„Weckruf 2015“ in Kassel : Bernd Lucke und 70 Anhänger gründen „Alfa“

Im Streit ist der frühere Parteichef Bernd Lucke aus der Alternative für Deutschland ausgetreten. Nun hat er mit rund 70 Anhängern eine neue Partei ins Leben gerufen.

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19. Juli 2015, 18:35 Uhr

Kassel | Die rechtskonservative Alternative für Deutschland (AfD) bekommt Konkurrenz durch eine neue Partei um ihren früheren Chef Bernd Lucke. Das kündigte Lucke am Sonntag in Kassel nach einem Treffen zur Parteigründung an. Die neue Partei werde ALFA heißen. Dies ist nach Angaben von Teilnehmern ein Kürzel für die Wörter „Allianz für Fortschritt und Aufbruch“. Lucke soll die Neugründung als Vorsitzender führen.

Bei einem außerordentlichen Bundesparteitag Anfang Juli in Essen hatten sich die nationalkonservativen Kräfte in der AfD klar durchgesetzt. Zur ersten Vorsitzenden wurde die frühere Co-Vorsitzende Frauke Petry aus Sachsen gewählt. Vorangegangen war ein monatelanger Machtkampf zwischen Petry und Lucke, der eher für liberal-konservative Ansichten steht. Seit dem Bruch hat die AfD neben Lucke rund 2000 Mitglieder verloren, darunter auch viele Mandatsträger.

Der Europa-Abgeordnete rief unter dem Applaus der rund 70 Gründungsmitglieder zum Ende der Versammlung in einem Kasseler Hotel zu konstruktiver und sachlicher Arbeit auf und sprach von einer sehr guten Stimmung. Die Mitglieder gehören zu dem von Lucke gegründeten Verein „Weckruf 2015“. Lucke sprach von insgesamt bis zu 5000 Interessenten für die neue Partei. „Es liegt viel Arbeit vor uns, dessen sind wir uns bewusst“, sagte er vor den Teilnehmern.

Rund 70 Mitglieder des von Lucke gegründeten Vereins „Weckruf 2015“ hatten zuvor in einem Hotel in Kassel hinter verschlossenen Türen die Gründung beschlossen und den Vorstand der neuen Partei gewählt. Der Name der Partei und die Vorstandsmitglieder sollten bei einer Pressekonferenz am Abend offiziell bekanntgegeben werden.

Das Programm soll sich früheren Planungen zufolge an den ersten Kernthesen der Ur-AfD orientieren. Der 4000 Mitglieder zählende Verein „Weckruf 2015“ gilt als Sammelbecken für AfD-Mitglieder, die mit den rechtspopulistischen Thesen einiger Parteifunktionäre nichts zu tun haben wollen. „ALFA ist eine Wiedergeburt der ursprünglichen AfD, so wie sie 2013 gegründet wurde und uns leider durch den inakzeptablen Rechtsruck abhanden gekommen ist“, teilte er nach der Gründung seiner neuen Gruppierung am Sonntag mit.

In einer ersten Reaktion schrieb SPD-Vize Ralf Stegner auf Twitter:

„Für demokratische Parteien können solche Rechtspopulisten und Wirrköpfe niemals Partner sein“, sagte Stegner dem „Handelsblatt“. Der Grünen-Innenpolitiker Volker Beck warnte in der Zeitung allerdings davor, die neue Partei zu unterschätzen. Die demokratischen Parteien müssten diese „Ressentiment-Partei-Projekte ernst nehmen“ und den Kampf für Demokratie, Rechtsstaat und Menschenwürde verstärken. „Sie müssen jeden Tag im Netz, am Stammtisch und auf der Straße verteidigt werden.“

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