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Sorgen um die Arktis : Ausbeutung und Klimawandel: Die Nöte des Arktischen Rats

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Am Donnerstag treffen sich Vertreter der Anrainerstaten, um die größten Probleme der Arktis zu diskutieren. Vor allem der Klimawandel bereitet Sorgen.

shz.de von
erstellt am 11.Mai.2017 | 15:58 Uhr

Fairbanks | Die acht Außenminister des Arktischen Rates kommen am Donnerstagabend in Fairbanks (Alaska) zusammen, um über Problemlösungen für die nordische Region zu sprechen. Unter anderem werden US-Außenminister Rex Tillerson und der russische Chefdiplomat Sergej Lawrow zusammentreffen. Mit ihren Kollegen aus Finnland, Schweden, Norwegen, Dänemark, Island und Kanada wollen sie unter anderem über die Frage der Ausbeutung arktischer Bodenschätze, Klimawandel sowie über Infrastrukturprojekte in der Arktis sprechen. Unter anderem soll die Telekommunikation nördlich des Polarkreises verbessert werden.

Die Arktis ist nicht nur für die Entwicklung des Weltklimas wichtig, sondern durch die riesige Menge an Bodenschätzen wie Gold, Platin, Öl und Gas auch wirtschaftlich interessant - und damit eine Region der Konkurrenz der mächtigen Anrainer.

Die Veranstaltung in Alaskas zweitgrößter Stadt Fairbanks wird von Protesten begleitet. Umweltschützer aus aller Welt riefen den Arktischen Rat zu entschlossenem Handeln im Kampf gegen den Klimawandel auf. Die Region nördlich des Polarkreises sei in besonderer Weise von den Folgen des Klimawandels betroffen. Die Durchschnittstemperatur war im Januar 2017 um fünf Grad höher als im Durchschnitt der Jahre 1982 bis 2010.

Auch indigene Völker aus der Arktis-Region stimmen in die Proteste mit ein. Die Ureinwohner befürchten die Vernichtung ihrer Lebensgrundlage. So können sie in Alaska etwa in warmen Wintern nur noch eingeschränkt Walrösser jagen, weil die Eisdecke zu dünn geworden ist. „Unsere Stimme wird nicht gehört“, bemängelte Bernadette Dementieff, Vorsitzende des Steuerkreises der Gwitschin-Ureinwohner.

Die Menschen aus der Arktis-Region hoffen vor allem auf eine kontinuierliche Klimapolitik der USA. Diese überlegen unter der Trump-Regierung, aus dem Pariser Klimaschutzabkommen, das fast 200 Länder mittragen, auszusteigen. Eine Entscheidung will Trump aber erst nach dem G7-Gipfel Ende Mai auf Sizilien bekanntgeben.

Eis der Arktis schmilzt schneller als befürchtet

Zuletzt hatten mehrere Studien belegt, dass das Eis der Arktis schneller schmilzt als zunächst befürchtet. Schon 2030 könnte die Nordpolarregion im Sommer eisfrei sein. „Das ist ein ökologisches Desaster und geht uns alle an: Ein steigender Meeresspiegel wäre auch für uns bedrohlich“, bemängelten die Grünen in Deutschland. Sie forderten auch die Bundesregierung zu mehr Engagement auf.

In der Antwort auf eine Kleine Anfrage der Grünen hat die Bundesregierung alarmierende Fakten zur Arktis zusammengetragen. So ist etwa die Fläche des Meereises innerhalb der vergangenen 20 Jahre um 1,21 Millionen Quadratkilometer zurückgegangen - das ist mehr als dreimal die Fläche von Deutschland. Der Anteil von mindestens vier Jahre altem und damit dickerem und stabilerem Eis ist seit 1985 von 16 auf 1,2 Prozent gesunken, der Anteil des dünneren, fragileren einjährigen Meereises dagegen von 55 auf 78 Prozent gestiegen.

Das Video zeigt die nördliche Polarregion. Auf den Satellitenbildern ist gut zu erkennen, wie wenig Meereis die Arktis inzwischen beherbergt:

Kampf um die Rohstoffe

Das klimabedingte Schmelzen des Eises hat außerdem Begehrlichkeiten geweckt. Russland und andere Arktis-Anrainer wie die USA, Kanada, Norwegen und Dänemark wollen sich reiche Vorkommen an Öl und Gas sichern, die in der Region um den Nordpol vermutet werden. US-Präsident Trump hatte sich erst vor kurzem für eine Ausweitung der Ölförderung ausgesprochen. Dabei gilt die Ölförderung in der Arktis als besonders riskant und derzeit nicht wirtschaftlich. Moskau hat sogar mit dem Bau neuer Militärstützpunkte im Polarmeer begonnen und Luftabwehrraketen dort stationiert. Außerdem gewinnt das neue Seegebiets für den Gütertransport an Bedeutung.

Im Arktischen Rat, der 1996 im kanadischen Ottawa gegründet wurde, arbeiten acht Staaten an den Herausforderungen durch den Klimawandel und dessen Auswirkungen auf die Lebensbedingungen in der Nordpolarregion. Mitglieder des Rates sind neben den Arktis-Anrainern Russland, Kanada, USA (Alaska), Dänemark (Grönland) und Norwegen (Spitzbergen) auch Island, Schweden, Finnland und Vertreter indigener Völker. Deutschland, China und Indien sowie weitere Staaten haben einen Beobachterstatus. In diesem Jahr übernimmt Finnland für zwei Jahre den Vorsitz des Gremiums, das zwar keine bindenden Vorschläge machen kann, jedoch ein wichtiges Forum bietet, die gemeinsamen Herausforderungen zu diskutieren.

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