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Kommentar zur Aussage im NSU-Prozess : Beate Zschäpes Strategie: Verurteilung wegen Beihilfe

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Beate Zschäpe liefert mit ihrer Aussage vor allem eins: Revisionsgründe, kommentiert Joachim Dreykluft.

von
erstellt am 09.Dez.2015 | 19:16 Uhr

Beate Zschäpe macht es schwer: den Opfern und ihren Angehörigen. Auch den Richtern. Und der Öffentlichkeit. Gut möglich, dass alles, was die mutmaßliche Rechtsterroristen gestern vor Gericht gesagt hat, ein „Lügenkonstrukt“ war, wie es ein Opferanwalt bezeichnete. Die Überlebenden dürfen ihre Entschuldigung getrost als Frechheit empfinden.

Das Problem: Es geht hier um ein rechtsstaatliches Verfahren, an dessen Ende das schärfste Urteil stehen könnte, das deutsches Recht kennt: lebenslang mit Sicherheitsverwahrung. Zschäpe liefert mit ihrer Aussage am Mittwoch vor allem eins: Revisionsgründe. Das Gericht ist nun in der Pflicht, ihre vorgelesenen Einlassungen angemessen zu würdigen in einem Prozess, der, was ihre Rolle bei den Morden angeht, nur aus Indizien besteht.

Angemessen heißt: Es kann sie nicht, wie die Opferanwälte und viele Kommentatoren, einfach beiseite schieben. Zwar wirken die emotionalen Bindungen innerhalb des NSU, wie Zschäpe sie beschreibt, für Außenstehende seltsam. Pauschal unglaubwürdig sind sie nicht.

Ein Satz bleibt hängen: „Nicht sie brauchten mich, ich brauchte sie.“ Er wirkt doppelt. Er stellt das Verhältnis zu ihren beiden Uwes als einseitig dar und sie als schwach. Und er greift einen zentralen Schwachpunkt der Anklage auf: die Mittäterschaft. Dafür muss sie die Taten als Gleichberechtigte begangen haben. Zschäpes Strategie: Verurteilung wegen Beihilfe, nicht wegen Mittäterschaft. Viele Jahre Haft, aber nicht für immer.

Auch eine andere Frage beantwortet Zschäpe geschickt: Warum erst jetzt? Ihre Antwort: Ihre bisherigen Pflichtverteidiger hätten sie zu einer Strategie gedrängt, die sie nicht wollte. Erst jetzt habe sie sich befreien können.

Glaubwürdiger wäre es gewesen, hätte sie selbst gesprochen.

 

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