zur Navigation springen

Kommentar zu Donald Trump : Bedenklich: Wenn der US-Präsident die Gemütslage eines „Schnellkochtopfs“ hat

vom

Trump fühlt sich zunehmend isoliert im Weißen Haus. US-Korrespondent Thomas Spang analysiert die Lage.

shz.de von
erstellt am 11.Okt.2017 | 19:20 Uhr

Washington | Eine kleine Auswahl der Schlagzeilen und Tiraden Trumps in den sozialen Medien der vergangenen Tage illustriert wie explosiv die Stimmung im Oval Office ist. In einem Tweet tituliert der Präsident den mächtigen Vorsitzenden des Auswärtigen Ausschusses im Senat als „kleinen“ Bob Corker, weil dieser das Weiße Haus eine „KITA für Erwachsene“ nannte.

 

Dann stänkert er gegen die Demokraten, die nicht hinnehmen wollen, dass sich Trump nicht mehr an das informelle Abkommen mit Nancy Pelosi und Chuck Schumer zur Absicherung der „Dreamer“ erinnern kann oder will. Der Präsident kündigte an, bei der Gesundheitsreform eigenmächtig zu handeln. Und täglich gießt er Öl in den Sportlerstreit mit der Football-Liga NFL.

 

Parallel dazu macht das Magazin „Forbes“ Schlagzeilen mit einem Trump-Interview, in dem dieser auf die „Volltrottel“-Kritik seines Außenministers Rex Tillerson eingeht. „Wenn er das gesagt hat, sollten wir mal unsere IQ-Tests miteinander vergleichen“, sagte der Präsident. „Und ich kann Ihnen sagen, wer diesen gewinnt.“

Als wäre dies nicht genug, begrüßten die Leser der amerikanischen Zeitungen ausführliche Warnungen vor einem Ausstieg aus dem Iran-Abkommen, der Eskalation des Visa-Streits mit der Türkei, alarmierende Analysen der Weltkriegs-Warnungen Corkers und die Aufkündigung der bestehenden Obergrenzen für Kohle- und Gaskraftwerke durch Trumps Umweltminister Scott Pruitt. 

Der unabhängige „Fakt-Checker“ fand heraus, dass es Trump im Schnitt fünf mal am Tag mit der Wahrheit nicht so genau nimmt. Das entspricht 1318 falschen oder irreführenden Aussagen in 263 Tagen. Der Narzisst im Weißen Haus befördert in seiner irren Welt die Lüge zum Normalzustand.

Schließlich berichtet „Vanity Fair“, das Verhältnis zwischen Trump und dessen neuen Stabschef John Kelly sei „irreparabel zerrüttet“. Es gebe eine Menge Streit mit dem Vier-Sterne-General, der Ordnung ins Weiße Haus zu bringen versucht. „Er macht seinen Job nicht mehr gerne, sondern nur noch aus Pflicht für das Land“, schreibt das Magazin.

Der ehemalige US-Heimatschutzminister und Ex-General John Kelly ist der Stabschef des Weißen Hauses.
Der ehemalige US-Heimatschutzminister und Ex-General John Kelly ist der Stabschef des Weißen Hauses. Foto: Susan Walsh
 

Wenn nur die Hälfte von all dem stimmte, bestätigte das die Aussagen eines Insiders der Trump-Regierung gegenüber der Washington Post, der von enormen Frustrationen Trumps spricht. Es habe sich so viel Dampf aufgebaut, „das wir uns in Schnellkochtopf-Territorium befinden“.

Die alles entscheidende Frage bleibt, ob jemand eine Explosion mit unabsehbaren Folgen verhindern kann. Vor allem Corkers Warnung vor dem erratischen Verhalten des Präsidenten, der sein Amt mit Reality-TV verwechsele und die USA  „auf den Weg in einen Dritten Weltkrieg“ führen könnte, ging Trump unter die Haut.

Während die Kollegen Corkers im Senat feige schwiegen, sprangen die konservativen Leitartikler des Wall Street Journal Corker zur Seite. Dieser habe „Ansichten geäußert, die auf dem Kapitolhügel und selbst innerhalb der Trump-Regierung verbreitet sind“. 

Der prominente republikanische Senator Bob Corker stellt sich offen gegen Donald Trump.
Der prominente republikanische Senator Bob Corker stellt sich offen gegen Donald Trump. Foto: J. Scott Applewhite/dpa

Trump macht selbst vor Verbündeten nicht Halt

Anlass zur Sorge gibt, dass Trump wie ein Rasender nach allen Seiten hin Brücken abbricht. Selbst solche die er dringend braucht, um zum Beispiel wenigstens seine Steuerreform durch den Kongress zu bekommen. Gleichzeitig erweist er sich bei den großen Krisen in Puerto Rico oder nach dem Massaker von Las Vegas als Totalausfall. Gelangweilt und ohne Empathie im Angesicht nationaler Tragödien. 

Die Washington Post beruft sich in ihrer Beschreibung der explosiven Gemütslage Trumps auf achtzehn Quellen im Umfeld eines Präsidenten, dessen Drohungen gegen andere Staaten via Twitter nicht nur von Corker als besorgniserregend eingestuft werden. 

„Es wird höchste Zeit, Trumps ständige Hinweise darauf, dass er gegen Nordkorea in den Krieg ziehen will, Ernst zu nehmen“, warnt der demokratische Senator Chris Murphy, der in Corkers Auswärtigem Ausschuss sitzt. Viele Gesetzgeber hörten aus dem Weißen Haus Kriegsgeflüster.

 

Besorgt sind auch die Botschafter befreundeter Staaten, die nun endgültig die Idee aufgegeben haben, dieser Präsident lasse sich durch die Erfordernisse des Amtes irgendwie einhegen. Das war Wunschdenken von Anfang an, aber eines, dem Diplomaten Kraft ihrer Aufgabe erst einmal Raum geben mussten.

Viele teilen heute die Sicht Corkers, der kürzlich sagte, zwischen dem Land und dem Chaos stünden Personen wie Stabschef Kelly, Außenminister Tillerson und Pentagon-Chef James Mattis.

Wenn der eine keine Lust mehr hat, der andere seinen Chef einen „Volltrottel“ nennt und der dritte bei Iran ignoriert wird, stehen die Chancen nicht gerade gut, eine „Trump-plosion“ zu verhindern.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen