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Baby statt Hantel: Beim Kanga turnt Mama mit Baby

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

shz.de von
erstellt am 14.Aug.2014 | 18:21 Uhr

Mareike Böhmel beißt die Zähne zusammen. Sie geht in eine tiefe Kniebeuge und wippt leicht auf und ab. Eigentlich schon anstrengend genug. Doch die 29-Jährige hat ein paar Extra-Kilo vorm Bauch: ihre Tochter Hanna. Das Baby steckt in einer Trage und schläft, während Mama schwitzt. „Das ist schon schwer“, sagt Böhmel.

Und das muss beim Kangatraining auch so sein. Das zusätzliche Gewicht soll den Schwangerschaftsspeck schneller schmelzen lassen und Muskeln aufbauen. Babys in Tragen oder Tüchern zu transportieren, finden viele Mütter praktisch. Die Hände sind frei, und der Nachwuchs fühlt sich wohl.

Wieso das nicht auch beim Sport nutzen?, dachte sich die Wienerin Nicole Pascher und entwickelte das Fitnessprogramm, das nach der Kängurumutter bei Winnie Puuh benannt ist. Mittlerweile gibt es die Kurse in mehreren Ländern und vielen deutschen Städten. Pam Zurkuhle unterrichtet Kanga seit einiger Zeit in einem Tanzstudio in Delmenhorst bei Bremen. Auf dem Boden liegen Rasseln, Kuscheltiere und Schnuller verteilt. Sechs Babys krabbeln zwischen den Matten herum. Hanteln und andere Sportgeräte sucht man vergeblich – unnötig.

Nach dem Aufwärmen schnallen sich die Mütter ihre Kindern vor den Bauch. Zurkuhle dreht die Musik auf. „Bauch einziehen, Schultern tief“, ruft sie. Los geht es mit Aerobic, danach folgen einige Kraftübungen, dann wieder Aerobic. Alles schonend für die Gelenke und den strapazierten Beckenboden, aber alles andere als leicht. Johanna Orzessek (Foto M.) lässt ihren Sohn Felix auf den Beinen schweben und hebt den Oberkörper. Schweißtreibende zehn Kilo wiegt der kleine Kerl, die Bauchmuskeln brennen. Die 28-Jährige stört das nicht: „Umso schwerer, umso besser“, findet sie.

Mit ihrer Sport-Begeisterung ist sie nicht allein. Nicht nur Sporty-Moms wie Madonna und Heidi Klum, sondern auch viele ganz normale Mütter wollen nach der Geburt schnell wieder in Form kommen. An Angeboten mangelt es nicht: Pilates mit Kind, Mami-und-Baby-Yoga, Buggyfit. Sogar der Bundesligist Werder Bremen bietet Walking mit Kinderwagen an, bei dem Frauen im Slalom ums Stadion cruisen oder die Parkplatzeinfahrt rauf und runter hechten. Ihre Schwangerschaftspfunde hat Johanna Orzessek nach sechs Wochen bereits abgeturnt. Das Training hat nach ihrer Ansicht noch einen Vorteil: „Ich brauche keinen Babysitter.“

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