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Ausraster bei Preisverleihung in Halle : Bodo Ramelow zu Antifa-Demo: „Ich finde den Aufruf beschissen“

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Thüringens Regierungschef wird von linken Demonstranten bedrängt – dann verliert er die Nerven. Es geht um eine Demonstration gegen Thüringens AfD-Chef Björn Höcke.

shz.de von
erstellt am 25.Apr.2016 | 07:55 Uhr

Halle | Am Sonnabend wurde im Stadthaus von Halle der mitteldeutsche Inklusionspreis „Mosaik“ vergeben. Vor der Verleihung wurde Thüringens Ministerpräsident und Schirmherr der Veranstaltung, Bodo Ramelow, von Demonstranten der Antifa abgefangen, die ihn zur Rede stellen. Es geht um einen Aufruf zu einer umstrittenen Aktion. Am Himmelfahrtstag, 5. Mai, wollen linke Aktivisten vor dem Wohnhaus des Thüringer AfD-Chefs Björn Höcke in Bornhagen aufmarschieren. Das Motto: „Straight to Hell! Weg mit den braunen Zonen! Weg mit der AfD!“. Seine Reaktion gibt es in einem Handy-Video zu sehen, das die Situation festhält. Dort sagt der von Demonstranten bedrängte Ramelow, der Aufruf sei beschissen. Danach bezeichnet er die Aktion als „intolerant“ und kritisiert die Gruppe als arrogant.

Bei der Landtagswahl 2014 erreichte die AfD in Thüringen aus dem Stand 10,6 Prozent. Björn Höcke werden immer wieder offen rassistische Thesen und mangelnde Distanz zu rechtsextremen, insbesondere völkischen Mitgliedern sowie Positionen der NPD und der Neuen Rechten bescheinigt. In seinem Heimatort Bornhagen erreichte die AfD 38,5 Prozent bei den Landesstimmen und 38,3 Prozent der Erststrimmen.

Als einer der Demonstranten fragt, warum Ramelow sie „duzen“ würde, greift der 60-Jährige nach der Kamera des Mannes und sagt: „Das ist die Aktion hier.“ Dann endet das Video abrupt.

Bereits im Vorfeld hatte der Linke-Politiker Ramelow die Aktion kritisiert und den Aufmarsch vorm Haus des AfD-Politikers mit Nazi-Methoden verglichen.

In einem Facebook-Eintrag nutzen die Verantwortlichen für die Demonstration in Bornhagen Bodo Ramelow als Werbefigur. Sie schreiben neben einem Foto mit Ramelow vor dem Plakat der Aktion: „Bodo Ramelow war heute in Halle zu Gast und wollte bei dieser Gelegenheit gleich nochmal auf unsere Demonstration hinweisen.“ Dieser reagiert prompt mit seinem offiziellen Account.

„Während ich mich ins Gästebuch des Vereins ,Mit-Handicap-leben‘ stellt sich die junge Frau mit dem Plakat hinter mich. Der Fotograf wartet bis ich mich rumdrehe. Genau gegenüber wird ein dritter postiert der mit seinem Handy filmt. Hinter mir steht ein vierter und ruft mir zu man sei gekommen, weil ich ,nachts immer besoffen Twittern würde‘.“ Dabei vergleicht er seine Situation in Halle mit einer in Erfurt. Damals habe sich der NPD-Vorsitzende Kai Uwe Trinkhaus zwischen ihn und seine Frau gestellt. Ein Fotograf drückte ab. Ramelow und andere Politiker seien so einer Kampagne ausgesetzt worden.

Gegenüber „bild.de“ sagte Ramelows Sprecher später: „Einige Aktivisten haben die Veranstaltung instrumentalisiert, um ihre ebenso seltsamen wie falschen Parolen zu propagieren. Sie haben das Gastrecht der Veranstalter missbraucht, den Ministerpräsident in inakzeptabler Weise belästigt.

Auch Ramelow weist darauf hin, weswegen er vor Ort in Halle war:

Der „Mosaik-Preis“ ehrt Menschen, die sich für die Einbeziehung anderer Menschen in die Gesellschaft einsetzen und „Barrieren aus dem Weg räumen“.

 

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