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Nach dem Referendum in Grossbritannien : Barack Obama, Hillary Clinton, Donald Trump: So reagieren die USA auf den Brexit

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Die Schockwellen des Brexit erreichen auch die andere Seite des Atlantiks. Ein Präsident Donald Trump wird plötzlich als sehr reale Möglichkeit gesehen.

shz.de von
erstellt am 24.Jun.2016 | 19:07 Uhr

Washington | Der Ausgang des Ergebnisses des Referendums in Großbritannien stellt einen Grundpfeiler der US-Außen- und Sicherheitspolitik in Frage. Demnach haben die Amerikaner eine vertiefte Integration Europas bisher als beste Garantie für Stabilität und Wohlstand auf dem Kontinent sehen. 

Dass nun ausgerechnet der traditionell engste Partner der USA die Revolte der Wutbürger in den westlichen Demokratien anführt, hinterlässt das außenpolitische Establishment in Washington einigermaßen sprachlos. 

„Das Volk des Vereinigten Königreichs hat gesprochen, und wir respektieren die Entscheidung“, erklärte US-Präsident Barack Obama, der bei seinem Besuch in London im April noch die Werbetrommel für einen Verbleib in der EU gerührt hatte. Großbritannien und die Europäische Union blieben „unverzichtbare Partner“ selbst in einer Zeit, in der sie ihre Beziehungen neu aushandelten. 

Im Laufe des Freitags wollte Obama noch dem mit dem zurückgetretenen Premierminister David Cameron sprechen. Während der Präsident zunächst nicht auf die Turbulenzen an den Finanzmärkten einging, hob Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton diesen Aspekt hervor. „Unserer erste Aufgabe muss darin bestehen, dafür zu sorgen, dass die globale Unsicherheit, die aus dieser Situation erwächst, nicht amerikanischen Familien schadet“.

Ihr Konkurrent Donald Trump feierte den Erfolg der Brexit-Befürworter als Vorboten für einen Sieg bei den Wahlen im November. „Die haben ihr Land zurück in Besitz genommen. Das ist eine großartige Sache“, frohlockte der National-Chauvnist bei einem Besuch in seinem schottischen Golfressort. Die Briten hätten dafür gestimmt, ihre Politik, Grenzen und Wirtschaft wieder in die eigene Hand zu nehmen. „Die Amerikaner haben bald selber Gelegenheit, ihre Unabhängigkeit zu bekräftigen.“

So absurd wie der Auftritt Trumps in dem Teil des Königreichs war, der sich überwältigend für die EU ausgesprochen hat, und nun nach Unabhängigkeit von Großbritannien strebt, so sehr schärfte die Reise den Blick der US-Medien für die Parallelen der Entwicklungen auf beiden Seiten des Atlantiks.

„Die Energie hat sich gegen den Status Quo gerichtet“, warnt die Washington Post davor, die Chancen eines Wahlsiegs Trumps zu unterschätzen. Hier wie dort gebe es starke Strömungen von Wut gegen das Establishment, Nationalismus und Populismus. 

In der „New York Times“ analysiert der Transatlantiker Roger Cohen den Austritt der Briten als „Sprung in die Dunkelheit“ und „Revolte gegen den globalen Kapitalismus“. Die Welt bewege sich in eine Periode gravierender Instabilität. „Irrationalität liegt in der Luft“. Ein Trump-Sieg im November sei nun plausibler denn  je, weil eine „entwickelte Demokratie den Status Quo zugunsten eines hochriskanten Unbekannten aufgegeben hat.“

Das sagt Angela Merkel zum Brexit.

Andere Analysten weisen darauf hin, dass die Brexit- und andere rechtspopulistische Bewegungen nicht von den Jungen angeführt werden, sondern älteren Wählern, die der nächsten Generation damit ein bedenkliches Erbe hinterlassen.  

Allgemein erwarten die US-Kommentatoren eine schwierige Phase für Europa, dessen Sicherheit durch Russland nun ganz anders herausgefordert werde. Für sicher halten die Beobachter auch schwere Zeiten für das Königreich, das selber auseinander zu brechen und damit an Einfluss zu verlieren droht.   

Reaktionen aus Deutschland und aus Europa zum Brexit.

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