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Bericht von Amnesty International : Boko Haram: So grausam wüten die Terroristen in Nigeria

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Vergewaltigungen, Zwangsheiraten, öffentliche Steinigungen: Ein Amnesty-Bericht gewährt ein Jahr nach der Massenentführung von Chibok Einblick in die Grausamkeit der Terrororganisation Boko Haram.

Abuja | Die Bilder aus Nigeria sind unvorstellbar. Zerstörte Dörfer, Leichen in den Straßen und Berichte von Mädchen, die als Sexsklavinnen gehalten werden. Die islamistische Terrorgruppe Boko Haram hat in Nigeria nach Angaben von Amnesty International seit dem vergangenen Jahr mehr als 2000 Frauen und Mädchen entführt. Viele von ihnen würden von den sunnitischen Extremisten als Sexsklaven gehalten, zwangsweise verheiratet oder zum bewaffneten Kampf gezwungen, hieß es in einem am Dienstag veröffentlichen Bericht der Menschenrechtsorganisation. Der Bericht basiert auf Interviews mit knapp 200 Augenzeugen, darunter auch 28 Frauen und Mädchen, die zeitweise in der Gewalt von Boko Haram waren.

Der Bericht kommt genau ein Jahr nach der Entführung von mehr als 200 überwiegend christlichen Schülerinnen aus dem Ort Chibok durch Boko Haram. Von den Mädchen und jungen Frauen fehlt weiter jede Spur. Seit 2009 sind bei Anschlägen und Angriffen von Boko Haram Schätzungen zufolge mindestens 14.000 Menschen getötet worden; rund 1,5 Millionen Menschen sind auf der Flucht. 

Die 19-jährige Aisha schilderte Amnesty zufolge, wie sie während ihrer dreimonatigen Gefangenschaft immer wieder vergewaltigt wurde, teils von bis zu sechs Männern. Sie habe zusehen müssen, wie Boko Haram mehr als 50 Menschen getötet habe, darunter auch ihre Schwester. „Sie wurden in ein Massengrab im Busch geschmissen“, wird Aisha zitiert. 

 

Die sunnitischen Extremisten wollen einen sogenannten Gottesstaat mit strengster Auslegung des islamischen Rechts errichten. Bewohner der Dörfer und Städte unter ihrer Kontrolle, die sich weigern, die täglichen Gebete auszuführen, werden dem Bericht zufolge ausgepeitscht. Augenzeugen berichteten auch von Steinigungen.

Der 15-jährige Mustapha Saleh schildert dem Bericht zufolge, wie er in der Kleinstadt Bama an der öffentlichen Steinigung von fünf Männern und fünf Frauen teilnehmen musste. „Sie haben die Anwohner herbeigerufen und ihnen das Steinigen befohlen“, wird er zitiert.  

Neue Satellitenbilder zeigen Amnesty zufolge das Ausmaß der Zerstörung nach einem Boko-Haram-Angriff auf Bama im Nordosten Nigerias. Mindestens 5900 Gebäude - das entspreche etwa 70 Prozent der Kleinstadt - seien entweder beschädigt oder zerstört worden. Die Straßen seien voller Leichen gewesen. Im Januar veröffentliche Satellitenbilder von einem Angriff auf die Stadt Baga am Tschadsee hatten weltweites Entsetzen ausgelöst. Bei dem Angriff waren Hunderte Menschen getötet worden. 

Die nigerianischen Streitkräfte haben - zusammen mit dem Militär der Nachbarländer Tschad, Kamerun und Niger - seit Februar viele Erfolge im Kampf gegen Boko Haram vermeldet. Doch die Fundamentalisten sind längst nicht besiegt. „Die Entführten müssen gerettet werden, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit müssen untersucht werden“, forderte Amnesty-Chef Salil Shetty. Die nigerianische Regierung müsse die Zivilbevölkerung schützen und die Verantwortlichen vor Gericht bringen.

(mit dpa)

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erstellt am 14.Apr.2015 | 10:29 Uhr

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