Gegen Diskriminierung Mehr Rechte für queere Angestellte der katholischen Kirche? Unwahrscheinlich!

Meinung – Stefanie Witte | 24.01.2022, 15:16 Uhr

125 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der katholischen Kirche haben sich als queer geoutet. In der ARD traten einige von ihnen auf und forderten Reformen. Wie wahrscheinlich ist, dass die Kirche auf sie eingeht?

Es ist nachvollziehbar, dass Menschen, die durch die Regeln der katholischen Kirche diskriminiert werden, ein Ende der Ungleichbehandlung fordern. Nicht nur viele Mitarbeiter wollen das. Bis in höchste Hierarchieebenen hinein wächst der Wunsch, sich nicht länger derart gestrig verhalten zu müssen.

Regeln unterwerfen oder nicht?

Umgekehrt ist aber auch jedem Mitarbeiter der Kirche klar, worauf er sich einlässt, wenn er dort einen Arbeitsvertrag unterschreibt. Es ist klar, dass ein Priester zölibatär leben muss, ein Generalvikar sich nicht scheiden lassen, und eine Personalleiterin nicht ihre Partnerin heiraten darf – wenn die Angesprochenen ihre Jobs behalten wollen. Es sieht nicht danach aus, als würde sich daran in nächster Zukunft etwas ändern. Da hilft es auch nichts, naturwissenschaftlich zu argumentieren – immerhin geht es hier um eine Religionsgemeinschaft, nicht um den Ethikrat. Also muss sich letztlich jeder einzelne Mitarbeiter fragen, ob er sich diesen Regeln weiter unterwerfen will oder nicht.

Hochproblematisch ist bei alledem vielmehr ein anderer Punkt: Wie weit man in der katholischen Kirche Regeln beugen oder gar brechen kann, hängt vom konkreten Arbeitsplatz ab. Je öffentlicher, desto stärker muss der Anschein gewahrt werden – so die ungeschriebene Regel der Institution. Wer in der Öffentlichkeit steht, weiß: Man kann vielleicht noch von seiner Frau getrennt leben. Eine offizielle Scheidung und eine neue Partnerin kommen aber nicht in Frage – selbst wenn alle Kollegen von den persönlichen Umständen wissen. Wer dagegen weder mit der Öffentlichkeit, noch mit Gemeindearbeit zu tun hat, für den ist mehr möglich. Nur hausieren gehen sollte er damit nicht. Doppelmoral also in einer Institution, die die Moral zu ihren Kernzuständigkeiten zählt.

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