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Studie zum Demografischen Wandel : Baby-Boomer lassen Deutschland ergrauen

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Die Jahrgänge bis 1970 waren geburtenstark. Sie sorgen nun dafür, dass Deutschland überaltert - mit dramatischen Folgen.

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erstellt am 11.Nov.2014 | 10:43 Uhr

Köln | Bis zum Jahr 2060 wird Deutschland um zehn Millionen Einwohner auf 71 Millionen schrumpfen. Jede zweite in Deutschland lebende Person wird dann 51 Jahre oder älter sein. 3,3 Millionen oder fünf Prozent der Bevölkerung sogar 90 Jahre oder älter. Heute sind das rund 650.000. Das sind die Hauptergebnisse einer Studie der Universität Köln zum demografischen Wandel, die am heutigen Dienstag veröffentlicht wurden.

Grund sind laut dem Demografie-Professor Eckart Bomsdorf die geburtenstarken Jahrgänge zwischen 1950 und 1970, die selbst relativ wenige Kinder bekommen haben. Bomsdorf hat die Studie unter Mitarbeit von Jörg Winkelhausen erstellt. Bomsdorf rät zu einem späteren Renteneintrittalter. „Wenn unser derzeitiges Rentensystem bei zunehmend älterer Bevölkerung leistungsfähig bleiben soll, ist ein späteres Renteneintrittalter unabdingbar.“ Laut der Studie wird die Zahl der Personen im Erwerbsalter (20 bis 65 Jahre) von heute 50 Millionen auf 36 Millionen schrumpfen.

Die Studie beruht auf den Daten des Zensus 2011 und der Bevölkerungsstruktur von Ende 2013. Es ist nach Angaben der Autoren die erste auf Basis dieser aktuellen Daten, die die Bevölkerung bis 2060 vorausberechnet.

Die Bevölkerung in Deutschland 2013 bis 2060.
Die Bevölkerung in Deutschland 2013 bis 2060.
 

Die Ergebnisse werfen ein Schlaglicht auf die aktuelle Diskussion um die künftige Finanzierung der Rentenkassen. An diesem Dienstag will die Deutsche Rentenversicherung bei einer Veranstaltung für die Medien in Würzburg einen Überblick über die Finanzlage der Rentenkasse geben. Der Paritätische Gesamtverband forderte bereits im Vorfeld eine Anhebung des Rentenniveaus auf mindestens 50 Prozent des Durchschnittseinkommens. „Seit Jahren gilt die Strategie, den Beitragssatz auf jeden Fall stabil zu halten“, sagte der Geschäftsführer des Verbandes, Ulrich Schneider, der Nachrichtenagentur dpa in Berlin. „Diese Strategie hat versagt.“

Laut Demografie-Professor Bomsdorf ließe sich das von ihm vorausgesagte Altern und Schrumpfen der in Deutschland Lebenden nur durch massive Zuwanderung stoppen. Der Wanderungsüberschuss müsse jährlich bei nahezu 350.000 Personen liegen. Das ist zwar weniger als 2013. Im vergangenen Jahr lag der Zuwanderungsüberschuss in Deutschland bei 437.000, dem höchsten Wert seit 20 Jahren. Allerdings ist die Zuwanderung seit Jahrzehnten von starken Schwankungen geprägt. In den 2000er-Jahren lag sie meist unter 200.000. 2008 und 2009 gab es laut Statistischem Bundesamt sogar jeweils ein negatives Wanderungssaldo.

Nach Aussage von Bomsdorf sind aus der Studie keine Ergebnisse für einzelne Bundesländer ableitbar. shz.de sagte er, es sei vor allem eine Frage der Attraktivität, ob ein Land seine Bevölkerung halten oder sogar erhöhen kann.

 

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