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Wahl von Alexander Gauland und Jörg Meuthen : Björn Höcke, der lächelnde Dritte beim AfD-Parteitag

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Richtungskampf in der AfD: Realpolitiker und rechter Flügel ringen bei den Rechtspopulisten um die Macht. Ein Kommentar.

shz.de von
erstellt am 04.Dez.2017 | 09:48 Uhr

Hannover | Kommentar: Die Reise geht nach rechts

von Stefanie Witte

Auf den ersten Blick scheint der AfD-Parteitag nicht viel verändert zu haben. Jörg Meuthen steht weiter an der Spitze der Rechtspopulisten. An seine Seite haben die Delegierten  das gefühlte charismatische Zentrum der Partei gewählt: Alexander Gauland. Ansonsten hat sich personell im Vorstand nicht viel getan. Und dennoch ist die Lage verfahren wie nie.

Klar ist: Gegen den rechten Flügel der Partei lässt sich keine Politik machen, und – das hat das Wochenende gezeigt – auch kein Vorstand aufstellen. Denn hinter allen Winkelzügen, Absprachen und Kungeleien und auch hinter dem Showdown am Sonnabendabend stand stets der Gedanke an ein Parteimitglied, das sich offensiv im Hintergrund hielt, dort jedoch in alle Mikrofone sprach: Björn Höcke.

Der thüringische Landeschef, gegen den immer noch ein Parteiausschlussverfahren läuft, hatte sich diesmal zwar nicht zur Wahl gestellt. De facto sitzen auf den beiden Spitzenposten der Partei nun jedoch zwei Mitglieder, die als Unterstützer des Rechtspopulisten gelten.

Der eine ist 76 Jahre alt und lässt wissen, dass er auf die zusätzliche Arbeit eigentlich gar keine Lust habe. Der andere will sich künftig intensiv seiner Arbeit im EU-Parlament, weit weg in Brüssel, widmen. Von dort aus eine Partei zu führen, die von Missgunst und interner Sabotage zerfressen ist, wird schwierig bis unmöglich sein. Auffällig waren auch die schwachen Wahlergebnisse der Vorstandsmitglieder. Die Reserve derjenigen, die sich eine andere Politik, eine schärfere Sprache und andere Führungsfiguren wünschen, ist groß.

Das Vakuum wird der rechte Flügel früher oder später zu füllen wissen. Wäre Höcke am Wochenende angetreten, hätte er die Delegierten vermutlich nicht lange bitten müssen. So ist die inhaltliche Richtungswahl zwar vorerst aufgeschoben. Wohin die Reise geht, ist aber jetzt schon klar: Weiter nach rechts.

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