Neue PISA-Studie : Benachteiligte Schüler in Deutschland holen deutlich auf

Schüler im Unterricht in Aschaffenburg. /Archiv
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Schüler im Unterricht in Aschaffenburg. /Archiv

Es schien lange fast wie ein Naturgesetz: Soziale Herkunft ist in Deutschland entscheidend für den Schulerfolg. Jetzt zeigt eine neue PISA-Studie, dass Benachteiligte nicht abgehängt bleiben müssen.

shz.de von
29. Januar 2018, 14:10 Uhr

Sozial benachteiligte Schüler haben laut einer neuen PISA-Studie in Deutschland deutlich aufgeholt.

Nach nur jedem vierten betroffenen Schüler im Jahr 2006 erzielte 2015 fast jeder dritte dieser Schüler (32,3 Prozent) solide Leistungen, wie OECD-Bildungsdirektor Andreas Schleicher in Berlin sagte.

Der Anteil der gut abschneidenden Schüler mit schwieriger sozialer, wirtschaftlicher Ausgangslage sei so stark gewachsen wie in kaum einem anderen Land der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD).

Fast 20 Jahre nach dem PISA-Schock 2001 wegen unterdurchschnittlicher Leistungen und sozialer Ungerechtigkeit an Deutschlands Schulen lässt das Ergebnis aufhorchen . Dennoch bleibt Deutschland bei der Chancengleichheit laut Studie noch immer unter dem OECD-Schnitt. «Der soziale Hintergrund ist immer noch eine Barriere», sagte Schleicher.

An den PISA-Ergebnissen lasse sich klar erkennen, wie mehr Aufstiegsmöglichkeiten für benachteiligte Schüler geschaffen werden könnten. Positiv hätten mehr Ganztagsschulen gewirkt, die Zusammenführung von Haupt- und Realschulen und somit eine bessere soziale Mischung, mehr frühkindliche Bildung an Kitas und eine stärkere Förderung von Schülern mit Migrationshintergrund. «Diesen Weg müssen wir weitergehen», sagte Schleicher.

«Es ist der letzte abfahrende Zug», mahnte Schleicher. Die Politik müsse nach dem PISA-Schock eingeleitete, dann abgeflachte Verbesserungen weiterführen. «Die Menschen, die an einer guten Erstausbildung scheitern, haben später kaum noch Chancen.»

Zentral seien ein positives Schulklima mit stabilen Lehrerkollegien ohne viele Wechsel, mit motivierendem Leitungsstil, mit einem Klima des Zusammenhalts, sagte Schleicher. Der OECD-Bildungsdirektor forderte, die Lehrer müssten Zeit bekommen, sich um unterschiedliche Lernbedürfnisse einzelner Schüler und Schülergruppen zu kümmern. Schüler müssten ihre Talente und Schwachstellen auch außerhalb des eigentlichen Unterrichts im Rahmen von Ganztagsangeboten fördern und angehen können.

Klassengröße und technische Ausstattung seien für sich genommen keine Ursachen für bessere Lernbedingungen. «Auch die Anzahl der Computer, der Tablets sagt sehr wenig über das Arbeitsklima aus», sagte Schleicher. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte zum Start der Koalitionsverhandlungen vor allem das Ziel einer Digitalisierung der Schulen hervorgehoben.

Sebastian Gallander, Geschäftsführer der Vodafone-Stiftung, die die Studie mitinitiiert hatte, rief Union und SPD auf, ihre Ankündigung umzusetzen, die Bildungschancen im Schulterschluss von Bund und Ländern zu verbessern.

PISA ist die weltweit größte Schulleistungsstudie und erfasst die Kompetenzen von 15-jährigen in 80 Ländern.

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