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„Generationen-Manifest“ : Besserverdiener mit schlechtem Gewissen: Der linke Totalitarismus

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Linke Intellektuelle fordern in ihrem aktuellen „Generationen-Manifest“ eine radikale Umstrukturierung der Gesellschaft und des Lebens, um so den Fortbestand der Erde zu gewährleisten.

shz.de von
erstellt am 08.Okt.2017 | 11:04 Uhr

Wer es als Linker zu etwas Wohlstand und Prominenz gebracht hat, steht vor einem Problem: Er ist phänotypisch kein Linker mehr. Teure Kleidung, Berlin-Mitte-Partys mit anschließender Dokumentation in den Klatschspalten oder Talkshowauftritte im Hauptprogramm nach dem „Tatort“ vertragen sich schlecht mit dem Anspruch, die Arbeiterklasse zu befreien und den Kapitalismus wenigstens ein bisschen einzudämmen, wenn man ihn schon nicht besiegen kann.

Doch es gibt einen Ausweg: Man ignoriert die Anliegen der Geringverdiener und sucht sich andere Mündel. Um bei der Inszenierung als Welten- und Gesellschaftsretter nicht mit blöden Fragen und defätistischen Anmerkungen von Leuten gestört zu werden, die weniger die ökologische als die individuelle finanzielle Frage umtreibt, empfiehlt es sich, auf eine Zielgruppe auszuweichen, die einem nicht reinquatschen kann: zukünftige Generationen.

So halten es die Initiatoren des „Generationen-Manifests“, eines zehn Punkte umfassenden Forderungskatalogs. Erstunterzeichner sind notorische Weltverbesserer wie beispielsweise Solarpapst Franz Alt, Migrationsforscherin Naika Foroutan, der „Umweltaktivist“ und nebenberufliche Schauspieler Hannes Jaenicke, Klimaforscher Joachim Schellnhuber und Fernsehköchin Sarah Wiener.

„Die Lage ist erschreckend“, heißt es zum Einstieg. „Unsere Leistungsgesellschaft mit ihrem Produktions- und Wachstumswahn ist dabei, die Erde für unsere Nachkommen unwirtlich und unbewohnbar zu machen.“ Das ist nun nicht gerade besonders originell, sondern der x-te Versuch, mit dem Immerschlimmerismus in die Öffentlichkeit zu kommen. Der Begriff „Leistungsgesellschaft“ und die Pathologisierung von Produktion und Wachstum sind schon eine Stufe brisanter. Die Autoren und ihre bis jetzt über 200.000 Unterzeichner wollen an die DNA westlicher Staaten. Sie wollen den Wirtschaftskreislauf aus Innovation und Nachfrage unterbrechen, da nur so der Ressourcenverbrauch gestoppt werden könne.

Statt auf technischen Fortschritt, der uns verbrauchsarme Autos, Waschmaschinen, das Internet und Mobiltelefone brachte, soll auf die Segnungen der Postwachstumsökonomie zurückgegriffen werden. Dabei handelt es sich um eine Ideologie, die Mobilität verteufelt und in ihrer zugespitzten Variante Wirtschaft auf einen Kreislauf auf der heimischen Scholle reduzieren will. Ihr Vordenker, der Ökonom Nico Paech, fantasiert in Interviews bereits von einer deindustrialisierten Gesellschaft, in der wir unsere Nahrung für uns und die Lieben im heimischen Garten anbauen.

Dass man mit solchen Visionen keine alleinerziehende Mutter erreicht, die gerade mal den Mindestlohn bekommt und ihren Alltag in einer strukturschwachen Region bewältigt, liegt auf der Hand. Das „Generationen-Manifest“ liefert Antworten auf Fragen, die derzeit Besserverdiener mit schlechtem Gewissen umtreibt, was man der Liste der Unterzeichner auch unschwer anmerken kann. Während die Gesellschaft sich gerade mit einem autoritären Ruck im Hier und Jetzt rumplagt (Linkspartei und AfD kamen bei der Bundestagswahl zusammen auf über 20 Prozent der abgegebenen Zweitstimmen), der nicht nur etwas mit Migration und Flüchtlingen, sondern auch mit Existenzsorgen und -ängsten zu tun hat, kommen die Privilegierten ums Eck und liefern Lösungen, die sie aus der Präambel des Manufactum-Katalogs abgeschrieben haben.

Das Manifest ist auf erschreckende Art unpolitisch. „Unser Egoismus und unsere Profitgier“, so leiten die Unterzeichner ihre siebte Forderung mit der Überschrift Migration ein, „sind mitverantwortlich für die Flüchtlingsströme. Wir müssen hier Verantwortung übernehmen und uns der Situation stellen.“ Diktatoren und Autokraten, die Oppositionelle unterdrücken, Journalisten erschießen und mit chemischen Waffen Massenmord an ihren Völkern verüben und damit derzeit zweifellos der wichtigste Fluchtgrund sind, tauchen bei den Manifestlern mit keinem Wort auf. Denn darauf fehlen ihnen ebenso die Antworten wie auf die Nöte von Arbeitslosen und Geringverdienern im Ruhrgebiet.

Einer der treibenden Köpfe des Manifests hat eine gewisse Routine darin, solche Papiere zu verfassen. 2011 veröffentlichte der „Wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen“ (WBGU) einen sogenannten „Gesellschaftsvertrag für eine Große Transformation“. Damals mit dabei: Klimaforscher Schellnhuber, Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung. Das Dokument, das von der damaligen Bundesregierung mehr verschämt versteckt als stolz präsentiert wurde, ist eine lupenrein totalitäre Vision.

Den Totalitarismusforscher und Historiker Wolfgang Wippermann von der Freien Universität Berlin erinnerte das Pamphlet an die Blaupause zur Errichtung einer „Klimadiktatur“. So forderten die Wissenschaftler „gesellschaftliche Erneuerung durch Einsicht“ und ließen die Frage unbeantwortet, was mit Uneinsichtigen zu geschehen habe. Ihr Weg zu einer „klimaverträglichen Weltgesellschaft“ unterscheide sich „von der inkrementellen – also kontinuierlichen und schrittweisen – Politik des kurzfristigen Krisenmanagements und der stets aufschiebenden Kompromissfindung“, schrieben sie selbst.

Diesen totalitären Geist atmen auch die aktuellen Forderungen der Generationen-Manifestler. Sie suchen keine mühsamen Kompromisse im Hier und Jetzt, sondern wollen den großen Schalter umlegen, auf dass künftige Generationen uns einmal dankbar sind. Freilich möchten sie den Ruhm dafür bereits jetzt ernten. Deshalb halten sie sich nicht mit den Nöten derer auf, die sich im Moment gesellschaftlich abgehängt fühlen, sondern konstruieren Dystopien, die um ein Vielfaches schlimmer wirken sollen. Mit Politik und Verantwortung hat das genau nichts zu tun. Mit moralischer Überheblichkeit und gewaltiger Selbstgerechtigkeit dafür umso mehr.

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