Ausgeschmückte Geschichte(n)

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15. November 2013, 00:33 Uhr

Aus der Ferne verliert manche Schandtat ihren Schrecken. Jeder Rom-Reisende erfährt beim Besuch des Colosseums, dass hier zur Kaiserzeit das Blut in Strömen geflossen ist und etwa 300 000 Menschen gemeuchelt wurden. Besonders grausam soll es der verrückte Nero getrieben und aus reinem Vergnügen die Stadt in Schutt und Asche gelegt haben.

Nur Schauermärchen seien das, hat nun der Althistoriker Professor Martin Zimmermann aus München ermittelt. Nero sei gar kein Böser, sondern ein Guter gewesen, habe Rom nicht zerstört, sondern nach dem Brand sogar den Wiederaufbau mit breiteren Straßen organisiert und für besseren Brandschutz gesorgt. Nur gut, dass der grandiose Schauspieler Peter Ustinov diese schlechten Nachrichten nicht mehr erleben muss; Kein anderer hat den angeblich oder wirklich irren Kaiser so wunderbar verkörpert wie Sir Peter. Auch viele andere Hollywood-Blockbuster wie „Ben Hur“ oder „Spartacus“ müssten neu gedreht werden.

Professor Zimmermann hat eine überzeugende Erklärung für das schlechte Image des Altertums. Die Schriftsteller seien schuld. Sie haben nach seinen Erkenntnissen Grausamkeiten erfunden, um ihren Lesern zu gefallen. Man erkennt, sehr viel hat sich in dieser Hinsicht seit Neros und Caligulas Zeiten nicht geändert. Wer in sehr ferner Zukunft die Werke eines Stephen King oder Henning Mankell liest, der muss glauben, dass im 20./21. Jahrhundert selbst nach den Kriegen Mord und Totschlag an der Tagesordnung waren.

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