zur Navigation springen

Bischof in Not: Neue Anzeigen, neue Lügen, viele Kirchenaustritte

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

shz.de von
erstellt am 12.Okt.2013 | 00:31 Uhr

Bittere Zeiten für den umstrittenen Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst. Auch gestern gingen bei der Staatsanwaltschaft der hessischen Stadt wieder Anzeigen wegen des Vorwurfs der Untreue im Zusammenhang mit der Kostenexplosion bei der neuen Bischofsresidenz ein. Anfang der Woche hatte das Bistum die Kosten erneut nach oben auf rund 31 Millionen Euro korrigiert. Ein Sprecher der Behörde sagte, die Staatsanwaltschaft werde bis Ende nächster Woche prüfen, ob es einen konkreten Anfangsverdacht gibt. Dann werde sie entscheiden, ob sie Ermittlungen aufnimmt. Untreue wird mit einer Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit einer Geldstrafe geahndet.

Das war jedoch nicht alles. Der Sprecher des bischöflichen Vermögensverwaltungsrats, Jochen Riebel, warf Tebartz-van Elst gestern offen Lügen vor. Als der Bischof im Juni gesagt habe, die Baukosten betrügen knapp unter zehn Millionen, habe Tebartz-van Elst gelogen. Zu dem Zeitpunkt sei ihm bekannt gewesen, dass diese Zahl nicht der Wahrheit entspreche. Auch die Behauptung, es habe keine kostspieligen Sonderwünsche des Bischofs gegeben, sei gelogen. Die erhebliche Kostensteigerung gehe ausnahmslos auf dessen Wünsche zurück. Alleine die Wohnung des Bischofs habe laut den Unterlagen 2,9 Millionen Euro gekostet. Er habe dem Bischof vertraut, sagte Riebel, das sei ein Irrtum gewesen.

Auch Hamburgs Weihbischof Hans-Jochen Jaschke reagierte enttäuscht. Er legte seinem Amtsbruder nahe, sich zu entschuldigen. „Mir tut es weh für unsere Kirche“, sagte er der „Welt“.

Mittlerweile reagieren auch die Katholiken des Bistums: Die Zahl der Kirchenaustritte ist rasant angestiegen. Seit Mittwoch hätten rund 50 Katholiken ihren Austritt erklärt, sagte der Sachbearbeiter des Amtsgerichts. Üblich seien im Jahresschnitt ein bis zwei Austritte täglich. Er frage die Menschen nicht nach den Gründen. Viele berichteten aber von sich aus: „Nun ist das Fass übergelaufen.“

Die „Bild“-Zeitung nannte gestern weitere Kostendetails:

> Allein die Innenausstattung der Privatwohnung des Bischofs kostete danach 478 000 Euro.

>Der neu angelegte Garten schluckte 783 000 Euro.
>  Neu gebaute Gästezimmer verschlangen 1,1 Millionen Euro.

>Die Errichtung der Privatkapelle schlug mit 2,67 Millionen Euro zu Buche.
>Die Innenausstattung der Kapelle stand mit 247 000 Euro auf der Rechnung.
> Der Lichthof kostete 2,3 Millionen Euro.

> Zudem gönnte sich der Bischof eine freistehende Badewanne für 15 000 Euro.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen