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Teure Medizingeräte : Banden plündern Krankenhäuser in SH

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

2,7 Millionen Euro Schaden entstanden seit 2016. Die Täter werden im Umkreis der organisierten Kriminalität vermutet.

Nach Fahrrädern, Bootsmotoren und Feuerwehrausrüstungen sind jetzt Medizingeräte dran. Die Polizei spricht von einem neuen Betätigungsfeld der organisierten Kriminalität. Offenbar auf Bestellung stehlen Diebe in deutschen Krankenhäusern gezielt wertvolle Geräte. Waren bislang Bayern und Nordrhein-Westfalen im Visier der meist südosteuropäischen Banden, registriert die Polizei jetzt auch im Norden eine deutliche Zunahme.

Allein seit 2016 ist dabei in Schleswig-Holsteins Krankenhäusern ein Gesamtschaden in Höhe von 2,7 Millionen Euro entstanden, teilt jetzt das Innenministerium auf eine Anfrage der AfD mit. „Es ist richtig, dass die Zahlen in Schleswig-Holstein im ersten Halbjahr 2017 bereits höher liegen als in den Vorjahren. Wir verzeichnen derzeit fünf Taten“, berichtet Uwe Keller, Sprecher des Landeskriminalamtes in Kiel.

Bei den meisten Diebstählen haben es die Täter auf Endoskopie- und Ultraschallgeräte abgesehen, insbesondere auf deren Köpfe. Endoskope werden bei der Untersuchung innerer Organe eingesetzt. Ein solcher Kopf kostet zwischen 10.000 und 160.000 Euro. Die Geräte sind nicht nur teuer – sie können auch leicht auf Produkte anderer Hersteller montiert werden. Auch das könnte ihre Beliebtheit als Beute erklären.

Weil die Kliniken nicht hoch gesichert sind, machen die Täter leichte Beute. So wie kürzlich in Pinneberg, als die Täter am helllichten Tag in die Regio Kliniken spazierten und hochwertige Medizintechnik entwendeten. „Die Täter sind zielgerichtet und professionell vorgegangen“, teilt Sprecher Sebastian Kimstädt mit. Die Klinik in Ratzeburg hatte seit 2016 fünfmal unerbetenen Besuch. Auch das Uni-Klinikum sowie die Städtischen Krankenhäuser in Kiel und Neumünster wurden Opfer von Diebesbanden.

„Für die Täter ist es leicht, in Sport- oder Reisetaschen eine Vielzahl von Geräten abzutransportieren“, bestätigt Keller. Krankenhäuser seien öffentliche Orte, die endoskopischen Abteilungen gut ausgeschildert. „Der Umstand, dass die Abteilungen oftmals über längere Zeiträume nicht besetzt sind, beispielsweise an Wochenenden, begünstigt die Tatausführung.“

Weil es sich um ein bundesweites Phänomen handelt – allein der Versicherungsmakler Ecclesia zählt seit Februar 2014 mehr als 50 Diebstähle mit einem Schaden von insgesamt etwa 11,5 Millionen Euro – hat sich jetzt das Bundeskriminalamt eingeschaltet. Wie nötig das ist, zeigt die Mitteilung des Kieler Innenministeriums, dass bislang noch kein einziger Täter identifiziert werden konnte.

Auch in anderen Bundesländern tappen die Kriminalämter im Dunkeln und kennen weder Auftraggeber noch Abnehmer. Nur so viel seht fest: Der Diebstahl solcher Spezialgeräte macht nur Sinn, wenn die Absatzwege klar sind.

Inzwischen läuft eine Infokampagne von Versicherungen und Krankenhausgesellschaft, um das Personal für die neue Gefahr zu sensibilisieren. Einfach wird das nicht. Wer kann schon unterscheiden zwischen einem Patienten auf dem Weg zum Ultraschall und einem Dieb auf Beutetour?


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erstellt am 09.Aug.2017 | 16:35 Uhr

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