dem Präsidenten vorwarf, die Arbeit der Polizei in der Sache nicht ausreichend gewürdigt zu haben.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert