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Tihange, Doel und Fessenheim : Ausländische Akw nicht gegen Super-GAU versichert

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Die Haftungsgrenzen decken bei weitem nicht die Kosten, die ein Super-GAU verursachen würde.

shz.de von
erstellt am 25.Apr.2017 | 11:30 Uhr

Berlin | Für die enormen Kosten eines schweren Atomunfalls sind die Kernkraftwerke in Deutschlands Nachbarländern einer Studie zufolge nicht ausreichend versichert. Die wahrscheinlichen Kosten eines Super-GAUs in Europa lägen bei 100 bis 430 Milliarden Euro, heißt es einer Analyse des Forums Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS) im Auftrag des Ökoenergieanbieters Greenpeace Energy. Die international vereinbarte „Haftungs- und Deckungsvorsorge“ sei aber meist auf dreistellige Millionenbeträge begrenzt. Damit würden die Kosten die Haftungsgrenzen um das Hundert- bis Tausendfache überschreiten.

In Deutschland gibt es immer wieder Kritik an der Sicherheit der grenznahen französischen Kraftwerke Fessenheim und Cattenom. Auch belgische Reaktoren in Grenznähe zu Deutschland geraten wegen häufiger Pannen immer wieder in die Kritik. Auch geht die Angst um, die Atomkraftwerke könnten zum Ziel von Anschlägen werden.

So erforderten in Paris, Brüssel und Wien geschlossene Haftungsübereinkommen Deckungsvorsorgen von maximal 381 Millionen Euro. Die höchsten vom Kraftwerksbetreiber vorzuhaltenden Vorsorgesummen in Belgien, den Niederlanden und der Schweiz lägen jeweils bei rund einer Milliarde Euro. Zudem sei in allen europäischen Staaten außer Deutschland und der Schweiz die Haftung der Kraftwerksbetreiber begrenzt. Laut FÖS-Studie besteht weltweit jedes Jahr eine Wahrscheinlichkeit von einem Prozent, dass ein nuklearer Unfall mit einem Schaden von mindestens 312 Milliarden Euro eintritt.

In Deutschland geht 2022 das letzte Atomkraftwerk vom Netz. Viele Nachbarländer setzen aber weiter auf Atomkraft. Anlagen nahe der deutschen Grenze, etwa Tihange und Doel in Belgien oder Fessenheim in Frankreich, machen immer wieder mit Problemen Schlagzeilen.

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