AfD-Landtagsfraktion in Sachsen-Anhalt : Auf Druck von Partei und Fraktion: André Poggenburg tritt zurück

André Poggenburg gibt den Vorsitz der AfD-Landtagsfraktion in Sachsen-Anhalt und den Landesvorsitz auf.
André Poggenburg gibt den Vorsitz der AfD-Landtagsfraktion in Sachsen-Anhalt und den Landesvorsitz auf.

Nach rassistischen Äußerungen geriet Poggenburg auch parteiintern in die Kritik. Die Fraktion hatte ihm das Vertrauen entzogen.

shz.de von
08. März 2018, 09:43 Uhr

Magdeburg | André Poggenburg will seine Chefposten in der Landtagsfraktion und an der Parteispitze der AfD in Sachsen-Anhalt zum 31. März aufgeben. Das habe der 42-Jährige bereits vorige Woche gegenüber seinen Abgeordnetenkollegen erklärt, teilte der AfD-Fraktionsvorstand am Donnerstag in Magdeburg mit. Dann sei er genau zwei Jahre im Amt gewesen. Er wolle jedoch weiter im Fraktionsvorstand mitarbeiten.

Poggenburg gehörte neben dem thüringischen Fraktionschef Björn Höcke zu den Führungsfiguren der völkisch-nationalistischen AfD-Gruppierung „Der Flügel“. Der Rechtsaußengruppierung wird etwa ein Drittel der Partei zugerechnet.

Er begründete seinen Schritt auch mit dem bundesweiten Echo auf seine Rede beim politischen Aschermittwoch in Sachsen. Es sei „ein enormer medialer Druck aufgebaut“ worden. Er selbst könne diesem Druck problemlos begegnen, „möchte diesen aber von den Mitgliedern, Fraktionskollegen und Parteifreunden abwenden“.

Poggenburg hatte mit der Rede bundesweit für Schlagzeilen gesorgt. Dort hatte er in Deutschland lebende Türken als „Kümmelhändler“ und „Kameltreiber“ verunglimpft, die in Deutschland „nichts zu suchen und nichts zu melden“ hätten.

Das brachte ihm neben bundesweiter Empörung auch parteiinterne Kritik ein. Die Kreisverbände meldeten vermehrt Austritte und den Rückzug von Mitgliedsanträgen. Vor einer Woche wurde Poggenburgs Auftritt auch in der Fraktion diskutiert. In einer anschließenden geheimen Vertrauensabstimmung erhielt er nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur nur drei Ja-Stimmen. Zwei Abgeordnete enthielten sich, 17 stimmten gegen ihn. Zuerst hatten NDR, WDR und „Süddeutsche Zeitung“ über den Vertrauensentzug berichtet.

Sowohl die Landespartei als auch die Landtagsfraktion fielen in der Vergangenheit immer wieder durch interne Streitigkeiten auf. Auch Poggenburgs Führungsstil wurde immer wieder kritisiert. Drei Abgeordnete haben die einst 25-köpfige AfD-Fraktion bereits verlassen.

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