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US-Präsident : Atomwaffen-Aufrüstung: Trumps Pläne sind gefährliche Idiotie

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US-Präsident Donald Trump denkt laut über einen Ausbau des Atomwaffenarsenals nach. Korrespondent Thomas J. Spang analysiert die Lage.

shz.de von
erstellt am 24.Feb.2017 | 19:02 Uhr

US-Präsident Donald Trump hat mit der Aussage, sein Land müsse führende Atommacht sein, Kritik auf sich gezogen. „Es wäre wunderbar, es wäre ein Traum, wenn kein Staat Atomwaffen hätte“, sagte Trump. „Aber solange Staaten Atomwaffen haben, werden wir im Rudel ganz oben stehen.“ Die USA seien auf diesem Gebiet zurückgefallen. Abrüstungsbefürworter warfen dem Republikaner am Freitag vor, die Fakten zu ignorieren. Jeder Staatschef auf der Welt außer Trump wisse, dass die USA schon jetzt führend auf dem Gebiet seien, erklärte John Tierney vom „Center for Arms Control and Non-Proliferation“.

Donald Trump spielt mit dem nuklearen Feuer, wenn er leichtfertig über einen neuen Atomwettlauf spricht. Als Präsident der Supermacht USA haben seine Worte ein anderes Gewicht als die lockeren Sprüche von Stammtischbrüdern. In dieser Position muss er die potentiellen Konsequenzen seiner Äußerungen stets mitbedenken.

Selbst wenn es Trump nicht so gemeint haben sollte, könnten seine kraftmeiernden Proklamationen ungewollte Reaktionen zeitigen. Vor allem bei einem Gegenüber in Russland, der politisch nicht weniger unter einer Überproduktion an Testosteron leidet wie er.

Sowohl die Äußerungen Trumps im Reuters-Interview als auch die eines früheren Tweets vom Dezember kamen einigermaßen unvermittelt. Überraschen dürfen sie dagegen nicht. 

Das Streben nach nuklearer Dominanz leitet sich aus der „America-First“-Doktrin ab, mit der Trump die USA auf der Weltbühne neu positionieren will. Der US-Präsident zielt darauf ab, Vereinbarungen zu beenden, die er als „schlechten Deal“ betrachtet.

Aus seiner Sicht fällt das unter Vorgänger Barack Obama ausgehandelte Abkommen zur Begrenzung strategischer Atomwaffen „New START“ in diese Kategorie. Was Trump daran genau auszusetzen hat, ist weniger klar, als seine Attitüde.  

An den paar Gefechtsköpfe, die Moskau mehr besitzt, kann es kaum liegen. Die Russen würden ihr Arsenal mit Kusshand gegen die technologisch überlegenen Bestände der Amerikaner eintauschen. Zumal diese mit großem Aufwand modernisiert werden. Bereits unter Barack Obama beschlossen die Amerikaner, ihren Atomwaffen über die kommenden 30 Jahre ein Lifting zu verpassen. Dafür geben sie den schwindelerregenden Preis von eine Billionen (engl. Trillion) Dollar aus.

Es scheint, als habe Trump die elementare Logik hinter den bestehenden Abrüstung-Vereinbarungen nicht verstanden. Die Antagonisten des Kalten Krieges stoppten vor Jahrzehnten die Aufrüstung-Spirale nachdem sie begriffen, dass es bei einem atomaren Rüstungswettlauf nur Verlierer gibt. Das Streben nach nuklearer Dominanz verschlingt Unsummen an Geld, erhöht das Risiko eines Atomkriegs aus Versehen und führt niemals zum Ziel. Es ist die irre Jagd auf eine Chimäre.

Vermutlich hat Trump seine Äußerungen nicht richtig zu Ende gedacht. Sonst hätte er sich das Gekläffe über den Anspruch auf die „Spitze im Rudel“ erspart. Wie das Beispiel der Schurken in Nordkorea zeigt, reicht schon eine Handvoll an Nukes, sich militärisch zu immunisieren.  

Vielleicht wollte das Alpha-Tier im Weißen Haus nur die eigene Basis beeindrucken, die noch weniger versteht, worum es geht als er selber. Mehr Atomwaffen gleich größere Dominanz - diese Formel geht garantiert nicht auf. Ein Atomwettlauf brächte keinen strategischen Vorteil, sondern wäre eine gefährliche Idiotie. Deshalb hätte Donald Trump besser geschwiegen.     

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