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Ausgespäht wurde schon immer

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

shz.de von
erstellt am 11.Feb.2014 | 17:43 Uhr

Die Großen dieser Welt waren auch schon vor Erfindung des Handys eine große Familie, in der jeder alles über den anderen wusste. Das galt besonders unter den mächtigen Staatslenkern, wie jetzt im Spiegel veröffentlichte Auszüge aus dem Protokoll des Zentralkomitees der KPdSU zeigen. Danach beschloss das oberste Gremium der kommunistischen Partei unter Führung von Generalsekretär Leonid Breschnew, dem damaligen Bundeskanzler Helmut Schmidt einen Geländewagen Marke Lada Niva zu schenken. Ein Auto, das auch auf deutschen Straßen schlecht gefedert, aber robust und preisgünstig Dienst tut. Das Kuriose an diesem ZK-Beschluss war die Begründung für die Schenkung, aus der ersichtlich wird, wie genau die russische Führungsspitze über das private Umfeld der Schmidts informiert war. Der Kanzler besitze an der Küste, unweit von Kiel, eine Datscha. Dort seien die Straßen nicht sehr gut, außerdem sammele Schmidts Ehefrau Sumpfpflanzen.

Beim Sammeln der Informationen haben Stasi und KGB nicht schlecht gearbeitet, allerdings auch nicht perfekt. Langwedel liegt nicht an der Küste, die Straßen in der Gegend lassen sich auch ohne Geländewagen befahren, und Loki sammelte keineswegs nur Sumpfpflanzen, benötigte also auch keinen vierradgetriebenen SUV. Das versprochene Geschenk hat Helmut Schmidt aus nicht mehr zu klärenden Gründen nie erhalten. Ein deutscher Kanzler im russischen Lada hätte zweifellos einiges Aufsehen erregt.

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