Polizeigewalt gegen Schwarze Keine Angklage nach tödlicher Würgeattacke – Massenproteste in USA

Von dpa/shz.de | 04.12.2014, 11:57 Uhr

Er starb nach dem Würgegriff eines weißen Polizisten. Der Tod des schwarzen New Yorkers Eric Garner sorgt in den USA für Entsetzen – die Reaktion der Behörden für Fassungslosigkeit.

„Ich kann nicht atmen.“ Das sagte Eric Garner vor seinem Tod immer und immer wieder. „Ich kann nicht atmen.“ Seine Worte „I can't breathe“ stehen jetzt auf zahlreichen Transparenten. In New York haben Hunderte Menschen gegen eine Entscheidung einer Geschworenenjury protestiert, einen weißen Polizisten nicht wegen des Todes des Afroamerikaners anzuklagen. Der 43-Jährige war im Juli von Polizisten gestoppt worden, weil er vermutlich illegal mit Zigaretten handelte. Ein Passant hielt auf einem Video fest, wie drei Polizisten Garner zu Boden werfen und in den Schwitzkasten nehmen. Garner ringt sichtbar um Luft. Der sechsfache Familienvater, der an Asthma erkrankt war, starb im Krankenhaus.

Vor dem Gebäude der New Yorker Bezirksstaatsanwaltschaft versammelten sich Demonstranten. Andere marschierten auch durch Straßen in Manhattan. Einige hielten Schilder in die Höhe, auf denen stand: „Ich kriege keine Luft“. Demonstranten skandierten: „Keine Gerechtigkeit, kein Frieden“. Am Bahnhof Grand Central Station und an der Straße Columbus Circle legten sich Demonstranten aus Protest auf die Straße, wie die „New York Daily News“ in ihrer Onlineausgabe berichtete.

Justizminister Eric Holder hat nun unabhängige Ermittlungen auf Bundesebene eingeleitet. Der Bezirksstaatsanwalt von Staten Island, Daniel Donovan, gab am Mittwoch bekannt, dass die Geschworenenjury keinen ausreichenden Grund gefunden habe, um sich für eine Anklage des Polizisten zu entscheiden.

Die Tat – und auch der Umgang der Behörden damit sorgen für Entsetzen. Dieser Frau fehlen die Worte. „America braucht Hilfe“, twittert sie.

Ein anderer Twitter-Nutzer kann nicht mehr schlafen, seitdem er das Video von Eric Garner gesehen hat. „Ihn dort zu sehen und zu wissen, dass er kurz davor ist, ermordet zu werden. Was passiert hier gerade?“

Auf Twitter sammelt sich Protest gegen Polizeigewalt gegenüber Schwarzen unter dem Hashtag #ICantBreathe (Ich kann nicht atmen).

Vor einem Basketballspiel versammelten sich Demontranten zu einem „Die In“

Dieses Foto zeigt die Diskrepanz zwischen bunter Weihnachtsbeleuchtung und bitterer Realität. „1 Vater von 6 [Kindern] mit 0 Waffen, der 11 Mal sagte ,Ich kann nicht atmen'... 0 Anklage“

Die Rassenkonflikte der USA bewegen die Menschen weltweit – auch in Deutschland.

Die Entscheidung der Geschworenen in New York folgte weniger als zwei Wochen nach einem ähnlichen Fall in der Stadt Ferguson im Bundesstaat Missouri. Dort blieb ein weißer Polizist, der den schwarzen unbewaffneten Jugendlichen Michael Brown erschossen hatte, vorerst straffrei. Dies löste in dem Vorort der Stadt St. Louis schwere Unruhen aus. Auch in anderen US-Städten kam es seither mehrfach zu Protesten gegen Rassendiskriminierung und Polizeigewalt.

„Mit Freiheit und Gerechtigkeit für einige“, schreibt diese Twitternutzerin.

Daniel Pantaleo, der Polizist, der Eric Garner würgte, bedauerte den Vorfall. Es sei nicht seine Absicht gewesen, jemandem wehzutun, hieß es in einer Mitteilung laut Medienberichten. Der schwarze Bürgerrechtler Al Sharpton sprach im Beisein der Witwe Garners von einer „landesweiten Krise“. Er kündigte für den 13. Dezember einen nationalen Protestmarsch in der Hauptstadt Washington an.

Die Ehefrau des Verstorbenen, Esaw Garner, sagte, sie werde um Gerechtigkeit kämpfen. „Der Kampf ist nicht vorbei, er hat erst angefangen“, sagte sie nach Angaben der Zeitung „USA Today“. „Solange ich atmen kann, werde ich den Kampf kämpfen.“

New Yorks Bürgermeister Bill de Blasio rief die Bürger der Stadt zu Besonnenheit auf. Er fügte an, er arbeite mit der Polizei an langfristigen Reformen, damit den New Yorkern „Tragödien wie diese“ in Zukunft erspart blieben. US-Präsident Barack Obama sagte, man kümmere sich darum, das Vertrauen zwischen Bürgern und der Polizei zu stärken.