Bundeswehr : Auch Dicke sollen dienen dürfen

Zu Besuch in der Türkei: Ursula von der Leyen ließ sich von Generalleutnant Markus Kneip (l.) und Oberst Stefan Drexler (r.) die Raketenabwehr-Stellung zeigen.
Zu Besuch in der Türkei: Ursula von der Leyen ließ sich von Generalleutnant Markus Kneip (l.) und Oberst Stefan Drexler (r.) die Raketenabwehr-Stellung zeigen.

Ursula von der Leyen reformiert weiter: Um die Bundeswehr attraktiver zu machen, schlägt die Verteidigungsministerin vor, die Fitness-Anforderungen für Soldaten zu senken.

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26. März 2014, 18:30 Uhr

Berlin | Nach ihren Vorstößen für mehr Frauen und Kinderbetreuung bei der Bundeswehr möchte sie diese nun auch für beleibte Bewerber öffnen. Die CDU-Ministerin schlug Dienstag in der „Rheinischen Post“  vor, die Eignungsmerkmale für die Bundeswehr zu überprüfen. „Beispiel körperliche Fitness“, sagte von der Leyen, „es stellt sich die Frage, ob jeder einzelne Soldat und jede einzelne Soldatin, gleich welche Aufgabe sie im Riesenkonzern Bundeswehr ausfüllt, tatsächlich einen langen Marsch mit schwerem Gepäck bewältigen können muss.“

Wie schon die Vorschläge zur Kinderbetreuung und der besseren Planung der Versetzungen beim Bund, zielt die Überlegung der Ministerin darauf, den Arbeitgeber Bundeswehr attraktiver zu machen. Als der Wehrbeauftragte Hellmut Königshaus im Januar 2014 seinen jüngsten Jahresbericht vorstellte, mahnte er, Konkurrenzfähigkeit sei für die Bundeswehr eine „Überlebensfrage“. Der Umfang der Streitkräfte ist von 198.000 (2012) auf 184.000 (2013) Soldaten und Soldatinnen zurückgegangen.

Zur Zeit sind nicht nur Bewerber, sondern auch langjährige Soldaten verpflichtet, einen jährlichen Basis-Fitnesstest nach den Vorgaben des deutschen Sportabzeichens zu absolvieren. Dazu gehören Sprinttests, Ausdauerläufe und Kraftausdauertests (Klimmzüge) sowie ein Marsch mit 15 Kilogramm Gepäck – egal ob der einzelne Soldat einem Bürojob nachgeht oder als Gebirgsjäger im Einsatz ist. Fitness sei immer gut, betonte auch Ursula von der Leyen, aber es müsse auch danach gehen, was eine moderne, hochtechnisierte Armee braucht. Nämlich die Fähigkeit zum vernetzten Arbeiten, soziale Kompetenzen, eine moderne Unternehmenskultur und ein ausgeprägtes Technikverständnis. „Für Menschen, die das bei der Bundeswehr einbringen wollen, dürfen wir nicht unnötige Hürden aufbauen.“ 

Hans-Peter Bartels, Kieler SPD-Bundestagsabgeordneter und Vorsitzender des Verteidigungsausschusses in Berlin, kann diese Überlegung gut nachvollziehen. „Es muss differenziert werden: Natürlich ist es bei der Marine oder den Fallschirmjägern wichtig, dass die Soldaten und Soldatinnen fit sind, genauso ist es aber fraglich, ob ein technisch hochspezialisierter Elektroniker ein goldenes Sportabzeichen schaffen muss“. Bartels erkennt in vielen Verbänden der Bundeswehr ein Festhalten an althergebrachten Strukturen, die zumal im Friedensbetrieb keine Berechtigung mehr hätten. „Dazu zählt auch das Relikt der Präsenzkultur, also der Dienstantritt täglich um sieben Uhr.“ Wer die Bundeswehr attraktiver machen wolle, sowohl für die bereits im Dienst stehenden, aber auch für Neubewerber, müsse das künstliche Festhalten an diesen Ritualen überdenken.

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