Bambi – Burdas Betriebsfeier

shz.de von
16. November 2013, 00:33 Uhr

Normalerweise werden Betriebsfeste nicht im Fernsehen übertragen. Schon gar nicht über drei Stunden und zur besten Sendezeit. Aber wenn ein goldig süßes Bambi am Waldrand steht, dann ist alles anders. Will ein Unternehmen in der gebührenfinanzierten ARD einen Werbespot schalten, dann kostet das viel Geld und ist nach 20 Uhr gar nicht erlaubt. Zuweilen aber wird eine Ausnahme gemacht. Etwa, wenn eine Anfrage aus dem Hause Springer oder Burda kommt. Aber gerne doch, sagen dann die Intendanten.

Und schon sitzen einige hundert Mitglieder einer Parallel-Welt beisammen und feiern sich auf und vor der Bühne, zusätzlich veredelt durch prominente Gäste, die alle irgendetwas Gutes getan haben und gerne darüber reden möchten. Bill Gates zum Beispiel, der die Hälfte seiner Milliarden zur Bekämpfung des Elends in der Welt zur Verfügung gestellt hat. Oder die Frau, die vor Lampedusa Flüchtlinge aus dem Wasser gezogen hat. Apropos Wasser, der eine oder die andere, bei denen Bambi eine Zuflucht gefunden hat, war derart von sich selbst gerührt, dass Tränen flossen. Und Jupp Heynckes hielt einen nicht enden wollenden Vortrag über Fußball im Allgemeinen und den FC Bayern im Besonderen. Cindy aus Marzahn schilderte, wie ihr einst an der Kasse jemand von hinten auf den Leib rückte. Und während vorn „Tatort“-Kommissarin Maria Furtwängler die Gastgeberin spielte, blickte in der Menge ihr Gatte und Herr der bunten Blätter, Hubert Burda, zufrieden in die Kameras. Bambi ist ein Fall für den Tierschutz, beziehungsweise für die ARD-Aufsichtsgremien.

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