zur Navigation springen

Anschlag in Berlin : Automatisches Bremssystem des Lkw soll noch mehr Tote verhindert haben

vom

Anis Amri hat laut Medienberichten noch aus dem Lkw gechattet. Die Opposition im NRW-Landtag verlangt Aufklärung.

Düsseldorf/Berlin | Bei dem Lkw-Anschlag auf dem Berliner Weihnachtsmarkt durch den mutmaßlichen Attentäter Anis Amri verhinderte nach Informationen von „Süddeutscher Zeitung“, NDR und WDR ein automatisches Bremssystem des Fahrzeugs Schlimmeres. Der Lkw kam demnach nach 70 bis 80 Metern zum Stehen, weil die Zugmaschine mit der Technik ausgerüstet war, die auf einen Aufprall reagiert und von selbst die Bremsen betätigt. Dadurch seien nach Angaben aus Berliner Regierungskreisen Leben gerettet worden. Nach dem Anschlag war spekuliert worden, ob der eigentliche Lkw-Fahrer aus Polen, der tot auf dem Lkw-Beifahrersitz gefunden wurde, dem Attentäter ins Lenkrad gegriffen und so noch Schlimmeres verhindert hatte.

Der 24-Jährige war den Ermittlungen zufolge am Montag vor Weihnachten mit einem Lastwagen in den Weihnachtsmarkt an der Berliner Gedächtniskirche gefahren. Zwölf Menschen starben, 55 wurden verletzt. Nach offiziellen Angaben werden 20 Verletzte noch immer in Krankenhäusern behandelt, elf von ihnen auf der Intensivstation. Auf seiner Flucht wurde Amri in Italien von Polizisten erschossen.

Amri soll vor der Tat gechattet haben

Wie das Recherchenetzwerk weiter berichtet, soll Amri nur wenige Minuten vor der Tat im Führerhaus des Lastwagens mit einem Glaubensbruder gechattet haben. Amri schrieb dem Bericht zufolge: „Mein Bruder, alles in Ordnung, so Gott will. Ich bin jetzt im Auto, bete für mich, mein Bruder, bete für mich.“ Dann habe er noch ein Selfie von sich aus dem Lkw verschickt.

Auch „Spiegel Online“ berichtete, Amri habe wenige Minuten vor dem Anschlag noch Sprachnachrichten und Fotos verschickt. Unter den Empfängern soll laut „Focus“ der 40-jährige Tunesier gewesen sein, der am Mittwoch in Berlin festgenommen wurde. Bis Donnerstag werde geprüft, ob gegen ihn Haftbefehl beantragt wird, teilte die Bundesanwaltschaft mit. Der Anschlag hat in Deutschland eine Debatte über schärfere Gesetze, mehr Überwachung und mögliches Behördenversagen ausgelöst.

Wie gut war Amri in NRW vernetzt?

Die Opposition im Düsseldorfer Landtag verlangt unterdessen Aufklärung über die Aktivitäten Amris in Nordrhein-Westfalen. Die Fraktionen von CDU, FDP und Piraten wollen am Donnerstag eine Sondersitzung des Innenausschusses des Landtages gleich zu Beginn des neuen Jahres beantragen. Das Schreiben an Landtagspräsidentin Carina Gödecke (SPD) liegt der Deutschen-Presse Agentur vor.

Nordrhein-Westfalen war einer Hauptaufenthaltsorte Amris, in dem Bundesland liegt auch die für ihn zuständige Ausländerbehörde. Amri galt als „Gefährder“, dem ein Anschlag zugetraut wurde, verschwand aber vom Radar der Behörden.

Zum Hergang der Tat in Berlin und zur Fluchtroute sind noch immer viele Fragen offen. „Wenn die Enthüllungen stimmen, dass ein ausreisepflichtiger terroristischer Gefährder, der den Behörden bekannt ist, sich völlig frei bewegen und in radikalen Moscheen im Ruhrgebiet ungestört Hass predigen kann, dann ist dies der absolute Tiefpunkt von sechs Jahren rot-grüner Innenpolitik in NRW, der jetzt schonungslos aufgeklärt werden muss“, sagte der nordrhein-westfälische CDU-Chef Armin Laschet. Nach WDR-Recherchen soll Amri im Ruhrgebiet deutlich besser vernetzt gewesen sein als bislang angenommen.

Grundsätzlich hätten der Anschlag und der Umgang der Behörden mit Amri „das Potenzial, sich zu einem Desaster für die Sicherheitsbehörden von der Qualität des Nichterkennens der NSU-Terrorzelle zu entwickeln“, sagte der Vorsitzende des Bundes Deutscher Kriminalbeamter (BDK), André Schulz, der Zeitung „Die Welt“.

zur Startseite

von
erstellt am 29.Dez.2016 | 07:27 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen