Kommentar zur Pflege-Impfpflicht Nehmt den Schutz von Risikogruppen endlich ernst!

Meinung – Marian Schäfer | 19.05.2022, 16:00 Uhr

Das Bundesverfassungsgericht setzt sich für den Schutz besonders gefährdeter Menschen ein. Es wäre schön, wenn sich die Politik ein Beispiel daran nähme - auch außerhalb von Kliniken und Pflegeheimen.

Impfen wirkt. So einfach ist das. Auch Omikron hat daran nicht grundlegend etwas geändert. Vor allem bei jenen Menschen, die sich eine dritte Dosis haben verabreichen lassen, schützen die mRNA-Impfstoffe weiterhin zu einem hohen Grad nicht nur vor schweren Verläufen, sondern senken auch immer noch die Wahrscheinlichkeit einer Infektion selbst. Und wer nicht infiziert ist, kann schwerlich jemand anderen anstecken.

Fremdschutz sollte selbstverständlich sein

Eigentlich sollte es selbstverständlich sein, dass alle, die können, sich um diesen Fremdschutz bemühen, der in erster Linie ja auch ein Eigenschutz ist. Besonders gilt das für Ärzte und Pfleger, die viel Kontakt mit gefährdeten Menschen haben, die auf ihre Leistungen angewiesen sind. Tun sie dies nicht, müssen sie dazu halt verpflichtet werden. Es ist gut, dass das Bundesverfassungsgericht das genauso sieht und an der Pflicht zur Spritze für Ärzte und Pfleger nicht rüttelt.

Für das Gericht wiegt der Schutz besonders gefährdeter Menschen vor einer Corona-Infektion schwerer als das Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit des Gesundheitspersonals. Dieses Urteil ist deutlich und wird hoffentlich nicht nur in Krankenhäusern und Pflegeheimen seine Wirkung entfalten. Es wäre wünschenswert, wenn der Schutz gefährdeter Gruppen vor allem mit Blick auf den Herbst wieder grundsätzlich mehr Gewicht in der Corona-Politik bekommt.

Gefährdete Gruppen nicht nur in Kliniken und Heimen

Denn gefährdete Gruppen gibt es nicht nur in Kliniken und Pflegeheimen. Es leben Millionen Menschen im Land, die etwa chronisch krank sind, Krebs haben oder schwanger sind und sich berechtigterweise Sorgen machen. Auf sie muss es wie Hohn wirken, wenn selbst über eine Maskenpflicht im Supermarkt diskutiert wird, die nun wirklich nicht weh tut. Die Verletzlichen in unserer Gesellschaft sollten nicht darunter leiden, dass andere Egoismus mit Freiheit verwechseln.

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