Bildung in SH Schulabbrecher kommen aus den Städten

Von Lars Friedrich | 11.12.2014, 20:21 Uhr

In Schleswig-Holstein gibt es mehr Schulabgänger ohne Zeugnis als im Bundesdurchschnitt. Doch es gibt auch gute Nachrichten.

In Schleswig-Holstein brechen überdurchschnittlich viele Jugendliche die Schule ohne Abschlusszeugnis ab. 7 Prozent der Schulabgänger hatten 2012 nicht einmal einen Hauptschulabschluss, im Bundesschnitt waren dies nur 6 Prozent. Der schleswig-holsteinische Wert ist seit 2009 weitgehend konstant. Das geht aus dem „Chancenspiegel“ der Bertelsmann-Stiftung hervor.

Erstmals haben die Forscher zudem Unterschiede innerhalb der einzelnen Länder untersucht und damit auch ein erhebliches Gefälle zwischen bestimmten Regionen und zwischen Stadt und Land festgestellt. In Schleswig-Holstein fielen die Unterschiede vergleichsweise moderat aus. Der Anteil der Abgänger ohne Hauptschulabschluss lag beispielsweise je nach Region zwischen 4,4 und 11,2 Prozent. Geringe Abbrecherquoten verzeichneten die Landkreise Stormarn, Pinneberg, Segeberg und Schleswig-Flensburg. Vergleichsweise viele Abbrecher gab es in den Städten Flensburg, Lübeck und Neumünster.

Dafür gab es im nördlichsten Bundesland aber vergleichsweise wenige Sitzenbleiber: Nur 1,5 Prozent der Schüler mussten in der Sekundarstufe eine Klasse wiederholen, bundesweit waren es 2,7 Prozent. Im Vergleich zu anderen Bundesländern wechseln weniger Grundschüler auf ein Gymnasium. Das Land gehörte 2012 zur Gruppe mit dem niedrigsten Anteil an Wechseln. Demnach gingen 39,3 Prozent der Fünftklässler nach der Grundschule auf ein Gymnasium – der Bundesdurchschnitt lag bei 42,9 Prozent.

Sehr gute Ergebnisse erzielte das Land beim gemeinsamen Lernen. Demnach wurden 2012 nur 2,5 Prozent aller Schüler getrennt von anderen in Förderschulen unterrichtet. Der Bundesdurchschnitt betrug hier 4,8 Prozent. Insgesamt gehörte Schleswig-Holstein 2012 in allen vier in der Studie analysierten Bereichen Integrationskraft, Durchlässigkeit, Kompetenzförderung und Zertifikatsvergabe zu mittleren Ländergruppe. Derzeit befindet sich das Schulsystem im Umbruch – so wurde 2014 das Schulsystem in ein zweigliedriges umgewandelt und unter anderem die Schulartenempfehlung am Ende der Grundschulzeit abgeschafft.

Bundesweit ist die Chancengerechtigkeit im deutschen Schulsystem immer noch mangelhaft. Trotz Verbesserungen in den vergangenen Jahren ist der Bildungserfolg eines jungen Menschen weiterhin stark abhängig von seiner sozialen Herkunft. Neuntklässler aus höheren Sozialschichten haben zum Beispiel in Mathematik einen Wissensvorsprung von bis zu zwei Jahren gegenüber ihren Klassenkameraden aus bildungsfernen Familien.

Wissenschaftler der Universitäten in Dortmund und Jena analysieren jährlich für die Stiftung, wie gerecht und leistungsstark das jeweilige Schulsystem der einzelnen 16 Länder ist. Als positiv stellt die Studie heraus, dass die Zahl der jungen Menschen, die die Schule ohne Abschluss verlassen, bundesweit zurückgegangen ist.

Zugleich ist der Anteil derjenigen Jugendlichen gestiegen, die das Abitur oder die Fachhochschulreife erwerben und damit studieren können. Zwischen 2009 und 2012 stieg dieser Anteil von 46,7 auf 54,9 Prozent. Der Chancenspiegel zeigt erneut große Unterschiede zwischen einzelnen Bundesländern. Allerdings sei kein Land in allen Bereichen „Spitze oder Schlusslicht“, heißt es darin. Stiftungsvorstand Jörg Dräger forderte zudem einen erheblich schnelleren Ausbau der Ganztagsschulen.