Fall Jamal Khashoggi Getöteter Journalist: Türkei verhört Konsulatsmitarbeiter

Von dpa | 22.10.2018, 18:56 Uhr

Mehr als 20 weitere Zeugen, darunter Türken und Ausländer, würden im Laufe des Tages noch befragt.

Die Türkei ermittelt weiter mit Hochdruck im Fall des im Istanbuler Konsulat getöteten saudischen Journalisten Jamal Khashoggi. Fünf Zeugen seien am Montag von mehreren Staatsanwälten in Istanbul verhört worden, meldete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu. Dabei handele es sich um Konsulatsmitarbeiter. Mehr als 20 weitere Zeugen, darunter Türken und Ausländer, würden im Laufe des Tages noch befragt. Bereits am Vortag hatte der Sender NTV von einer Vorladung berichtet.

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Der Sprecher der türkischen Regierungspartei AKP sprach am Montag von einem "brutal geplanten" Mord. "Wir sehen, dass wir es mit einer Situation zu tun haben, die äußerst brutal geplant war und dass mit viel Mühe versucht wird, die Sache zu vertuschen", sagte Ömer Celik, allerdings ohne Details aus den Ermittlungen zu nennen. "Das ist ein sehr komplizierter Mord."

Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan hatte nach Angaben von Anadolu am späten Sonntagabend mit US-Präsident Donald Trump telefoniert. Die beiden seien übereingekommen, den Fall Khashoggi von allen Seiten zu beleuchten. Für Dienstag hat Erdogan eine Erklärung zum Tod Khashoggis angekündigt.

Khashoggi soll bei einem Faustkampf gestorben sein

Saudi-Arabien hatte unter massivem Druck eingeräumt, dass Khashoggi Anfang des Monats im saudischen Konsulat in Istanbul getötet worden war. Nach offizieller Darstellung kam der regimekritische Journalist bei einer Schlägerei ums Leben. An der Version gibt es aber erhebliche Zweifel. Türkische Ermittler gehen nach Medienberichten davon aus, dass Khashoggi von einem saudischen Einsatzkommando im Konsulat gefoltert und ermordet wurde.

Siemens-Chef sagt Besuch ab

Nach internationaler Empörung über den mutmaßlichen Mord an dem Journalisten Jamal Khashoggi hat Siemens-Chef Joe Kaeser einen Besuch in Saudi-Arabien abgesagt. Dies teilte er am Montag via Twitter mit. Am Dienstag findet in dem Land eine große Wirtschaftskonferenz statt.