Ministersohn posiert mit Sekt Warum „Helikopter-Mutter“ Lambrecht ein schlechtes Vorbild ist

Eine Kolumne von Burkhard Ewert | 11.05.2022, 16:53 Uhr

Verteidigungsministerin Christine Lambrecht hat ihren Sohn mit auf eine Dienstreise genommen. Damit macht die Ministerin zwar rechtlich nichts falsch, ihr Familienausflug zeugt aber von schlechtem Stil, findet Burkhard Ewert.

Man könnte es für ganz normal halten. Eine alleinerziehende Mutter nimmt ihren Sohn auf eine Dienstreise mit. Danach geht es in den Urlaub weiter. Die Frau arbeitet hart. Das Ziel, Familie und Beruf zu vereinbaren, kann bedeuten, die Dinge auch mal integriert zu behandeln. Die Kosten für die Mitnahme der Begleitperson werden bezahlt. Der Junge freut sich. So weit, so gut.

Nur geht es um keine private Angestellte, der Sohn ist kein Grundschüler und das Dienstfahrzeug war kein Handwerker-Bulli. Einen Einzelfall stellt der Vorgang ebenfalls nicht dar. Christine Lambrecht ist Bundesministerin der Verteidigung und der Filius immerhin 21 Jahre alt. Das Beförderungsmittel war ein Hubschrauber der Flugbereitschaft und das Urlaubsziel nicht das Sauerland, sondern die Reichen-Insel Sylt.

Zuvor flog der Sohn sieben Male mit ins Ausland. Zu allem Überfluss postete er das Event prahlerisch bei Instagram.

Alles lief im Rahmen der Regeln ab

Um die Sache zurecht zu rücken: Alles lief im Rahmen der Regeln ab. Zudem spielen sich frenetische Kanzler-Kritiker freudig die Bälle zu. Um Olaf Scholz und seine Ukraine-Politik zu treffen, nutzen sie Lambrecht. Und doch, damit das funktioniert, braucht es die Vorlage, die die Ministerin geliefert hat.

Allein die Inszenierung des Sohnes auf Instagram: Ich auf dem Weg zum Flieger, ich mit dem Kapuzenpullover eines hippen Bundeswehrprojekts, ich im Ledersitz des Hubschraubers vor der Wallnusswand, ich mit Weißwein und den schönen Stoffservierten der VIP-Verpflegung an Bord.

Lambrechts Sohn prahlte auf Instagram

Zuletzt sah man ähnliche Instagram-Bilder eher von Oligarchen-Kindern und weltentrückten Jungfußballern. Auch der Windkraft-Hochstapler Hendrik Holt liebte es, mit First-Class-Fotos anzugeben.

Diener des Volkes sehen anders aus – und der ministeriale Sohn ist nicht mal einer. Prinz Lambrecht lebt vom Volk; mehr ist da nicht.

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„Dienen, wo andere Urlaub machen“, heißt es in der Selbstbeschreibung des Bataillons 911, das die Ministerin im äußersten Nordwesten Schleswig-Holsteins als Zwischenstation aufsuchte, bevor es zum Autozug nach Niebüll ging. Welch‘ faszinierende Fügung, dass die Helikoptermutter just vor den Ferien zu genau jenem Bundeswehrstandort musste, der näher am Urlaubsziel kaum liegen konnte. Dreist kommt weiter, nennt man das im Rest der Republik.

Hochmut an Kinder weitergeben

Die Episode bestätigt ein Bild, das sich von Lambrecht zu verfestigen beginnt. Sie illustriert darüber hinaus das Selbstbild einer ganzen Schickeria. Generell kann es einen gruseln, wie stark und schnell Menschen geneigt sind, ihren Status heraushängen lassen, wenn sie sich für etwas Besonderes halten. Meine These: Sie koppeln sich nicht nur per Heli von der Lebenswirklichkeit der Gesellschaft ab. Das gleiche geschieht mit ihrem Denken. Den Hochmut geben sie gleich auch noch an ihre Kinder weiter.

Bei Instagram war für einige Tage ein Einblick in diese Welt der Angeberei möglich. Der Sohn-Account ist jetzt geschlossen. Aber das Problem bleibt, und ich fürchte, es gilt für viele Familien und nicht nur die Lambrechts.

Und ein kleines bisschen auch für jeden selbst.

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