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Keine Dolmetscher : Behandlung von Flüchtlingen überfordert Krankenhäuser

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Zeitaufwendige Versorgung und fehlende Dolmetscher – die Notaufnahme in Neumünster arbeitet am Limit.

Klinikambulanzen im Norden sind schon heute an der Belastungsgrenze, weil immer mehr Patienten mit Bauchschmerzen oder Husten in die Notaufnahme statt zum Hausarzt gehen. Jetzt droht sich die Situation weiter zu verschärfen: „Die immer weiter steigende Zahl von Flüchtlingen bringt inzwischen die ersten Häuser an die Grenzen dessen, was geleistet werden kann“, sagt FDP-Gesundheitsexperte Heiner Garg.

Das spürt vor allem das Friedrich-Ebert-Krankenhaus (FEK) in Neumünster. „Die Fallzahlen haben deutlich zugenommen. Das ist ohne Unterstützung nicht mehr zu handhaben“, warnt Geschäftsführer Alfred von Dollen. Sein Krankenhaus befindet sich in nächster Nähe zur zentralen Erstaufnahme-Einrichtung des Landes und wird deshalb besonders häufig von Flüchtlingen aufgesucht. „Sie kommen vor allem nachts und an den Wochenenden in die Notfallambulanzen.“ Oft handele es sich um Menschen mit vollkommen unbekanntem Infektionsstatus. Aber auch Schwangere wollten behandelt werden.

Dem Ministerium ist die Lage bekannt. „Wir arbeiten bereits an einer Lösung“, teilte gestern ein Sprecher mit.

„Die Sprachbarriere ist das größte Problem“, sagt von Dollen. Nachts und am Wochenende stünden keine Dolmetscher zur Verfügung. Eine vernünftige Diagnose und Therapie hänge entscheidend davon ab, dass Patient und Arzt sich verstehen. Die Behandlung gestalte sich deshalb als äußerst zeitaufwendig. Vom Krieg traumatisierte und verletzte Patienten und Infektionsrisiken würden das Personal zusätzlich verunsichern. Das Krankenhaus plane nun, über das Internet Video-Dolmetscher zu nutzen.

Nach Einschätzung der Krankenhausgesellschaft Schleswig-Holstein ist es nur eine Frage der Zeit, bis das Problem auch andere Häuser erreicht. Im Flensburger St. Franziskus-Hospital steht man bereits im Austausch mit Neumünster und rechnet mit einer ähnlichen Situation, wenn an der Förde eine weitere Erstaufnahme-Einrichtung öffnet. Sorge bereiten Geschäftsführer Klaus Deitmaring vor allem Infektionskrankheiten wie Tuberkulose, die in Deutschland kaum noch vorkommen: „Bei derzeitiger Auslastung würden uns die benötigten Isolierungen räumlich und personell überfordern.“ Weitere Erstaufnahme-Einrichtungen sind in Kiel und Lübeck geplant.
 

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erstellt am 04.Aug.2015 | 20:16 Uhr

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