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Terror in Dänemark : „Berlingske“: Attentäter von Kopenhagen wollte für IS kämpfen

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Neuer Ermittlungserfolg: Die dänische Polizei hat zwei mutmaßliche Komplizen des Attentäters festgenommen.

shz.de von
erstellt am 16.Feb.2015 | 15:49 Uhr

Kopenhagen | Nach den Anschlägen in Kopenhagen mit zwei Toten hat die dänische Polizei zwei mutmaßliche Komplizen festgenommen. Die Männer sollen dem 22-jährigen Attentäter „mit Rat und Tat“ geholfen haben, wie die Polizei am Montag berichtete. Und es gibt anscheinend noch mehr Neuigkeiten über den Attentäter. Laut der dänischen Zeitung „Berlingske“ wollte er für den Islamischen Staat kämpfen.

Der Terrorist hatte am Samstag und in der Nacht zum Sonntag zwei Menschen erschossen und fünf verletzt. Bei Schüssen auf ein Kulturcafé starb nach Medienberichten ein dänischer Filmemacher. Vor einer Synagoge im Stadtzentrum tötete der Angreifer einen 37 Jahre alten jüdischen Wachmann. Am Sonntag lauerte die Polizei dem Mann vor seiner Wohnung im Stadtteil Nørrebro auf und erschoss ihn, nachdem er das Feuer eröffnet hatte.

Am Sonntagmorgen und Sonntagnachmittag  wurden die mutmaßlichen Terrorhelfer festgenommen. Medienberichten zufolge haben die Männer dem Attentäter Waffen besorgt, was die Polizei zunächst nicht bestätigte. Die beiden mutmaßlichen Terrorhelfer wurden Montagvormittag verhört. Den Männern wird Beihilfe zum Mord, zum Mordversuch und zur gefährlichen Körperverletzung vorgeworfen. Außerdem sollen sie gegen das Waffengesetz verstoßen haben. Sie sollen zehn Tage in Untersuchungshaft bleiben.

Am Sonntag hatten die Ermittler in Kopenhagen unter anderem einen Park und ein Internetcafé durchsucht. Um den genauen Tathergang aufzuschlüsseln, sucht die Polizei nach weiteren Menschen, denen der Mann aufgefallen ist.

Der Attentäter war der Polizei unter anderem durch Gewaltdelikte und Verstöße gegen das Waffengesetz bekannt. Der 22-Jährige sei in Dänemark geboren und im Bandenmilieu aufgefallen, teilte die Polizei mit. Laut dem Fernsehsender tv2 hieß er Omar Abdel Hamid El-Hussein. Er war nach Informationen des dänischen Rundfunks erst vor wenigen Wochen aus dem Gefängnis entlassen worden. Er hatte laut „Danmarks Radio“ im November 2013 einen Messerangriff in einer S-Bahn verübt. Die Polizei bestätigte die Informationen zunächst nicht. Noch im Gefängnis soll er den Wunsch geäußert, für die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Syrien zu kämpfen. Die Gefängnisbehörden hätten seinen Namen deshalb auf eine Liste radikalisierter Häftlinge in dänischen Gefängnissen gesetzt, will die Zeitung „Berlingske“ am Montag erfahren haben. Die Behörden wollten auch diesen Bericht nicht bestätigen. Die Ermittler hatten nach der Tat erklärt, es gebe nach ersten Erkenntnissen keine Hinweise darauf, dass der mutmaßliche Täter Verbindungen zum IS gehabt habe.

Der Vater des Attentäters reagiert bestürzt auf die Tat seines Sohnes. „Ich bin genauso schockiert wie der Rest der Welt“, sagte der Vater von Omar Abdel Hamid el-Hussein der Zeitung „Jyllands Posten“ am Montag. Er habe erst durch einen Anruf der Polizei von den Attentaten seines Sohnes erfahren. Mehr wolle er nicht sagen. Die Eltern des Attentäters sind Medienberichten zufolge Palästinenser, ihr Sohn wurde in Dänemark geboren.

Der 22-jährige war seinem früheren Rektor zufolge ein guter Schüler. „Er war ein sehr fleißiger und begabter Schüler, der sich rein fachlich gut geschlagen hat“, sagte Peter Zinkernagel dem dänischen Fernsehen. Zinkernagel leitet das Zentrum für Erwachsenenbildung im Vorort Hvidovre, das der 22-Jährige vor den Angriffen besucht hatte.

Nach Informationen des Senders war er aber nach seinem Messerangriff in der S-Bahn aus der Schule geworfen worden. In der Schule habe sich der junge Mann meist an seine muslimischen Klassenkameraden gehalten, erzählte ein ehemaliger Mitschüler dem dänischen Rundfunk.

Bei seinem zweiten Angriff soll der 22-Jährige Trunkenheit vorgetäuscht haben: Taumelnd wie ein Betrunkener habe er sich nachts der Synagoge genähert und einen 37 Jahre alten Wachmann getötet, berichtete die Tageszeitung „Politiken“ unter Berufung auf „mehrere Quellen“. Mit weiteren Schüssen hatte der 22-Jährige zwei Polizisten verletzt, die versuchten, ihn aufzuhalten.

In mehreren dänischen Städten sollten am Montag Gedenkfeiern für die beiden Opfer stattfinden. Zur Hauptveranstaltung am Abend in Kopenhagen erwarteten die Veranstalter mindestens 13.000 Menschen. Als Zeichen der Solidarität mit Dänemark wurden in Brüssel die Flaggen vor allen EU-Institutionen auf halbmast gesetzt.

Die israelische Regierung erntete mit ihrem Aufruf an die in Europa lebenden Juden zur Auswanderung nach Israel deutlichen Widerspruch. Die Juden hätten ihren Platz in Europa und im Besonderen in Frankreich, sagte Frankreichs Staatspräsident François Hollande. „Die Situation in Europa ist nicht so schlimm, das Leben in Europa ist nicht so katastrophal“, sagte Dänemarks Chefrabbiner Jair Melchior dem israelischen Rundfunk.

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