Jahresrückblick Schleswig-Holstein und Hamburg Das war 2014 - von Oktober bis Dezember

Von Joachim Dreykluft | 29.12.2014, 15:24 Uhr

Seehunde sterben, Kettensägenmassaker in Flensburg, Feuerwehrleute als mutmaßliche Brandstifter. Das vierte Quartal im Rückblick.

1. Oktober: Seehundsterben in der Nordsee

Im schleswig-holsteinischen Wattenmeer beginnt ein Seehundsterben. Auslöser ist eine Variante der Vogelgrippe. Wissenschaftler finden in den Kadavern Influenza-Viren vom Typ H10N7. Insgesamt werden von Anfang Oktober an knapp 1600 tote oder todkranke Tiere gefunden, gut 1000 davon auf den vier großen Nordseeinseln. Am 21. November hat das Seehundsterben seinen Höhepunkt offenbar überschritten, die Zahl der toten und sterbenden Tiere nimmt ab, sagen Wissenschaftler.

Wattenmeer

Dutzende tote Seehunde gefunden

Meinung – str
Tierschützer befürchten im Wattenmeer ein Massensterben von Seehunden. Seit vergangener Woche finden die Seehundjäger allein auf Sylt bis zu 16 verendete Tiere – „auf Helgoland und Amrum waren es täglich jeweils fünf bis zehn Tiere“, sagte Hendrik Brunckhorst vom Nationalparkamt in Husum. Woran die Tiere gestorben sind, ist noch unklar. Neben Lungenwürmern könnten auch Staupe- oder Influenzaviren für die Totfunde verantwortlich sein.

In Schweden wurden den Sommer über 300 tote Seehunde gefunden – bei einigen wurde ein Grippevirus nachgewiesen, sagt Tanja Rosenberger, Leiterin der Seehundstation Friedrichskoog. Auch in der dänischen Ostsee sind in diesem Herbst bereits an Grippeviren gestorbene Tiere gefunden worden.

Experten der Tierärztlichen Hochschule Hannover untersuchen in Büsum die Todesursache der Tiere.  „Wir haben Ende letzter Woche vier Seehunde zur Sektion geschickt“, so Seehundjäger Thomas Diedrichsen. Bei ihnen handelte es sich um ausgewachsene, gut genährte Tiere, die keinerlei Anzeichen einer Erkrankung aufwiesen. Die Ergebnisse werden im Laufe der Woche erwartet, sagt Hendrik Brunckhorst.

Menschen und Hunde sollten Abstand zu den toten Seehunden halten. Das dient dem Schutz des Seehundes aber auch der eigenen Gesundheit. Hunde sollten angeleint werden, wenn ein Seehund am Strand gesehen wird: Grundsätzlich könnten virale und bakterielle Infektionen auch auf den Menschen übertragbar sein, warnt die Leiterin der Seehundstation. „Es gilt, wie bei allen lebenden oder toten Wildtieren, Abstand halten und nicht anfassen.“

Von einem neuen Seehundsterben könne aber derzeit keine Rede sein, betont Tanja Rosenberger. „Bei einer Population von rund 12.000 Seehunden allein in Schleswig-Holstein, machen die aktuellen Totfunde nur einen verschwindend geringen Teil aus.“ Im gesamten Wattenmeer von den Niederlanden bis Dänemark leben mehr als 26.000 Seehunde. Das ist der höchste Bestand seit Beginn der Erfassungen 1975.

Die letzte Virenepidemie liegt zwölf Jahre zurück: 2002 starben  rund um die Nordsee  22.000 Robben an der Staupe. Überlebende Tiere bilden Antikörper und sind danach für eine Zeit immun gegen die Viren. Die Abwehrkräfte  der Tiere  lassen jedoch mit jedem Jahr nach

Melden können Spaziergänger die Tiere bei der Polizei unter Tel. 04651-70470. Das Polizeirevier Sylt informiert dann die Seehundjäger.
Zum Kommentar

2. Oktober: Führungswechsel bei der SH-CDU

Die Christdemokraten im Norden mit einem weiteren personellen Umbruch. Reimer Böge kündigt aus gesundheitlichen Gründen seinen Rückzug als Landesvorsitzender an. Als Nachfolger zeichnet sich früh der Bundestagsabgeordnete Ingbert Liebing ab, der am 15. November auch gewählt wird. Zwei Tage nach Böges Ankündigung gibt Johannes Callsen seinen Rücktritt als Landtagsfraktionschef bekannt. Diesen Posten übernimmt am Tag darauf der Hochschulexperte Daniel Günther. Bemerkenswert: Anstatt die Schwäche der Regierung nach dem Wende-Rücktritt nutzen zu können, beschäftigt sich die größte Oppositionspartei mit sich selbst.

Böges Nachfolger

Liebing kommt, Callsen geht – die Nord-CDU im Umbruch

Meinung – dpa
Die CDU in Schleswig-Holstein stellt sich an der Spitze von Partei und Landtagsfraktion neu auf. Mit dem Rücktritt von Johannes Callsen als Fraktionschef nur wenige Tage nach dem Amtsverzicht von Landesparteichef Reimer Böge wurde ein weiterer Posten frei. Der 48-Jährige gab seine Entscheidung am Sonnabend bei einer Tagung von CDU-Spitzengremien in Rohlstorf im Kreis Segeberg bekannt.

Dort zeichnete sich ab, dass der Bundestagsabgeordnete und bisherige Landesparteivize Ingbert Liebing (51) mit großer Wahrscheinlichkeit neuer Chef der Nord-CDU werden dürfte. Er bekundete seine Bereitschaft zur Kandidatur. Im geschäftsführenden Landesvorstand und in einer Runde der Kreisvorsitzenden wurde er dazu aufgefordert.

Der scheidende Landesparteichef Böge (62), der aus gesundheitlichen Gründen nicht wieder antritt, aber EU-Abgeordneter bleibt, lobte Liebings Erfahrungen auf verschiedensten Ebenen. Mit seinem Werdegang sei er geradezu prädestiniert für den Landesvorsitz. Liebing sitzt seit 2005 im Bundestag und ist seit einem Jahr kommunalpolitischer Sprecher der Unionsfraktion. Die Kreisvorsitzenden hätten Liebing in großer Einmütigkeit unterstützt, sagte deren Sprecher, der Bundestagsabgeordnete Gero Storjohann.

Eine Entscheidung sei aber noch nicht getroffen, betonte Liebing. Weitere Bewerbungen seien möglich - am Sonnabend warf aber niemand seinen Hut in den Ring. „Das ist ein offenes Verfahren“, bestätigte Böge. Am kommenden Freitag wird vom erweiterten Landesvorstand ein formaler Wahlvorschlag erwartet. Am 15. November wählt dann ein Parteitag in Neumünster den neuen Vorsitzenden.

In einer Zeit, da die Landesregierung aus SPD, Grünen und SSW taumele, müsse die CDU volle Leistungsfähigkeit zeigen, sagte Liebing. Der gebürtige Flensburger hat auch im Landtag Erfahrungen gesammelt: Er arbeitete in den 90-er Jahren als Referent für die Fraktion und für den damaligen Fraktionschef Ottfried Hennig.

Der bisherige Landtagsfraktionschef Callsen begründete seinen Rücktritt damit, er wolle zu beitragen, dass sich die Nord-CDU insgesamt rechtzeitig vor der nächsten Landtagswahl neu aufstellen kann. Callsen stand innerparteilich und medial in der Kritik. Die Fraktion kommt am Sonntagnachmittag zu einer Sondersitzung zusammen.

Ob dann schon ein neuer Vorsitzender gewählt wird, blieb zunächst offen. Der Hochschulpolitiker Daniel Günther (41) oder Landtagspräsident Klaus Schlie (60) könnten Callsen beerben.

Die Landespartei mit ihren knapp 22.000 Mitgliedern vollzieht an der Spitze schon zum vierten Mal seit 2010 einen Wechsel: Damals übergab Peter Harry Carstensen den Staffelstab an Christian von Boetticher, der 2011 wegen einer Teenager-Affäre zurücktreten musste. Boettichers Nachfolger, Ex-Wirtschaftsminister Jost de Jager, gab im März 2013 aus Frust über mangelnden Rückhalt in der Partei auf. Im folgte Böge, der jetzt Herproblemen Tribut zollte.

Den personellen Umbruch an der Spitze von Partei und Fraktion nimmt die seit Frühjahr 2012 wieder oppositionelle Nord-CDU in schwerer Zeit vor. Als ernsthafte Alternative zu der ebenfalls schwächelnden Koalition aus SPD, Grünen und SSW tritt die Opposition im Landtag kaum in Erscheinung.
Zum Kommentar

6. Oktober: Gruner ohne Jahr

Europas größter Medienkonzern Bertelsmann hat beim Zeitschriftenverlag Gruner + Jahr (G+J) nun allein das Sagen. Die Gründerfamilie Jahr zieht sich komplett aus dem Hamburger Medienhaus zurück, das Titel wie „Stern“, „Brigitte´“ und „Geo“ herausgibt. Bertelsmann hielt bereits 74,9 Prozent der G+J-Anteile und übernimmt zum 1. November die 25,1 Prozent der Jahrs. Das Medienhaus wird von der Rechtsform einer AG & Co KG in eine GmbH & Co KG umgewandelt. Anfang Dezember folgt die Bestätigung das Gerüchts, dass der Standort am Hamburger Baumwall zur Disposition steht. Und es hält sich hartnäckig des Gerücht, dass über den Standort Norderstedt im Kreis Segeberg nachgedacht wird.

Übenahme durch Bertelsmann

Jahr-Familie verabschiedet sich bei Gruner + Jahr

Meinung – shz.de
Der Medienkonzern Bertelsmann übernimmt den Hamburger Zeitschriftenverlag Gruner + Jahr (G+J) vollständig. Das teilte Bertelsmann am Montag in Gütersloh mit.

„Gruner + Jahr wird 100 Prozent Bertelsmann. Das ist ein wichtiger Schritt für die Zukunft beider Unternehmen, von G+J wie von Bertelsmann. Es ist zugleich ein klares Bekenntnis zum Journalismus und dem Wert journalistischer Inhalte auch im digitalen Zeitalter“, sagte Bertelsmann-Chef Thomas Rabe laut einer Mitteilung an die Mitarbeiter von G+J, die shz.de vorliegt.

Die Familie Jahr hielt bislang 25,1 Prozent an G+J und war damit in der Lage, über die sogenannte Sperrminorität Entscheidungen von Bertelsmann zu verhindern. Bereits vor gut zwei Jahren hatte Bertelsmann versucht, die Anteile der Familie zu übernehmen, war damals aber gescheitert. „Die Übernahme der Restanteile an Gruner + Jahr durch Bertelsmann wird zum 1. November 2014 wirksam. Der Kaufpreis wird in bar geleistet, über die Höhe haben die Vertragsparteien Stillschweigen vereinbart“, heißt es in einer Bertelsmann-Pressemitteilung.

G+J ist in den vergangenen drei Jahren in eine Krise gerutscht. Bei den Flaggschiffen wie „Stern“ und „Brigitte“ sind die Auflagen stark rückläufig. Die „Financial Times Deutschland“ wurde Ende 2012 geschlossen. Kritiker werfen dem Management vor, über keine Strategie im Digitalgeschäft zu verfügen. Vorstandschefin Julia Jäkel hatte Ende August angekündigt, dass in den kommenden drei Jahren 400 der 2400 Stellen in Deutschlang abgebaut werden. In diesem Zeitraum sollen 75 Millionen Euro eingespart werden. Beim „Stern“ gab es bereits betriebsbedingte Kündigungen.

Jäkel hatte von Bertelsmann „mehrere hundert Millionen“ an Investitionsmitteln versprochen bekommen, um die Transformation ins digitale Zeitalter zu erreichen. „Bertelsmann unterstützt die Strategie des G+J-Vorstands um Julia Jäkel uneingeschränkt und wird die für ihre Umsetzung erforderlichen Mittel zur Verfügung stellen“, betonte Rabe in seiner Mitteilung an die Mitarbeiter. Dennoch halten sich in der Unternehmenszentrale am Hamburger Baumwall Gerüchte, Ziel von Bertelsmann sei es, G+J zu zerschlagen.

Gruner + Jahr wurde 1965 gegründet vom Verleger John Jahr („Brigitte“, „Schöner Wohnen“), dem Verleger Gerd Bucerius, („Stern“) sowie dem Drucker Richard Gruner. Als Gruner bereits 1969 ausstieg, erwarb Bertelsmann eine 25-Prozent-Beteiligung. Diese wurde bis 1976 auf 74,9 Prozent aufgestockt. Bertelsmann ließ G+J über die vielen Jahre meist am lockeren Zügel, die besondere Position von G+J innerhalb von Bertelsmann wurde oft dadurch unterstrichen, dass der G+J-Chef auch Mitglied des Vorstands bei Bertelsmann war. Das ist bei der aktuellen Vorstandschefin Jäkel, Ehefrau des TV-Moderators und Buchautors Ulrich Wickert, nicht der Fall. Sie ist lediglich Mitglied im „Group Management Committee“, das den Vorstand bei wichtigen Strategieentscheidungen berät.
Zum Kommentar

7. Oktober: Der große Lenz stirbt

Siegfried Lenz stirbt in Hamburg. Sein berühmtester Roman „Deutschstunde” gehört zum Kanon der deutschen Literatur. Bundespräsident Joachim Gauck nennt ihn „einen der ganz großen”.

Welterfolg mit der „Deutschstunde“

Schriftsteller Siegfried Lenz gestorben

Meinung – dpa/sos
Siegfried Lenz, einer der großen Schriftsteller der deutschen Nachkriegsliteratur, ist tot. Lenz starb am Dienstag im Alter von 88 Jahren im Kreise der Familie, wie der Verlag Hoffmann und Campe mitteilte. Lenz' wichtigstes Werk ist der in viele Sprachen übersetzte und verfilmte Roman „Deutschstunde“ (1968) über die Nazizeit und einen falsch verstandenen Pflichtbegriff.

Der Ostpreuße galt aber vor allem als ein Meister der Erzählung. Dafür stehen humorvolle Bände wie „So zärtlich war Suleyken“ (1955) oder „Lehmanns Erzählungen“ (1964). Vor zwei Jahren (2011) erschien sein letzter Erzählband „Die Maske“. Seit Jahren war Lenz gesundheitlich schwer angeschlagen.

Bereits auf den Rollstuhl angewiesen, hatte der Autor in den letzten Jahren ein Appartement in einer Hamburger Senioren-Residenz an der Elbchaussee mit freiem Blick auf den Elbstrom. 2010 heiratete er im Alter von 84 Jahren  - vier Jahre nach dem Tod seiner Frau Lieselotte - seine zweite Ehefrau. Die Hochzeit fand im kleinen Familienkreis im dänischen Kollund statt.



Mit großer Trauer reagierte Ministerpräsident Torsten Albig auf den Tod von Siegfried Lenz. „Siegfried Lenz hatte sich über viele Jahrzehnte hinweg Schleswig-Holstein als zweite Heimat gewählt und war dem Land auf das Engste verbunden", sagte Albig. Er habe mit seinen Werken die Landschaften und Orte sowie die Menschen in Schleswig-Holstein in unvergleichlicher, charmanter und vor allem immer einfühlsamer Weise in die Welt hinausgetragen und sie literarisch bedeutsam werden lassen. „Dass das Land zwischen den Meeren wieder eine Literatur-Landschaft von Rang wurde, ist nach Theodor Storm und Thomas Mann vor allem auch Siegfried Lenz zu verdanken", so der Regierungschef. Der Ministerpräsident sprach im Namen der gesamten Landesregierung sein Mitgefühl aus.

Siegfried Lenz, geboren am 17. März 1926 in Lyck, einer Kleinstadt im masurischen Ostpreußen, zählte seit langem zu den bedeutendsten Autoren der deutschsprachigen Nachkriegs- und Gegenwartsliteratur. Lenz kam zum Studium der Philosophie, Anglistik und der deutschen Literaturgeschichte nach Hamburg, ehe er 1950/51 als Redakteur für die „Welt“ arbeitete. Seit 1951 lebt er als freier Schriftsteller in der Hansestadt. Lenz' Bücher sind in rund 30 Ländern in einer Auflage von mehr als 20 Millionen Exemplaren erschienen. Für sein Œuvre wurde er mit zahlreichen Ehrungen ausgezeichnet, darunter der Gerhart-Hauptmann-Preis, der Thomas-Mann-Preis, der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels, der Bayerische Staatspreis für Literatur, der Goethe-Preis der Stadt Frankfurt am Main sowie seit dem 2. Dezember 2004 die Ehrenbürgerschaft des Landes Schleswig-Holstein.

Neben den Nobelpreisträgern Heinrich Böll und Günter Grass gehörte Lenz zu jenen Autoren, die die Aufarbeitung der NS-Vergangenheit und die Aussöhnung insbesondere mit Polen und Israel als Lebensaufgabe verstanden.

Bei einem Festakt zum 85. Geburtstag (17.3.2011) in Hamburg würdigte der damalige Bundespräsident Christian Wulff, wie sehr Lenz zum wiedergewonnenen Ansehen Deutschlands nach dem Krieg beigetragen habe. Der Börsenverein würdigte Lenz 1988 mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Noch im hohen Alter gelang Lenz mit seiner ersten Liebesnovelle „Schweigeminute“ ein Bestseller.

Die „Deutschstunde“ (1968) gilt als Lenz' Schlüsselwerk zur Aufarbeitung der Nazizeit und historischer Schuld. Darin geht es um einen Vater-Sohn-Konflikt - stellvertretend für die Kriegsgeneration und die rebellierende Folgegeneration - sowie um die fatalen Folgen eines unkritischen Pflichtbewusstseins in der NS-Zeit. In dem ebenfalls verfilmten Roman „Heimatmuseum“ (1978) lässt Lenz die verlorene ostpreußische Heimat literarisch wiederauferstehen und schenkt so zumindest einem Teil der Vertriebenen inneren Frieden. Die Hauptfigur, der masurische Teppichwebermeister Zygmunt Rogalla, verbrennt das von ihm einst gerettete Heimatmuseum, um es vor ideologischem Missbrauch zu retten.

Auch politisch engagierte sich der in der Nazizeit aufgewachsene Autor für die Aussöhnung mit Polen. 1970 begleitete er mit Grass den damaligen Bundeskanzler Willy Brandt (SPD) zur Unterzeichnung des Warschauer Vertrages. Außerdem mahnte Lenz Solidarität mit Israel an, als der damalige irakische Diktator Saddam Hussein den jüdischen Staat mit Raketen bedrohte.

Besonderen Erfolg hatte der begnadete Erzähler mit seinen vergnüglichen Kurzgeschichten. Unvergessen ist sein legendärer Erzählband „So zärtlich war Suleyken“ mit humorvollen Geschichten aus Ostpreußen. Publikumserfolge wurden auch „Lehmanns Erzählungen“, die amüsant geschriebenen Erfahrungen eines Schwarzhändlers nach dem Zweiten Weltkrieg - Lenz hatte sein Studium in Hamburg selbst mit Schwarzhandel weitgehend finanziert.

Seine Werke sind nach Angaben des Hoffmann und Campe Verlags (Hamburg), dem Lenz seit Beginn seiner schriftstellerischen Arbeit sein Leben lang die Treue hielt, in mindestens 35 Sprachen übersetzt.

Die Weltauflage dürfte bei über 30 Millionen liegen. Ein Millionenpublikum fanden die Fernsehverfilmungen „Der Mann im Strom“, „Das Feuerschiff“ und „Die Auflehnung“, jeweils mit Jan Fedder in der Hauptrolle. Das breite Oeuvre von Lenz umfasst Romane, Erzählbände, Theaterstücke, Hörspiele und Essays - etwa über das Selbstverständnis des Schriftstellers als „Ein-Mann-Partei“.

Zum Kommentar

8. Oktober: Neue Landesverfassung ohne Gottesbezug

Schleswig-Holstein bekommt eine reformierte Landesverfassung mit mehr Bürgerrechten und Minderheitenschutz. Dafür gibt es im Landtag die erforderliche Zweidrittelmehrheit. Es scheitert allerdings der Plan mehrerer Abgeordneter, darunter Ministerpräsident Albig, in die Präambel einen Gottesbezug aufzunehmen.

Debatte im Kieler Landtag

Neue Verfassung in SH ohne Gottesbezug

Meinung – shz.de/Peter Höver
Schleswig-Holstein hat eine in zahlreichen Punkten reformierte neue Landesverfassung. Mit der erforderlichen Zwei-Drittel-Mehrheit stimmte der Landtag dem Regelwerk gestern nach dreistündiger Debatte zu. Ein von der CDU und mehreren Abgeordneten anderer Fraktionen sowie Ministerpräsident Albig (SPD) geforderter Gottesbezug in der Präambel der Verfassung scheiterte dagegen.

Als Schlussredner der Debatte hatte Albig erneut leidenschaftlich für die Verankerung der Formel „in Verantwortung vor Gott und den Menschen...“ geworben. Dabei gehe es nicht um einen theologischen Begriff, sondern „um unser Verständnis von Verantwortung und Demut“. Er, Albig, könne sich eine Verfassung ohne Gottesbezug nicht vorstellen.

Kritiker der Gottesformel pochten auf die „weltanschauliche Neutralität“ des Staates. „Ich trage die vier Buchstaben im Herzen, nicht in der Verfassung“, sagte die Grünen-Abgeordnete Anke Erdmann.

Der Bischof im Sprengel Schleswig und Holstein in der Nordkirche, Gothart Magaard, zeigte Respekt für die Entscheidung des Landtags, aber auch Bedauern: „Eine Demutsformel entwirft kein wie auch immer geartetes Gottesbild, sondern zielt vielmehr auf ein sehr bestimmtes und gefülltes Menschenbild.“ Es gehe „um die Abwehr politischer Selbstvergottungsträume und Allmachtsphantasien, die Nationalsozialismus und Marxismus-Leninismus ausgelebt hatten.“

Die neue Präambel lautet:



Den Verfassungstext hatte ein Sonderausschuss in einjährigen Beratungen erarbeitet. Für die Vorlage stimmten 61 der 66 anwesenden Abgeordneten bei drei Gegenstimmen und zwei Enthaltungen. Notwendig waren 46 Stimmen. Drei Abgeordnete fehlten.

Die neue Verfassung soll der Lebenswirklichkeit der Menschen näher kommen und mehr demokratische Beteiligungsmöglichkeiten bieten, sagte Landtagspräsident Klaus Schlie (CDU) als Vorsitzender des Verfassungsausschusses.

Mit der Reform der Verfassung sollen Volksentscheide mit niedrigeren Quoren erleichtert und die Gewährleistung einer digitalen Privatsphäre als Staatsziel festgeschrieben werden. Das Schulwesen der dänischen Minderheit wird ebenso verankert wie die Inklusion und die bürgernahe Verwaltung.

Gestärkt werden die Rechte des Parlaments. So kann der Landtag die Regierung „zur Wahrung seiner Rechte“ zwingen, eine Klage beim Bundesverfassungsgericht einzureichen. Daneben schreibt die Verfassung mehrere  Grundwerte fest. Dazu gehören die norddeutsche Zusammenarbeit, die Partnerschaft im Nord- und Ostseeraum, die Politik für künftige Generationen sowie gesellschaftliche Grundwerte wie Demokratie, Freiheit, Toleranz und Solidarität.

Die beiden anderen Vorschlägen, die die Parlamentarier zur Auswahl hatten, waren diese:

Die CDU-Fraktion betonte in ihrem Antrag die Verantwortung vor Gott und den Menschen.



Ein modifizierter Antrag von fünf Abgeordneten von CDU, SPD, Grünen, SSW und Piraten enthielt ebenfalls einen Gottesbezug, der allerdings auch das religiöse, philosophische und humanistische Erbe beinhaltete.
Zum Kommentar

19. Oktober: Tragisches Ende der Bambus-Bar auf Sylt

Bambus-Klaus und seine Bar waren eine Institution in List. Klaus starb 2012 an Lungenkrebs, nun erliegt auch sein Bruder Wolfgang Gdanietz der tückischen Krankheit. Er hatte Klaus am Totenbett versprochen, die Bar in seinem Sinne weiter zu führen.

Lister Kultkneipe

Bambus-Bar auf Sylt: Wolfgang ist tot

Meinung – frr
Eigentlich wollte er die Bambus–Bar noch eine Saison weiter führen, wollte, dass die kultige Bushaltestelle in der Lister Dünenlandschaft genau 30 Jahre lang besteht. Doch nun ist Wolfgang Gdanietz am vergangenen Wochenende in Essen verstorben.

Gdanietz war der große Bruder des vor knapp zwei Jahren verstorbenen Bambus-Klaus, er hatte Klaus damals am Sterbebett versprochen, die Bambus-Bar in seinem Sinne weiter zu führen. Zwei Saisons hintereinander hat der Grafikdesigner dieses Versprechen gemeinsam mit seiner Frau Elli halten können. Doch vor ein paar Monaten habe er gemerkt, dass er krank sei, sagt Elli. Wie Klaus starb Wolfgang an Lungenkrebs. „Auch, nachdem er gemerkt hat, dass er diese Symptome entwickelt, ist er auf Sylt geblieben, hat die Saison zu Ende gebracht und die Bambus-Bar verrammelt und abgeschlossen“, erzählt seine Frau.

Zurück in Essen stellten die Ärzte Mitte September die Diagnose: „Das erste, was Wolfgang gefragt hat, war: Schaffe ich noch eine Saison Bambus?“, erinnert sich seine Frau.

Den letzten Bambus-Sommer konnte der 59-Jährige nun nicht mehr erleben. Auch wenn es ihm zuerst schwer fiel, das Lebenswerk seines verstorbenen Bruders weiter zu führen, hat der nachdenkliche, hilfsbereite Mann mit der grauen Haarmähne die Bar und ihre Gäste in den vergangenen Sommern immer stärker schätzen gelernt. Als „Immer-Ort“ bezeichnete er die Bambus–Bar, als eine der Stellen der Insel, auf der sich die Dinge nicht mit der Mode ändern. Ein kleiner Punkt, der einen bunten, entspannenden Rückzugsort vor dem manchmal so trubeligen Sylt-Lifestyle bieten sollte.

Zu Sylt hatte das Ehepaar Gdanietz immer ein enges Verhältnis, Wolfgang Gdanietz hatte die Bushaltestelle am Meer damals vor 29 Jahren mit Klaus gemeinsam eingerichtet. Bis zu Klaus’ Tod ist das Ehepaar regelmäßig zu Besuch gekommen, haben in der Bambus-Bar mitgeholfen. Wer Wolfgang Gdanietz in den vergangenen Sommern als Betreiber der Bambus-Bar kennenlernte, traf auf einen besonnenen, freundlichen Typen, der nicht der Typ für Großveranstaltungen oder zu viele Worte war. Einer, der auf Sylt etwas gefunden hatte, was es für ihn zu bewahren galt. Und der sich bis zu seinem Ende dafür eingesetzt hat.
Zum Kommentar

23. Oktober: Kettensägen-Dreh in Flensburg

Drei junge Männer aus Flensburg machen auf sich aufmerksam, weil sie ein Kettensägen-Video drehen, um es auf Youtube zu stellen. Eine Frau verletzt sich bei einem Sturz, weil sie das inszenierte Kettensägenmassaker für echt hält und fliehen will. Viele Flensburger sind sauer, aber die Amateurfilmer kündigen an, weiter zu machen. Neu ist die Idee nicht. „Prank”- (Streich-)Videos sind seit Jahren ein Hit bei Facebook, vor allem in den USA.

Filmdreh in Flensburg

Makaber: Kettensägen-Video bei Youtube

Meinung – Hendrik Mulert
Sie sorgten in Flensburg für Angst und Schrecken – und einen Polizeieinsatz. Jetzt veröffentlichten die drei jungen Männer kurz vor Halloween sogar ein Video bei Youtube, das zeigt, wie sie mit ihren makaberen Outfits und ratternden Kettensägen Menschen in Panik versetzen. „Uns geht es darum, Leute zu erschrecken und deren Reaktion auf Kamera festzuhalten“, teilten sie uns auf Nachfrage zu ihrer Motivation mit.

Zum Hintergrund: In der Nacht zu Sonntag erlebte eine 24-Jährige auf ihrem Nachhauseweg einen Albtraum. Gegen zwei Uhr geht sie mit einer anderen Frau die St.-Jürgen-Treppe in Flensburg hinauf. Ein Mann ruft flehend nach Hilfe, als er blutüberströmt aus einer Hecke hervorkriecht. Die beiden bleiben erst stehen. Dann fliehen sie panisch. Nicht ohne Grund: Plötzlich tritt ein Mann mit Kittel - ebenfalls blutüberströmt - aus dem Schatten und wirft eine Kettensäge an. Er trägt eine weiße Maske, die sein Gesicht komplett verdeckt. Dann sind Schreie zu hören. Von den Frauen. Als die 24-Jährige die Treppe runterrast, stürzt sie und verletzt sich. Sie kann sich aufrichten und rennt weiter.

All das ist jetzt online zu sehen. Denn die für den „Streich“ Verantwortlichen hielten die Szene mit der Kamera fest. Aber nicht nur diese Sequenz. Unterlegt mit dramatischer Musik zeigen sie im zweieinhalb Minuten langen Video weitere Passanten, die sich vor dem Mann mit der Kettensäge fürchten und fliehen. Ob in der Fußgängerzone oder am Hafen, die Macher folgen immer diesem Schema: Ein Mann liegt scheinbar blutend am Boden, Passanten erschrecken, der Masken-Mann wirft seine Kettensäge an und verfolgt die Flüchtenden.

Vor allem skrupellos: Im Video wird die Szene, in der die 24-Jährige stürzt, in einer Zeitlupe wiederholt. Und die Frau wird dabei herangezoomt. Sie soll sich nur leicht verletzt haben, der Sturz sieht aber extrem gefährlich aus. Die 24-Jährige alarmierte anschließend die Polizei über den Notruf. Als diese eintraf, stellten die Beamten die drei „Filmschaffenden“ zur Rede. Sie zeigten sich reumütig. Die Polizei untersagte den jungen Männern, die „Dreharbeiten“ fortzusetzen und leitete ein Ermittlungsverfahren wegen Körperverletzung ein. 

Von Reue ist aber jetzt nichts mehr zu spüren. Schließlich stellten sie das Video nach dem Vorfall online. Seit Mittwoch ist es bei Youtube zu finden. Wir zeigen es hier nicht, weil wir es aus beschriebenen Gründen nicht unterstützen wollen. Das sieht auch eine Nutzerin bei Youtube so. Unter dem Film postet sie: „Geht euch mal schämen, eine Frau hat sich wegen euch verletzt“. Und weiter: „Ihr habt ein Filmverbot bekommen. Sowas auf der St. Jürgen Treppe zu drehen, dümmer geht's ja wohl nicht.“

Auch bei Facebook sind die Drei mit ihrem „Projekt“ zu finden. Dort schreiben sie: „Bei den Dreharbeiten ist niemand zu Schaden gekommen“. Von wegen. Der Schrecken soll übrigens weitergehen: Trotz Filmverbots kündigen sie im Film eine Fortsetzung an.
Zum Kommentar

26. Oktober: HSH Nordbank übersteht „Stresstest”

Die HSH Nordbank besteht den Banken-Stresstest der Europäischen Zentralbank, nachdem sie zuvor als Wackelkandidat gegolten hatte. Danach besitzt sie genug Kapital, um auch starken wirtschaftlichen Belastungen in den kommenden Jahren standzuhalten. Zu dem guten Ergebnis habe die im Sommer 2013 von sieben auf zehn Milliarden Euro aufgestockte Garantie der Bundesländer entscheidend beigetragen. Die ist allerdings vorläufig und wird von der EU noch überprüft. Bei dem Stresstest überprüft die EZB, ob die Banken schwere Turbulenzen an den Finanzmärkten durch solide Eigenkapitalausstattungen überstehen würden.

EZB

HSH Nordbank besteht Stresstest

Meinung – höv/dpa
Die HSH Nordbank hat den europäischen Banken-Stresstest bestanden. Danach besitzt sie genug Kapital, um auch starken wirtschaftlichen Belastungen in den kommenden Jahren standzuhalten. Die Prüfer im Auftrag der Europäischen Zentralbank (EZB) ermittelten eine Kernkapitalquote von 6,1 Prozent nach einer simulierten Wirtschaftskrise. Gefordert waren 5,5 Prozent.

Im vorgelagerten Bilanzcheck erreichte die HSH Nordbank eine harte Kernkapitalquote von 10,0 Prozent, plus einen Puffer von 2,3 Prozent aus den Garantien der Bundesländer Hamburg und Schleswig-Holstein. Hier lag die Mindestschwelle der EZB bei 8,0 Prozent. Zu dem guten Ergebnis habe die im Sommer 2013 von sieben auf zehn Milliarden Euro aufgestockte Garantie der Bundesländer entscheidend beigetragen.

Die HSH Nordbank galt unter den 24 untersuchten Banken aus Deutschland als einer der Wackelkandidaten. Sie hat rund 20 Milliarden Euro als Schiffskredite vergeben und die Branche steuert seit Jahren durch eine schwere Krise. Das haben die EZB-Prüfer berücksichtigt. Der Vorstand wertete das positive Abschneiden der HSH Nordbank als eine Bestätigung seiner Strategie. „Unser Blick ist jetzt klar in die Zukunft gerichtet“, sagte Vorstandschef Constantin von Oesterreich.

Die HSH Nordbank ist nach Ansicht des Hamburger Finanzsenators Peter Tschentscher (SPD) mit dem Aufbau ihres neuen Geschäftsmodells gut vorangekommen. „Wir haben erwartet, dass die Kapitalausstattung der HSH Nordbank mit der Garantie der Länder auch harten Stressszenarien standhält“, teilte Tschentscher am Sonntag in Hamburg mit. „Die EZB hat dies heute bestätigt.“ Hamburg und Schleswig-Holstein würden die HSH im schwierigen Umfeld der Schifffahrts- und Finanzmärkte weiterhin konsequent unterstützen. Die von den Ländern abgesicherten Risiken aus früheren Kreditgeschäften hätten sich von 185 auf unter 60 Milliarden Euro verringert.

Auch Schleswig-Holsteins Finanzministerin Monika Heinold zeigt sich erleichtert. „Die HSH Nordbank hat die bislang härteste Prüfung für den Bankensektor der Eurozone bestanden. Da ist ein sehr gutes Ergebnis“, sagte sie am Sonntag. Die Entscheidung zur Wiederaufstockung der Landesgarantien von 7 auf 10 Mrd. Euro war richtig. Die Ländergarantie hat wesentlich zum Bestehen des Stresstests beigetragen“

Auch SPD-Fraktionschef Ralf Stegner freut die Nachricht. Er nutzt sie wie gewohnt für einen Seitenhieb gegen Wolfgang Kubicki.

FDP-Fraktionschef Wolfgang Kubicki sieht das Problem mit der HSH aber noch nicht gelöst. „Wir haben noch einmal Glück gehabt: Die Steuerzahler unseres Landes können sich freuen, aber noch nicht beruhigt sein. Ohne die Garantien der Länder Hamburg und Schleswig-Holstein wäre die HSH Nordbank durchgefallen“, sagte er am Sopnntag. „Diese Garantien sind Gegenstand einer laufenden Beihilfeprüfung der Europäischen Kommission. Erst wenn auch diese Prüfung erfolgreich abgeschlossen ist, können wir aufatmen. Dann hat die Bank eine ordentliche Perspektive, und das Land bekommt sein Vermögen wieder, das es in die Bank investiert hat.“

Stegner entgegnete via Twitter:

Diese Banken sind beim Stresstest durchgefallen

Zum Kommentar

28. Oktober: Grausamer Arbeitsunfall auf dem Feld

Ein 52-jähriger Landwirt kommt bei Erntearbeiten in Erfde (Kreis Schleswig-Flensburg) ums Leben. Er war in einen Häcksler geraten. Das Bild vor Ort ist so grausam, dass die Feuerwehrleute traumatisiert sind. Sie müssen psychologisch betreut werden.

Grausiger Arbeitsunfall in Erfde

Bauer stirbt bei Ernteunfall – Feuerwehrleute traumatisiert

Meinung – org
Ein 52-jähriger Landwirt ist am Dienstag bei Erntearbeiten ums Leben gekommen. Er soll in einen Häcksler geraten sein. Die Polizei wollte sich zu Einzelheiten nicht äußern. „Es handelte sich um einen solch dramatischen Vorfall, dass wir uns mit Rücksicht auf die Hinterbliebenen und Einsatzkräfte zu diesem Schritt entschlossen haben“, sagte Pressesprecher Markus Langenkämper. Als die Feuerwehr und der Rettungswagen aus Norderstapel an der Unfallstelle eintrafen, bot sich den Helfern ein grausames Bild.    

Erfdes Bürgermeister Thomas Klömmer gab bekannt, dass sich die Erfder Feuerwehr, deren Mitglied der Verstorbene war, zumindest für den Rest der Woche abgemeldet habe, die Aufgaben werden von umliegenden Feuerwehren mit übernommen. „Da sind alle traumatisiert“, sagte Klömmer. Die Beteiligten werden psychologisch betreut. Auch ein Rettungsassistent ist zurzeit außer Dienst. „Er wird von einem Notfall-Seelsorger betreut“, erklärte Hans-Dieter Nissen, der Leiter des Rettungsdienstes im Kreis Rendsburg-Eckernförde.
Zum Kommentar

29. Oktober: Leiche von Patrick B. entdeckt

Der 25 Jahre alte Mann wurde seit dem 1. September vermisst. Ende Oktober dann der grausame Fund in Bredstedt im Kreis Nordfriesland. Patrick B. wurde erstochen, die Leiche unter einem Gartenteich versteckt. Ein mutmaßlicher Täter legt anschließend ein Geständnis ab.

Kreis Nordfriesland

Leiche von Patrick B. in Bredstedt entdeckt

Meinung – shz.de/dpa
Schrecklicher Fund in Bredstedt im Kreis Nordfriesland: Die Leiche eines Mannes wurde gefunden. Laut Informationen der Husumer Nachrichten handelt es sich bei dem Toten um den 25 Jahre alten Patrick B.. Die Polizei bestätigte mittlerweile, dass es sich bei dem Toten um den Vermissten handelt. Er wurde bereits seit dem 1. September vermisst.

Ein 27-Jähriger aus Bredstedt soll ihn erstochen und den Leichnam unter einem Gartenteich versteckt haben, sagte die Flensburger Oberstaatsanwältin Ulrike Stahlmann-Liebelt am Mittwoch. Weitere Details zu dem Versteck nannte sie nicht. Der mutmaßliche Täter habe ein Geständnis abgelegt. Die Staatsanwaltschaft beantragte Haftbefehl wegen Totschlags. Das 25 Jahre alte Opfer wurde mit mehreren Stichen attackiert, die Obduktion in der Rechtsmedizin dauert noch an.

Die genauen Hintergründe der Tat müssten geklärt werden. Weitere Angaben machte die Mordkommission aus ermittlungstaktischen Gründen zunächst nicht. Intensive Ermittlungen der Bezirkskriminalinspektion Flensburg führten auf die Spur des mutmaßlichen Täters. Zum Aufspüren der Leiche waren die Beamten mit rund 100 Kräften vor Ort. Mehrere Grundstücke wurden durchsucht. Auch Diensthunde und technisches Gerät kamen zum Einsatz, hieß es.

Die Polizei hatte noch Mitte September erklärt, keinerlei Hinweise über den Aufenthalt von Patrick B., zu haben. Es werde in alle Richtungen ermittelt, ein Verbrechen könne nicht ausgeschlossen werden.
Zum Kommentar
Insolvente Beteiligungsgesellschaft

MS „Deutschland“: Von Fuchsis Traumschiff zum Pleite-Alptraum

Meinung – Joachim Dreykluft
Die MS „Deutschland“, das berühmte „Traumschiff“ aus dem ZDF ist insolvent, ein Investor bislang nicht gefunden. Wie ein erfolgreicher Unternehmer die Deutschen zu Kreuzfahrern machte, seine Töchter versuchten, die Fassade aufrecht zu erhalten und der Insolvenzverwalter heute um das Überleben des Schiffs kämpft.

Der „Fuchsi“



Peter Deilmann, geboren 1935 in Travemünde, kam aus kleinen Verhältnissen. Zunächst arbeitete er als Hafenarbeiter, dann baute er aus eigener Kraft eine kleine Reederei auf, zuerst in Lübeck, dann in Neustadt in Holstein. Sein Geld machte er vor allem mit dem Frachtgeschäft, Passagiere schipperte er auf den sogenannten Butterfahrten über die Ostsee nach Dänemark. Seine Familie nannte ihn „Fuchsi“, angeblich, weil er seinen Zwillingstöchtern Gisa und Hedda gerne die Geschichte von Reinecke Fuchs vorlas. Als Geschäftsmann war er ohnehin ein Fuchs mit dem richtigen Gespür für Trends und die Wünsche der Kunden. 1986 ließ er bei den Howaldtswerken (HDW)  in Kiel die „Berlin“ bauen.

Das „Traumschiff“



Der 330-Passagier-Kreuzfahrer wurde als „Traumschiff“ des ZDF berühmt. Gesichter wie das von Sascha Hehn oder Heide Keller machten Kreuzfahrten in Deutschland populär.

1996 löste dann die  „Deutschland“ die „Berlin“ als ZDF- Traumschiff“ ab. Sie wurde ebenfalls bei HDW in Kiel gebaut. Deutschland geriet vollends ins Kreuzfahrtfieber. Und die besten Kreuzfahrten, das lernte man im Fernsehen, gab es auf Deilmanns „Deutschland“. Nur positive Geschichten, „kein Sex, keine Leichen“, so soll der Deal zwischen Deilmann und TV-Produzent Wolfgang Rademann laut „Welt“ ausgesehen haben.



Die Concorde

Auch bis 2000 lief nicht immer alles rund bei Deilmanns. Die „Berlin“ etwa wurde zwischenzeitlich nach Singapur verkauft. Extrem trockene Sommer machen das Geschäft mit Flusskreuzfarten schwierig, weil versprochene Ziele wegen Niedrigwassers oft nicht angefahren werden konnten. Aber ihren ersten wirklichen Schock erlebt die Deilmann-Reederei am 25. Juli 2000. Deilmann charterte den Flug Air France 4590, um 99 Passagiere zu einer Kreuzfahrt nach New York zu transportieren. Es wird der letzte Flug einer Concorde sein. Die Maschine verunglückt beim Start in Paris, alle Insassen kommen ums Leben. Peter Deilmann wird sich von diesem Schock nie erholen. Er stirbt gut drei Jahre später in London.

Die Deilmann-Schwestern

Gisa und Hedda müssen ran, die blonden Zwillinge. Damals gerade 35 Jahre alt, sollen sie das Erbe des Vaters bewahren, bestenfalls ausbauen. Doch das Unternehmen sieht nach außen viel besser aus, als es ihm tatsächlich geht. Moderne Buchhaltung, Finanzmanagement, ein professionelles Verhältnis zu den Banken, daran mangelt es im Deilmann-Imperium. Dennoch werden die Zwillinge als erfolgreiche Business-Frauen durch die Boulevard- und Wirtschaftspresse gereicht. Das Bild, das sie und ihr Unternehmen abgeben, ist einfach zu glamourös.



Pleite und Neuanfang



Das Geschäft mit Flusskreuzfahrten läuft seit 2008 sehr schlecht. Die Finanzkrise hält Gäste aus Übersee fern. 2009 folgt der Insolvenzantrag für die Sparte. Die Schwestern sehen die Schuld vor allen bei den Banken, die Kredite verweigern. Ein Plan, die „Deutschland“ zu verkaufen und zurückzuchartern, scheitert. Die Schwestern firmieren um von einer GmbH & Co. KG in eine GmbH, um das Geschäft mit Hochseekreuzfahrten fortzuführen.



Der Brand



Das Glück blieb aus, dann kam Pech dazu: Im norwegischen Hafen Eidfjord bricht auf der „Deutschland“ ein Feuer aus. Die Passagiere werden von Bord gebracht und mit Bussen nach Deutschland zurücktransportiert, das Schiff zur Werft Blohm & Voss nach Hamburg geschleppt. Die Reparatur bezahlt die Versicherung, es sind aber auch drei Fahrten ausgefallen. Im August 2010 übernimmt der Finanzinvestor Aurelius 95 Prozent der Anteile, bei den Schwestern verbleiben fünf Prozent. Für eine Familie sei der Finanzbedarf nicht zu stemmen, sagen sie. Sie dürfen das Unternehmen noch repräsentieren, aber nicht mehr leiten.



Der Streit mit dem Kapitän

Inzwischen hat die Reederei die Negativschlagzeilen gepachtet. Anfang 2012 kommt es in Feuerland zu einer Grundberührung der „Deutschland“. Dieser Schaden hält sich in Grenzen. Schlimmer ist der Imageschaden durch den Plan, die „Deutschland“ in das Billigland Malta umzuflaggen. Kapitän Andreas Jungblut kritisiert das öffentlich. Nach monatelangem Streit wird er im Dezember 2012 entlassen. Da war schon entschieden, dass das Schiff wegen „emotionaler Stimmung“ unter deutscher Flagge bleiben werde.



Die Insolvenz



Anfang 2014 verkauft Aurelius die Mehrheit an den Finanzinvestor Callista, behält aber einen Minderheitsanteil. Finanziert wird die MS Deutschland Beteiligungsgesellschaft durch Mittelstandsanleihen. Die Zinszahlungen von 2,5 bis 3 Millionen Euro pro Jahr werden im Oktober 2014 als Grund für den Insolvenzantrag angegeben. Die Verbindlichkeiten belaufen sich auf 56 Millionen Euro, davon 50 Millionen Euro Anleihen. Die „Deutschland“ soll nun verkauft werden, doch das dauert. Ab dem 18. Dezember ist eine große Weltreise geplant. Doch die muss mangels Investor Ende November abgesagt werden. Allein die nötige technische Überprüfung würde zwei Millionen Euro kosten. Der Insolvenzverwalter hofft nun auf einen Käufer, der die „Deutschland“ ab Frühjahr 2015 wieder auf große Fahrt schickt.
Zum Kommentar
Hamburg

Rote Flora: Anstiftung zur Brandstiftung?

Meinung – Markus Lorenz
Neue Aufregung um das Hamburger Autonomenzentrum „Rote Flora“: Nach Angaben zweier Sicherheitsmitarbeiter wollte Eigentümer Klausmartin Kretschmer sie angeblich als Brandstifter anheuern, um das dauerbesetzte Konzerthaus anzünden zu lassen. Wie die „Hamburger Morgenpost“ berichtet, untermauern die Männer ihre Darstellung mit zwei Eidesstattlichen Erklärungen. Demnach soll Kretschmer die beiden im vorigen Dezember gefragt haben: „Was würde es mich kosten, wenn das Ding brennt?“ Strafanzeige haben die Männer nicht gestellt.

Eigentümer Kretschmer lässt den Vorwurf entschieden zurückweisen. Sein Berater Gert Baer sagt: „Eine solche Aussage hat Herr Kretschmer nie getätigt.“ Laut dem Zeitungsbericht nennen die beiden Zeugen unverblümt „Rache“ als Motiv für die Veröffentlichung. Demnach habe Kretschmer den Sicherheitsleuten für ihre Dienste statt zugesagter 10.000 Euro lediglich 2000 Euro gezahlt. Auch das bestreitet Baer im Namen Kretschmers.

Der „Flora“-Eigentümer liefert sich derzeit einen erbitterten Rechtsstreit mit der Stadt Hamburg um die Zukunft der Immobilie im Schanzenviertel. Er möchte das heruntergekommene Gebäude räumen lassen und zum kommerziellen Veranstaltungszentrum umbauen. Der Senat lehnt die Pläne kategorisch ab und versucht, die „Flora“ zurückzukaufen.
Zum Kommentar
Zehn Verletzte in Heide

Grill sollte aus Badezimmer eine Sauna machen

Meinung – dpa
Der Versuch, einen Holzkohlegrill für einen improvisierten Saunagang in der eigenen Wohnung zu benutzen, ist in Heide (Kreis Dithmarschen) schiefgegangen. Wegen des starken Qualms kamen zehn Menschen am Samstagabend mit Rauchvergiftungen ins Krankenhaus, sechs davon waren Kinder.

Die Bewohner hatten den Grill ins Badezimmer gestellt und angezündet, wie ein Feuerwehrsprecher am Sonntag berichtete. „Eine ziemlich dumme und unverständliche Aktion“, sagte er.
Zum Kommentar
Norderstedt

Unfall mit Sportwagen: Zwei Tote, ein Junge verletzt

Meinung – Florian Büh/dpa
Bei einem schweren Verkehrsunfall sind bei Norderstedt zwei Menschen ums Leben gekommen, ein Junge wurde verletzt. Der Fahrer eines mehr als 200.000 Euro teuren gelben McLaren P11 war am Samstagmorgen aus Hamburg kommend in Richtung Harksheide auf der Schleswig-Holstein-Straße unterwegs. Kurz vor einer Ampel verlor der Mann die Kontrolle über seinen Sportwagen - und geriet nach Erkenntnissen der Polizei bei hoher Geschwindigkeit auf rutschiger Straße in den Gegenverkehr. Dort kollidierte er mit einem schwarzen Opel Corsa. Dessen Fahrer wurde durch den Aufprall sofort getötet. Der Fahrer des McLaren verstarb später im Krankenhaus. Der Junge erlitt ein schweres Trauma.

Nach bisherigen Erkenntnissen der Polizei war das Kind im Rahmen einer Verkaufsveranstaltung für eine Spritztour in den mehr als 600 PS starken Flitzer gestiegen - ans Steuer setzte sich ein 26-jähriger Verkäufer.

Der Sportwagen überschlug sich nach dem Zusammenstoß zwei Mal, das andere Fahrzeug wurde an einer Straßenseite eingeklemmt. Der 26-Jährige starb später im Krankenhaus; der 57 Jahre alte Fahrer des Kleinwagen erlag noch an der Unfallstelle im Wrack seinen Verletzungen. „Der Junge stand extrem unter Schock, er wurde extrem traumatisiert“, berichtete ein Polizeisprecher. Auch die Einsatzkräfte standen bei der lange andauernden Bergung unter großer psychischer Belastung. „Das Kind hat im Auto geschrien, es war kaum zu beruhigen.“

Erst nach vier Stunden wurde die Straße wieder freigegeben. Die Schleswig-Holstein-Straße, eine Verbindung zwischen Hamburg-Nord und Schleswig-Holstein mit einer rund drei Kilometer langen Geraden - sei eine bei Rasern beliebte Strecke, sagte der Polizeisprecher.
Zum Kommentar
Sparkurs

HSH Nordbank streicht 500 Stellen

Meinung – dpa
Die HSH Nordbank will mit einem drastischen Sparprogramm ihre Rentabilität nachhaltig stärken. Dabei kommt der Schiffsfinanzierer an einem weiteren Arbeitsplatzabbau nicht vorbei, findet der Vorstand. „Wir gehen davon aus, dass in den nächsten drei Jahren rund ein Fünftel der Arbeitsplätze abgebaut werden muss, also rund 500 von 2600 Vollzeitstellen“, sagte der Vorstandsvorsitzende Constantin von Oesterreich in einem Gespräch mit dem Handelsblatt.

Die Bank hat bereits viele Arbeitsplätze eingebüßt. Vor der Finanzkrise beschäftigte sie rund 5000 Mitarbeiter, einschließlich Teilzeitbeschäftigten, heute noch rund 3000. Das war den Auflagen der EU geschuldet, die eine Verkleinerung der Bank anordnete, nachdem sie öffentliche Unterstützung erhalten hatte. Nun steht die HSH Nordbank wieder unter Druck. Die von Schleswig-Holstein und Hamburg geleistete Erhöhung der Bilanzgarantie um drei auf zehn Milliarden Euro hat zwar entscheidend dazu beigetragen, dass die Bank den Stresstest der Europäischen Zentralbank knapp bestanden hat. Doch die Unterstützung hat ein weiteres EU-Beihilfeverfahren nach sich gezogen.

Bei der Gelegenheit prüft die Kommission, ob das Geschäftsmodell trägt, notfalls droht die Abwicklung. „Wir müssen zeigen, wie nachhaltig unser Geschäftsmodell in der Kernbank funktioniert“, so von Oesterreich. Eine wettbewerbsfähige Kostenstruktur sei dafür nötig. Bis Ende 2017 will die Bank 170 Millionen Euro einsparen, maßgeblich bei Sachkosten. „Wir gehen davon aus, dass wir mit unserem Geschäftsmodell nachhaltig einen Gesamtertrag von einer Milliarde Euro erzielen können“, so von Oesterreich. Das würde einer hohen einstelligen Eigenkapitalrendite vor Steuern entsprechen.

Von Oesterreich hob hervor, die Bank sei auf Kurs. In den ersten neun Monaten habe sie Neugeschäft von sieben Milliarden Euro abgeschlossen und werde ihr Jahresziel von 9,4 Milliarden Euro erreichen. „Wir bewegen uns relativ gesehen zum Markt gut, unser Neugeschäft wächst überproportional“, sagte der Bankchef.
Zum Kommentar
Video aus Neustadt

Feuer in Yacht-Halle - Schaden in Millionenhöhe

Meinung – dpa
Bei einem Feuer auf dem Gelände des Yachthafens Ancora Marina in Neustadt im Kreis Ostholstein ist ein Schaden in zweistelliger Millionenhöhe entstanden. Wie die Polizei mitteilte, brannte eine Ausstellungshalle am Mittwoch komplett nieder. Dadurch wurden rund 40 zumeist neuwertige Boote zerstört. Verletzt wurde bei dem Feuer niemand.

Die Brandursache war zunächst unklar. Die Kriminalpolizei in Neustadt hat die Ermittlungen aufgenommen. Wegen der großen Hitzeentwicklung sollte die Brandstelle am Mittwoch noch nicht betreten werden, sagte ein Polizeisprecher.

3887436888001

Auf dem Ancora-Marina-Gelände unmittelbar an der Ostsee gibt es neben dem Yachthafen mit rund 1400 Liegeplätzen eine Werft, mehrere Winterlager und eine 70 mal 100 Meter große Ausstellungshalle. Dort sei gegen 4 Uhr das Feuer ausgebrochen, sagte der Sprecher. Als die Einsatzkräfte kurze Zeit später eintrafen, brannte die Halle bereits in voller Ausdehnung. Die Flammen konnten nicht mehr gelöscht werden. Deshalb ließ die Feuerwehr die Halle kontrolliert abbrennen und konzentrierte sich darauf, ein Übergreifen der Flammen auf eine benachbarte Halle zu verhindern.

In der Ausstellungshalle lagerten nach Angaben des Betreibers rund 100 zumeist neuwertige Händlerboote. Davon wurden etwa 40 durch Hitze und Flammen zerstört. Da die meisten Boote aus Kunststoff bestanden, entwickelte sich schnell dichter Qualm. Anwohner wurden vorsorglich aufgefordert, Fenster und Türen geschlossen zu halten.

Gegen 8 Uhr war der Brand gelöscht. Einsatzkräfte der Feuerwehr blieben jedoch bis zum Nachmittag, um Glutnester zu kontrollieren, die durch die große Hitze immer wieder aufflammten. Insgesamt waren sechs Feuerwehren mit insgesamt 100 Einsatzkräften vor Ort.
Zum Kommentar
Traurige Unfallbilanz

Todesfalle B5: Seit April starben acht Menschen

Meinung – Christina Norden
Von der Bundesstraße 5 kommen immer wieder Schreckensnachrichten: Erst am Montagmorgen meldete die Polizei einen tödlichen Unfall. Bei Schmedeswurth geriet Mazda-Fahrer aus ungeklärter Ursache auf die Gegenfahrbahn und prallte frontal mit einem Lastwagen zusammen. Der 27 Jahre alte Pkw-Fahrer starb noch an der Unfallstelle. Und er ist nicht der einzige. 2014 starben schon acht Menschen auf der B5 in Schleswig-Holstein. Insgesamt ereigneten sich 15 schwere Unfälle. 13 Menschen wurden schwer verletzt.

Die B5 führt vom dänischen Grenzübergang Böglum/Sæd in Nordfriesland durch Dithmarschen bis nach Itzehoe, wo sie in die Autobahn 23 übergeht. Die Strecke zwischen Husum und Heide scheint besonders gefährlich zu sein. Auf einem etwa 20 Kilometer langen Abschnitt starben 2014 bei sechs Unfällen sieben der acht B5-Toten. Die Ursachenforschung zeigt kein allgemeines Muster. Zweimal wurden Autos beim Abbiegen übersehen. Immer wieder werden deshalb Stimmen laut, die das linksseitige Abbiegen in kleine Nebenstraßen, bei denen keine Abbiegespur auf der B5 besteht, zu untersagen. Zwischen Husum-Süd und Witzwort bestehen vier solcher Stellen. Bei vier der sechs tödlichen Unfälle gerieten die Fahrzeuge in den Gegenverkehr. Der Grund dafür konnte nicht geklärt werden.

Zwei der tödlichen Unfälle fallen in den Bereich der Polizeidirektion Itzehoe. Sprecherin Merle Neufeld erklärt: „Wir analysieren jeden Unfall ganz genau, aber viel mehr tun, als die Autofahrer zur Vorsicht aufzurufen, können wir nicht.“

Der nördliche Teil der B5 gehört zum Einsatzgebiet der Polizeidirektion Flensburg. Die Beamten verzeichnen im Vergleich zu anderen Straßen im Norden eine Verkehrsunfallhäufung, bestätigt Sprecher Matthias Glamann. „Im Verlauf der B5 werden zum Beispiel die Einmündung B5/K7 (Bäderstraße) bei Risum-Lindholm oder die Einmündung B5/Behmweg bei Witzwort als Unfallhäufungsstelle bewertet“, so Glamann. Ein Unfallort wird dann als Unfallhäufungsstelle bewertet, wenn innerhalb einer definierten Zeit eine definierte Anzahl bestimmter Unfallereignisse zu verzeichnen sind. Auf der B5 habe es 2013 insgesamt 113 Unfälle gegeben: 70 davon mit Personenschaden, davon 105 Leichtverletzte, 27 Schwerverletzte und drei Tote. 2014 wurden bislang bereits 100 Unfälle registriert, 70 davon mit Personenschaden, davon 92 Leichtverletzte, 28 Schwerverletzte und vier Tote.

Diese interaktive Karte zeigt die schweren und tödlichen Unfälle auf der B5:

Beim Klick auf die Symbole erfahren Sie mehr über den jeweiligen Unfall.
Zum Kommentar
Feuer in Haale

Zwei tote Frauen nach Brand in Pferdestall entdeckt

Meinung – Daniel Friederichs/Eckard Gehm
Grausiger Fund bei Löscharbeiten: Nach einem Brand in einem Pferdestall in Haale (Kreis Rendsburg-Eckernförde) haben Feuerwehrleute am Dienstagabend zwei Leichen gefunden. „Es soll sich um Frauen handeln“, sagte ein Polizeisprecher am Mittwoch. Die Identität sei aber bisher nicht geklärt. Eine etwa 80 Jahre alte Frau und ihre rund 50 Jahre alte Tochter unterhielten den Stall, eine Art „Gnadenhof“ für alte Pferde. Das sagte der Bürgermeister der kleinen Gemeinde mit 500 Einwohnern, Bernd Holm. „Die beiden Frauen haben seit 1998 zurückgezogen in einem Haus auf dem Hof gelebt.“ Sie seien freundlich und friedlich gewesen.

Bei dem Pferdestall handelt es sich um einen roten Backsteinbau, der direkt an der Kreisstraße gelegen ist. „Mit der Tochter habe ich noch vor 14 Tagen telefoniert, sie war eine engagierte Frau“, sagte Bürgermeister Holm. Das Wohl ausrangierter Pferde habe ihr sehr am Herzen gelegen. „Das Geschehen ist ein Hammer, aber solange nicht klar ist, was passierte und wer die Toten sind, ist Zurückhaltung geboten.“

Die Kieler Staatsanwaltschaft, die den Fall übernommen hat, machte keine Angaben, ob es sich um ein Gewaltverbrechen handelt. Ein gerichtsmedizinischer Befund steht weiter aus, teilte Oberstaatsanwältin Birgit Heß am Nachmittag mit. Die Obduktion soll Aufschluss über die Todesursache geben.

Gegen 21 Uhr am Dienstagabend hatte ein Autofahrer den Brand entdeckt. „Die Feuerwehr war sehr zügig vor Ort“, sagt Polizeisprecher Sönke Hinrichs. „Als wir am Einsatzort eintrafen, war kein offenes Feuer zu sehen, es qualmte aber aus dem Dach der Scheune“, berichtet Wehrführer Andreas Beckmann aus Haale. Er habe dann mit der Erkundung der Lage begonnen und eine Stalltür geöffnet. „Hinter dieser Tür lag eine leblose Person.“

Die 70 Feuerwehrmänner der vier alarmierten Wehren begannen sofort mit den Löscharbeiten. Gebrannt haben soll nur ein großer Rundballen in der Mitte der Scheune, die Brandursache ist noch unklar. Die Einsatzkräfte öffneten auf der Rückseite der Scheune ein Tor und trieben die Pferde, die in ihren Boxen angebunden waren, aus dem Stall. „Der Brand war nach 20 Minuten gelöscht. Als wir die Strohreste aus dem Stall entfernten, entdeckten wir die zweite Leiche“, sagt Beckmann. Der Schock sei groß gewesen. Über die Leitstelle sei ein Notfallseelsorger angefordert worden.

(mit dpa)
Zum Kommentar
Itzehoe

Endgültig: Prokon ohne Rodbertus

Meinung – lpe
Der Streit ist beendet. Carsten Rodbertus, Gründer des insolventen Windkraftunternehmens Prokon, und Insolvenzverwalter Dr. Dietmar Penzlin haben sich geeinigt. Eine Schadenersatz-Klage gegen Rodbertus wird es nicht geben, dafür zieht er sich bei Prokon komplett zurück.

Penzlin veröffentlichte gestern Morgen eine Mitteilung, parallel äußerte sich auch Rodbertus auf seiner Internetseite als „ehemaliger geschäftsführender Alleingesellschafter der Prokon Regenerative Energien GmbH“. Nach der außergerichtlichen Einigung mit Penzlin gibt der 53-Jährige seine Anteile an dem Unternehmen ab und legt die Geschäftsführung nieder, von der ihn der Insolvenzverwalter im Frühjahr abberufen hatte. Ansprüche von Prokon erkennt Rodbertus an – weitere Details wurden nicht mitgeteilt, diese unterliegen der „strikten Vertraulichkeit“. Zudem überlässt der Firmengründer seinem nun ehemaligen Unternehmen alle Markenrechte und „darf in keiner Form mehr in Sachen Prokon tätig werden oder öffentliche Erklärungen abgeben“, so Penzlins Mitteilung. Darüber hinaus muss Rodbertus sich vollständig aus der Öffentlichkeit zurückziehen. Auch diese Verpflichtung ist durch „hohe Vertragsstrafen“ abgesichert.

Monatelang hatten Firmengründer und Insolvenzverwalter um die Zukunft des Unternehmens gerungen. Dieses hatte von 75 000 Anlegern 1,4 Milliarden Euro Genussrechtskapital eingesammelt, war dann aber in Nöte geraten, als viele Anleger ihr Geld zurückwollten. In der Insolvenz will Penzlin die Kernbereiche Windparks und Stromversorgung fortführen, Rodbertus hatte die Zerschlagung des Unternehmens gefürchtet und viele Stimmen für seinen konkurrierenden Weg gesammelt. Diese waren bei der Gläubigerversammlung für ungültig erklärt worden.

Auf Kosten der Firma bereichert habe er sich nie, hatte Rodbertus immer wieder betont und von seiner bevorstehenden Privatinsolvenz gesprochen. Die Vermögenslosigkeit des früheren Geschäftsführers sei auch der Grund für die Vereinbarung, so Penzlin: „Bei dieser Sachlage hätte eine gerichtliche Anspruchsdurchsetzung die Insolvenzmasse mit erheblichen Kosten belastet.“ Das laufe seiner Aufgabe zuwider. Die Einigung sei nun ein weiterer Schritt auf dem Weg zum Neustart, „auf den sich alle Beteiligten des Sanierungsprozesses jetzt noch stärker fokussieren können“. Wie berichtet, sollen die Genussrechtsinhaber zu Eigentümern von Prokon werden können. Alternativ wird der Verkauf der Anteile an einen Investor vorbereitet. Anfang 2015 soll Klarheit über den Weg bestehen. Als neuer Geschäftsführer begleitet ihn für den Übergang Diplom-Betriebswirt Kai Peppmeier, der seit 1. Mai kaufmännischer Leiter war. Eine dauerhafte Unternehmensleitung sucht die Personalberatung Russell Reynolds.

Rodbertus hofft, dass die Genussrechtsinhaber, wie von Penzlin geplant, zu Eigentümern werden. „Ich wünsche Prokon für den laufenden Sanierungsprozess und für den Neustart von Herzen alles Gute“, schrieb er auf seiner Internetseite, die er Ende des Jahres abschalten will. Zuletzt hatte er die PmK – Projekte mit Konzept für eine lebenswerte Zukunft GmbH als Berater unterstützt. Diese wollte Prokon-Ziele weiterführen und sprach auch Anleger an. Das darf Rodbertus nun nicht mehr. „Ich werde mich mit Sicherheit aus dem Finanzsektor zurückziehen“, sagte er gegenüber unserer Zeitung, ohne näher auf seine Pläne eingehen zu wollen. Es gebe viele Schadenersatz-Klagen von Anlegern: „Das ist natürlich eine Geldmaschine für Anwälte.“ Für ihn sei die Vereinbarung ein Neuanfang, aber es sei offen, ob dieser in Schleswig-Holstein stattfinde. Fest steht: „Der Fall Prokon ist für mich abgeschlossen.“
Zum Kommentar
Bokholt-Hanredder

Rinderherde abgeschossen: „Ein Bild des Grauens“

Meinung – Jan Schönstedt und Knuth Penaranda
Tierschützer sind entsetzt: In Bokholt-Hanredder (Kreis Pinneberg) sind 21 Rinder auf Anweisung des Ordnungsamtes abgeschossen worden. Die Herde sei nicht mehr zu bändigen gewesen, es hätte Gefahr für die Öffentlichkeit bestanden. So begründet Rainer Schattauer vom Amt Rantzau die Entscheidung.

„Die Rinder waren völlig verwildert, haben Zäune niedergetrampelt. Es bestand die Gefahr, dass sie auf die A23 oder die Landstraße zwischen Elmshorn und Barmstedt laufen“, sagt Schattauer. Der Chef des Ordnungsamtes hatte nach einem erneuten Ausbruch am Dienstag den Abschuss der Tiere durch Jäger angeordnet. Zuvor hatte er sich mit dem Kreisveterinäramt und weiteren Experten beraten. „Wir haben keine andere Lösung gesehen. Die Entscheidung ist mir alles andere als leicht gefallen. Es war ein Bild des Grauens.“

Besitzer der Herde ist ein Landwirt aus Bullenkuhlen. Er selbst war vor Ort, versuchte verzweifelt die Tiere einzufangen. Jemand habe das Gatter offen stehen gelassen, lautete seine Begründung. Probleme hätte es davor nie gegeben. Diese Sicht hat der Landwirt exklusiv. Sowohl der Naturschutzbund Elmshorn, der dem Mann die Weide verpachtet hat, als auch benachbarte Landwirte und Rainer Schattauer schildern die Situation völlig anders. Die Highlandrinder und Galloways seien in den vergangenen Wochen immer wieder ausgebrochen. Die Weide sei unzureichend gesichert gewesen. Laut Schattauer hätten sich die Beschwerden zuletzt gehäuft. „Am 13. November wurde sogar eine Radfahrerin auf dem Krückauwanderweg von einem Bullen attackiert“, so der Leiter des Ordnungsamtes.

Vor allem der direkte Nachbar hatte unter der Herde zu leiden. Dem Landwirt wurden sämtliche Zäune platt getreten. Und nicht nur das. Auch 20 seiner Milchkühe sollen von den Bullen bestiegen worden sein. Bei diesen müsste nun abgetrieben werden.

Die Szene wirkt bedrückend. Im Scheinwerferlicht werden am Dienstagabend die Kadaver der 21 Rindern auf den Lkw einer Entsorgungsfirma verladen. Rainer Schattauer steht still daneben. Der Leiter des Ordnungsamtes des Amtes Rantzau hatte wenige Stunden zuvor die Anweisung gegeben, die Herde von Highlandrindern und Galloways abzuschießen. „Sie kannten keine Zäune mehr, haben alles niedergetrampelt. Die Herde war eine Gefahr für die Öffentlichkeit“, sagt Schattauer. Man sieht ihm an, dass ihm die Entscheidung nicht leicht gefallen ist. Die Tiere waren laut Schattauer nicht mehr zu bändigen. „Wir mussten handeln. Sonst hätten wir am Pranger gestanden, wenn etwas passiert wäre“, so der Leiter des Ordnungsamtes.

Bevor er den Abschuss anordnete, hatte sich Schattauer mit dem Kreisveterinäramt und anderen Experten beraten. Es habe drei Möglichkeiten gegeben. Option 1: Die Tiere anfüttern und zurück zur Weide bringen. „Das war unmöglich. Die waren so scheu, dass sie bei jeder Annäherung völlig durchgedreht sind. Außerdem war der Zaun in großen Teilen komplett zerstört“, so der Leiter des Ordnungsamtes. Option 2: Betäuben und umsiedeln oder schlachten lassen. „Laut Experten besteht bei derart aufgeregten Tieren durch das viele Adrenalin im Körper die Gefahr, dass die Betäubung gegenteilig wirkt und die Rinder noch wilder werden.“ Option 3: Töten. „Unter Berücksichtigung aller Aspekte und der Gefährdung der Öffentlichkeit war dies der einzige Weg“, sagt Schattauer, der auch einen Tag nach der Aktion noch von der Richtigkeit seiner Entscheidung überzeugt ist. Mit einer Ausnahmegenehmigung von der Jagdbehörde des Kreises Pinneberg ließ er die 21 Rinder von fünf Jägern abschießen. „Wir wussten nicht, wie die Herde auf die Schüsse reagiert, deshalb haben wir mehrere Jäger zur Hilfe gerufen. Auch denen ist das nicht leicht gefallen.“

Die Tiere weideten auf dem Gelände des Naturschutzbundes (Nabu) Elmshorn. Dieser hat das zehn Hektar große Areal an einen Landwirt aus Bullenkuhlen verpachtet. „Wir haben uns gefreut, dass er dort diese Rinder halten will. Schließlich ist es eine gute Maßnahme zur Landschaftspflege“, so Elmshorns Nabu-Chef Hans Helmut Dürnberg. Die Freude währte nur kurz. Die Probleme hätten im Juni begonnen, kurz nachdem die Tiere auf die Weide kamen. „Unser Pächter hat die Weide unzureichend gesichert. Die Tiere haben große Schäden angerichtet“, berichtet Dürnberg. Immer wieder hätte der Nabu den Landwirt aufgefordert, den Zaun zu verbessern. „Außer Versprechungen ist nichts passiert. Bis zuletzt war der Elektrozaun nicht mit Strom versorgt“, so der Nabu-Chef. Die Naturschützer zogen die Konsequenzen, forderten den Pächter auf, die Tiere zu entfernen und kündigten den Pachtvertrag. „Wir haben nicht damit gerechnet, dass der Fall ein so dramatisches Ende nimmt.“

Dürnberg selbst ist zwar kein Experte, aber doch sehr verwundert über das Vorgehen der Behörde. „Das kann ich so nicht nachvollziehen.“ So geht es auch Susanne Tolkmitt, stellvertretende Vorsitzende des Tierschutzbundes Schleswig-Holstein. „Von so einem drastischen Fall habe ich noch nie gehört. Aus meiner Sicht war keine Gefahr in Verzug“, sagt Tolkmitt. Zumal die Tiere zum Großteil vor dem Abschuss wieder auf die ursprüngliche Weide getrieben werden konnten. Allerdings: „Wir konnten wegen der kaputten Zäune nicht garantieren, dass sie nicht wieder ausbrechen“, so der Leiter des Ordnungsamtes. Tolkmitt dazu: „Man hätte den Zaun ausbessern müssen. Es zumindest versuchen, bevor man so viele Tiere tötet.“

Der Kreis Pinneberg prüft jetzt etwaige Verstöße gegen das Tierschutzgesetz durch den Halter der Rinder. Der äußerte sich nicht zu den Vorwürfen.

Dieter Wichmann, Vorsitzender des Vereins für extensive Robustrinderhaltung im Liether Moor, ist entsetzt vom Vorgehen der Ordnungsbehörde. „Das ist eine Riesensauerei, totaler Blödsinn.“ Er vermutet Fehler bei allen Beteiligten. „Ich gehe davon aus, dass sich niemand ordentlich um die Tiere gekümmert hat“, sagt der Chef des Liether Vereins.

Die Haltung von Robustrindern, besonders in einer Herde dieser Größenordnung, sei ein Vollzeitjob. Wichmann: „Das kann man nicht aus Liebhaberei oder nebenbei machen, auch wenn es zurzeit in Mode ist.“ Besitzer müssten sich täglich um die Tiere kümmern. Die Rinder müssten regelmäßig Futter und Zuwendung bekommen, um nicht zu verwildern.

Der Einsatz der Robustrinder sei auch eine Maßnahme der Landschaftspflege. Vermarktung spiele da nur eine untergeordnete Rolle. „Generell sind die Tiere nicht gefährlich, man muss nur richtig mit ihnen umgehen. Ich nehme Schulklassen mit auf unsere Weiden, da sind auch Bullen dabei und das ist kein Problem“, sagt Wichmann. Er hält es durchaus für möglich, aufgebrachte Tiere einzufangen. „Es hätte sicher eine elegantere Lösung gegeben, als die Tiere einfach nur abzuknallen“, so der Robustrinder-Experte aus Heidgraben.
Zum Kommentar
Urteil in Hamburg

Tote Yagmur: Lebenslange Haft für Mutter

Meinung – dpa/shz.de
Das Hamburger Landgericht hat die Mutter der zu Tode misshandelten kleinen Yagmur am Dienstag wegen Mordes zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Das Landgericht stellte nicht die besondere Schwere der Schuld fest, die die Staatsanwaltschaft gefordert hatte. Damit kann die 27-Jährige auf eine vorzeitige Entlassung nach 15 Jahren hoffen. Den Vater der Dreijährigen sprach das Landgericht wegen Körperverletzung mit Todesfolge durch Unterlassen schuldig. Er soll für vier Jahre und sechs Monate ins Gefängnis.

Das dreijährige Mädchen starb am 18. Dezember vergangenen Jahres in Hamburg-Billstedt in der Wohnung ihrer Eltern – an schweren inneren Blutungen. Ihre Leber war gerissen. Bei der Obduktion entdeckten die Ermittler Schminke an Yagmurs Leiche. Ihre Mutter habe damit die Spuren der Schläge verdecken wollen, so die Überzeugung der Ermittler. „Dieses Kind hat immer wieder erhebliche Schmerzen davongetragen und sehr, sehr gelitten“, berichtete Rechtsmediziner Klaus Püschel Anfang Juli vor dem Gericht. Zum Schluss sei die Dreijährige „einfach zusammengebrochen“.

Das Verfahren sei für das Gericht stärker als andere Prozesse bedrückend und belastend gewesen, sagte der Vorsitzende Richter Joachim Bülter. „Dies vor allem angesichts des Ausmaßes, in dem Yagmur gelitten hat.“ Er ging auch auf einen Bericht der Jugendhilfe ein, in dem zahlreiche Fehlentscheidungen und Nachlässigkeiten der Behörden aufgelistet sind. Die Summe der Unzulänglichkeiten hätten dazu geführt, dass die kleine Yagmur nur drei Jahre und zwei Monate alt geworden sei. Das sei beschämend.

Bereits im Januar 2013 war Yagmur wegen einer lebensgefährlichen Schädelverletzung im Krankenhaus behandelt worden. Ein Rechtsmediziner erstattete Strafanzeige wegen des Verdachts auf Kindesmisshandlung. Weil sich die Pflegemutter selbst bezichtigte, kam Yagmur gut vier Monate vor ihrem Tod wieder in die Obhut ihrer leiblichen Eltern. Im November 2013 hatte die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen eingestellt, weil nicht geklärt werden konnte, wer der Täter ist.

Der Fall sorgte in ganz Deutschland für Entsetzen. Nicht nur wegen des grausamen Todes, sondern auch weil die zuständigen Jugendämter die Gefahr für Yagmur übersahen. Neben dem Prozess gegen die Eltern klärt ein Parlamentarischer Untersuchungsausschuss der Hamburger Bürgerschaft die Frage, wieso das Kind überhaupt wieder in die Obhut der Eltern kommen konnte – trotz Hinweisen auf Misshandlungen. Drei Jugendämter waren für die Betreuung des Kindes seit dessen Geburt zuständig.  

Eine Mutter, die ihr Kind so abgrundtief hasst, dass sie es schließlich zu Tode prügelt: So erklärte sich die Hamburger Staatsanwaltschaft Yagmurs Tod. Sie hatte eine lebenslange Gefängnisstrafe für Mutter Melek Y. gefordert - wegen „Mordes aus Grausamkeit“. Für Yagmurs Vater hatte die Anklage auf sechs Jahre Haft wegen Körperverletzung mit Todesfolge durch Unterlassen plädiert.

Die Verteidigerin der Mutter hatte um eine „milde Strafe“ gebeten, die sie ins Ermessen des Gerichts stellte. Nicht Melek, sondern Hüseyin Y. habe Yagmur misshandelt. Ihre Mandantin habe dagegen allerdings zu wenig unternommen. Der Verteidiger des Vaters hatte auf eine Bewährungsstrafe für seinen Mandanten plädiert. Die Gewaltausbrüche der Mutter gegenüber Yagmur habe dieser nicht bemerkt. „Der Vater ist durch den Tod seines Kindes ausreichend bestraft.“

Der Prozess begann Mitte Juni. Die beiden Angeklagten schwiegen vor Gericht. Nur vergangene Woche, nachdem die Plädoyers verlesen wurden, äußerte sich der Vater erstmals. Unter Tränen sagte Hüseyin Y., er habe seiner Tochter nie Gewalt zugefügt: „Ich habe Yagmur geliebt.“ Weiter sagte er: „Ich hätte für meine Tochter da sein sollen.“ Die Mutter verzichtete auf ihr letztes Wort.

Oft ging es sehr emotional zu im Zeugenstand. Es wurde geweint und gepöbelt. Belastet wurde vor allem Yagmurs Mutter. Zwei Freundinnen beschrieben die 27-Jährige beispielsweise als hinterhältig und rabiat. Yagmurs Vater wurde von einem Zeugen als jemand beschrieben, der „keiner Fliege was tut“.
Zum Kommentar
Prozessauftakt Hamburg

Tod durch Methadon: Chantals Pflegeeltern weisen Vorwürfe zurück

Meinung – Claudia Thaler, dpa
Im Blitzlichtgewitter der Fotografen verdeckt Sylvia L. ihr Gesicht mit einem grauen Kapuzenpulli und einem rosa Schal. Neben ihr sitzt regungslos ihr Ex-Partner Wolfgang A., der seine schwarze Kappe tief ins Gesicht zieht und sich hinter einem Notizblock versteckt. Beide waren drogenabhängig und bekamen Methadon als Ersatzdroge. Jetzt sind sie angeklagt, ihr Pflegekind, die elfjährige Chantal, vor knapp drei Jahren vernachlässigt zu haben. Mit fatalen Folgen: Chantal starb am 16. Januar 2012 an einer Überdosis Methadon.

Am ersten Tag des Prozesses gegen die Pflegeeltern am Montag prallen vor dem Hamburger Landgericht zwei Wahrheiten aufeinander: Die Staatsanwaltschaft glaubt an fahrlässige Tötung und Verletzung der Fürsorge- und Erziehungspflicht, die Verteidigung an einen tragischen Unfall. „Es tut weh, sie verloren zu haben“, sagt die Pflegemutter Sylvia L. in ihrer Erklärung und wischt sich Tränen aus dem Gesicht. Am Rande der Verhandlung hofft der Anwalt sogar auf einen Freispruch für die Angeklagten, denn der Tod der Elfjährigen werfe Fragen auf.

Am 15. Januar 2012 bekommt Chantal nach dem Abendessen Magenkrämpfe, im Laufe des Abends geht es ihr immer schlechter. Später rät die abwesende Mutter dem Kind per Telefon, ein Medikament gegen Übelkeit zu nehmen - das soll die Elfjährige mit dem für sie tödlichen Methadon verwechselt haben. Am nächsten Morgen ist dem Mädchen noch immer übel und es will nicht in die Schule gehen. Der 54-jährige Pflegevater lässt das kranke Kind alleine in der Wohnung zurück. Am Nachmittag findet die Pflegemutter Chantal tot in ihrem Bett.

Die Pflegeeltern hätten sich nicht ausreichend um ihr Kind gekümmert, sagt die Anklage. Wolfgang A. erklärt am ersten Prozesstag, er habe einfach „den Ernst der Lage nicht erkannt“ und sei „zu keiner Zeit von Lebensgefahr ausgegangen“.

Chantal wuchs in zerrütteten Verhältnissen auf, die leibliche Mutter und der Vater waren drogenabhängig und als Eltern überfordert. Mit Einverständnis der Mutter und des Jugendamtes wurde das Mädchen 2008 in der befreundeten Familie in Hamburg-Wilhelmsburg aufgenommen, es teilte Zimmer und Bett mit der Enkelin der Angeklagten, die ebenfalls in ihrer Obhut war, sowie mit den beiden leiblichen Kindern der Pflegeeltern. Chantal fügt sich laut Verteidigung gut in die Pflegefamilie ein, nennt Sylvia L. „Mama“. Für die 50-Jährige ist das Mädchen „eine Bereicherung für die Familie“.

Von „verwahrlosten Verhältnissen“ spricht Staatsanwalt Florian Kirstein, als „höchstens manchmal etwas unordentlich“ bezeichnet hingegen der Verteidiger von Sylvia L., Thomas Lipinski, die Zustände in der Wohnung. Waffen und Opiate sollen in einer Klappbox aufbewahrt worden sein, sagt die Anklage. Die Verteidigung streitet das ab. Außerdem habe das Jugendamt von der Drogenvergangenheit der beiden Angeklagten gewusst und trotzdem das Mädchen in deren Obhut gegeben. Wie das Mädchen Zugang zu dem für sie tödlichen Methadon bekam, will das Gericht nun klären.

Bis zum 19. Dezember sind sechs weitere Verhandlungstage angesetzt. Den Angeklagten drohen bis zu fünf Jahren Haft.
Zum Kommentar
SH-Planungsfehler

Autozug nach Sylt: Freie Bahn für US-Firma

Meinung – Pierre Boom, Friederike Reußner
Beim Kampf um die Übernahme des rentablen Syltshuttles zeichnet sich eine Entscheidung ab. Das US-Bahnunternehmen Railroad Development Corporation (RDC) wird nach Informationen der Sylter Rundschau den Zuschlag für den Betrieb des Autozugs zwischen Niebüll und der Insel Sylt ab Ende 2015 für zehn Jahre erhalten. Sowohl das Land Schleswig-Holstein als auch der derzeitige Betreiber, der DB Fernverkehr, sind damit aus dem Rennen.

Henry Posner III, Gründer und Chef der Investmentfirma RDC, sieht die Chancen für eine Einigung als „extrem wahrscheinlich“ an. „Aufgrund der aktuellen Gegebenheiten sind wir die Nummer Eins“, sagt RDC-Deutschland-Generaldirektor Hans Leister. In der vergangenen Woche endete das Koordinierungsverfahren, die erste Phase nach Einreichung der Trassenanmeldungen für die Strecke Niebüll-Westerland.

Bei den Verhandlungen mit der DB Netz AG hat Schleswig-Holstein zwar neben RDC und dem DB Fernverkehr am Verhandlungstisch gesessen, aber nach Informationen der Sylter Rundschau kein Mitspracherecht mehr gehabt. Der Vorschlag des Landes, die Autozugstrecke von Niebüll bis ins etwa fünf Kilometer entfernte Lindholm zu verlängern, um somit höhere Trassenentgelte – das wichtigste Vergabekriterium – zu erreichen, ist fehlgeschlagen. Die Idee hat nicht funktioniert, da es an den Gleisen in Lindholm gar keine Verladeanlagen gibt. Die aber sind zwingende Voraussetzung für einen Zuschlag.

Entscheidend für eine endgültige Einigung werden die Erlöse sein, die der neue Betreiber an DB Netz überweist. RDC plant, pro Kilometer einen deutlich höheren Tarif zu zahlen als die Deutsche Bahn. Insgesamt will sich das Unternehmen die Strecke etwa 5,5 Millionen Euro pro Jahr kosten lassen. „Das ist deutlich mehr, als die Bahn zahlen kann oder will“, sagte Leister. Zudem will das Unternehmen, das in Deutschland den Hamburg-Köln-Express betreibt, den Autozug in der Zeit von 5 bis 22 Uhr durchgehend halbstündlich fahren lassen. Das brächte jährlich 21.000 Abfahrten – 50 Prozent mehr als die Bahn derzeit anbietet.

Das aber führt zu einem weiteren Konfliktpunkt: Durch eine erhöhte Zahl an Autozug-Verbindungen könnte es schwierig werden, die IC-Verbindungen, die unter anderem von Köln oder Stuttgart direkt nach Sylt fahren, in den Fahrplan einzufügen. Zudem ist fraglich, ob die Bahn bei Verlust des Syltshuttles überhaupt noch ein Interesse hat, Intercityverbindungen auf die Insel anzubieten. Ein Ende der Intercityverbindungen hätte nicht nur Auswirkungen für Sylt, sondern auch für den Tourismus auf den Nachbarinseln Föhr und Amrum: Etliche Intercitys aus dem Süden werden in Niebüll geteilt, einige Wagen fahren weiter nach Dagebüll.
Zum Kommentar
Bergungskonzept

Rostige Atommüllfässer in Brunsbüttel: So geht es weiter

Meinung – shz.de
Die aktuelle Bilanz von Vattenfall: 630 Fässer lagern in Brunsbüttel in sechs unterirdischen Kavernen, 573 Fässer wurden inspiziert, 154 von ihnen sind beschädigt. Ein Bergungskonzept ist in Arbeit, doch das muss noch aktualisiert und dann von der Atombehörde genehmigt werden. Laut dem Kieler Umweltministerium sieht es bisher folgende Punkte vor:

1. Untersuchung der Mol-Fässer

Vor Beginn der eigentlichen Bergung werden schon in den kommenden Tagen die sogenannten Mol-Fässer aus der Kaverne V entnommen. Die 21 stählernen Rollreifenfässer enthalten getrocknete Schlämme aus der belgischen kerntechnischen Anlage Mol - was genau, weiß gerade niemand. Die genauen Inhaltsstoffe werden dann von Januar bis März 2015 im Institut für Radiochemie der Universität München analysiert. Anders als die anderen Fässer in Brunsbüttel sind die Mol-Fässer von innen betoniert. Sie weisen laut Umweltministerium "nur geringfügige Korrosionserscheinungen auf" und werden durch einen Spediteur nach München transportiert.

Der Abfall in den Fässern sollte vor gut 30 Jahren im belgischen Mol endlagergerecht verpackt werden. Danach enthielten die Behälter allerdings auch Rückstände aus anderen belgischen Kernkraftwerken und wurden falsch deklariert - das war vertragswidrig und entwickelte sich zu einem Skandal. Die Bundesregierung entschied: Die Abfälle sollten bei den Kernkraftswerksbetreibern eingelagert werden, die Abfälle nach Mol geliefert hatten. Darunter: Brunsbüttel.

2. Die Unversehrten zuerst

Bei der Bergung sollen die Fässer aus den Kavernen I bis IV geborgen und endlagergerecht verpackt - im Fachjargon sagt man konditioniert - werden. Dann können sie in den Zwischenlagerhallen für schwach- bis mittleradioaktive Abfälle gelagert werden. Die Fässer mit den schwersten Beschädigungen werden zuletzt geborgen und neu konditioniert.

3. Sicherheitsvorkehrungen

Viel ist über das Bergungskonzept noch nicht bekannt, da es noch abgestimmt werden muss. Eins steht jedoch fest: Für die Bergung sollen besondere Strahlenschutzvorrichtungen errichtet werden - sogenannten lüftungstechnische Einhausungen. Sie sollen verhindern, das Radioaktivität freigesetzt wird, und das Personal schützen. Je nach Schadenskategorie der Fässer müssen unterschiedliche, spezielle Greifwerkzeuge zum Einsatz kommen, um die Behälter aus den Kavernen zu holen.

4. Das Problem mit den Mulden

Kaverne VI öffnete Vattenfall bei der Kontrolle der Atommüllfässer zuletzt - und stieß hier auf ein Problem. Ein Teil der 221 Fässer mit Verdampfer- und Filterkonzentraten befindet sich in Stahlmulden, nach oben hin offenen Containern. Diese Container stehen übereinander - und das machte die Untersuchung über eine Kamera unmöglich. Zuerst müssen also die Fässer aus den oberen Mulden geborgen, dann die Mulden entfernt werden - erst dann ist der Blick auf die unteren Container frei. Der Zustand von 57 Fässern ist also noch unbekannt - genauso wie ihr Inhalt. Die Kaverne wurde für die Inspektion zum ersten Mal nach 32 Jahren geöffnet. Die Betreibergesellschaft muss nun das Inspektions- und Bergekonzept um ein Verfahren zur Bergung der Mulden und der Fässer ergänzen.
Zum Kommentar
Kieler Steuerstreit

Augenarzt Uthoff schuldet dem Land 29 Millionen

Meinung – kim
Die Luft für den Kieler Augenarzt Detlef Uthoff wird dünner. „Die Steuerforderungen des Landes Schleswig-Holstein gegenüber Herrn Uthoff belaufen sich auf annähernd 30 Millionen Euro“, teilte Insolvenzverwalter Klaus Pannen mit. Damit bestätigen sich Meldungen des NDR, wonach Uthoffs Schulden mit annähernd 100 Millionen Euro deutlich höher sind, als bislang angenommen.

Zu den bekannten Forderungen der Stadt Kiel, die sich auf 7,8 Millionen Euro belaufen, kommen laut Pannen „offene, aber noch immer strittige Forderungen des Finanzamtes Kiel-Nord in Höhe von bis zu 29 Millionen Euro hinzu“. Der Großteil der Verbindlichkeiten stammt aus Spekulationsgeschäften des Augenarztes Ende der 90er Jahre. Damals musste der auf großem Fuße lebende Uthoff die Mundsburg– drei Hochhäuser mit Büros und Wohnungen–, die er in Hamburg gekauft hatte, unter Druck und damit unter Wert abgeben, weil er Bankkredite nicht mehr bedienen konnte. Dabei sind Gewerbesteuerschulden bei der Stadt Kiel in Höhe von 4,21 Millionen Euro entstanden, die sich im Laufe der Jahre durch Zinsen und Säumniszuschlägen auf 7,8 Millionen erhöhten. Gleichzeitig machte das Finanzamt Kiel Einkommenssteuerforderungen geltend, über die seitdem vor Gericht gestritten wird.

Zu den Gläubigern, die seit Eröffnung des Insolvenzverfahrens Anfang November im Gläubigerausschuss die Rangfolge von Ansprüchen und Quoten ausloten, sitzen neben Stadt und Land auch die Arbeitsagentur. Sie zahlte – wie berichtet – für drei Monate Löhne und Gehälter von 160 Uthoff-Mitarbeitern in der Augenklinik Bellvue (1,2 Millionen Euro). Vertreten ist dort auch die Familie Uthoff selbst. Uthoffs Ehefrau ist nämlich Mehrheitsgesellschafterin in der DSU-GmbH. In der Finanzkrise Mitte der 80er Jahre verkauften die Banken ihr die Schuldscheine ihres Gatten zum Ramschpreis. Uthoffs Frau hat die Schulden jetz wieder zum Nominalwert in den Büchern. Dabei handelt es sich wie Pannen bestätigte um die stattliche Summe von 56 Millionen Euro, die die DSU jetzt im Gläubigerausschuss geltend macht.

Am 15. Januar wird das Insovenzgericht nun entscheiden, ob über den Steuer-Fall Uthoff nicht nur Kiels Oberbürgermeisterin Sussanne Gaschke stolperte, sondern auch die 160 Mitarbeiter der Augenklinik ihren Job verlieren. Gaschke - das räumt Pannen ein- habe damals mit dem umstritten und von der Komunalaufsicht kassierten Steuerdeal „wirtschaftlich einen ganz vernünfigen Kompromiss ausgehandelt. Soviel Geld wird die Stadt jetzt auf keinen Fall wiedersehen“.

Experten gehen schon seit Wochen davon aus, dass die Gläubiger nur ein Viertel ihrer Forderungen bei dem Pleitier eintreiben können. Gaschke hatte sich mit Uhtoff auf gut die Hälfte geeinigt.
Zum Kommentar
Freiwillige Feuerwehr Ahrensfelde

Ahrensburg: Brandstifter sind Feuerwehrmänner

Meinung – Peter Wüst, dpa
Die seit Herbst 2013 anhaltende Serie von Brandstiftungen in Ahrensfelde (Kreis Stormarn) ist aufgeklärt. Alle sechs mutmaßlichen Täter sitzen seit Freitagnachmittag in Untersuchungshaft. Am Donnerstag hatte die Polizei mitgeteilt, dass die eigens für die Ahrensfelder Brandserie eingerichtete Ermittlungsgruppe in dieser Woche sechs junge Männer festgenommen hat.

„Die Ermittlungen sind aber noch nicht abgeschlossen“, sagte Staatsanwalt Dirk Hartmann. Die aufgeklärten Taten seien möglicherweise nur die Spitze des Eisbergs. Demnach also nicht geklärt ist die hohe Anzahl von Brandstiftungen direkt in Ahrensburg. Hier brannten seit dem vergangenen Jahr massenweise, Papiercontainer, Kleidercontainer, Holzschuppen, Gartenlauben, Carports und Autos ab. Hier werde weiter ermittelt.

Vier der sechs Männer sind Angehörige der Feuerwehr Ahrensfelde. Zwei der mutmaßlichen Brandstifter sind 19 Jahre ,einer zwanzig und ein weiterer 21 Jahre alt. Ihnen werden mindestens zehn Brandstiftungen in Ahrensfelde zur Last gelegt. Weitere vier Brandstiftungen gaben sie aus Angst vor Entdeckung an zwei 17 und 20 Jahre alte Bekannte in Auftrag, und bezahlten diese dafür mit Geld. Die beiden Männer waren bereits Anfang Dezember festgenommen worden.

„Die Feuerwehrleute standen schon seit einiger Zeit unter Beobachtung. Sie hatten unter anderem falsche Angaben gemacht und sich vor Ort auffällig verhalten. Als sie das mitbekamen, ließen sie ihre Bekannten Brände legen, um den Verdacht von sich abzulenken“, sagte der Leiter der Kriminalpolizei Ahrensburg, Ralf Lorenzen. In seiner Dienststelle war bereits im September 2014 die Ermittlungsgruppe „Florian“ eingerichtet worden.

Juristisch sei es egal, ob jemand eine Tat selbst begeht oder dazu anstiftet, sagte Staatsanwalt Dirk Hartmann. In diesen Fällen sei die Anstiftung jedoch fast krimineller als die eigentliche Brandstiftung, da die Auftraggeber ihre Bekannten vorschickten, um von sich selbst abzulenken.

Bei den zehn Brandstiftungen, die den Festgenommenen zur Last gelegt werden, ist nach Angaben der Polizei ein Schaden von rund 140.000 Euro entstanden.

Bei den Beschuldigten fanden die Ermittler Böller und andere Feuerwerkskörper, Benzin für Modelflugzeuge, mehrere Sprechfunkgeräte, Funkscanner zum Abhören der Feuerwehr sowie Zeitungsartikel über die Brände. „Als Motiv für die Taten vermuten wir Geltungsucht. Dadurch, dass die Feuerwehrmänner immer früh an den Brandorten waren, wollten sie wohl die Anerkennung ihrer Kameraden erlangen“, sagte der stellvertretende Leiter der Polizeidirektion Ratzeburg, Holger Meincke, am Freitag.

Der Landesfeuerwehrverband zeigt sich bestürzt darüber, dass die Täter offenbar aus den eignen Reihen kommen. „Die Freiwilligen Feuerwehren des Landes Schleswig-Holstein mit ihren knapp 50.000 Mitgliedern distanzieren sich von derartigen Fehlverhalten ihrer Kameraden aufs Schärfste“, sagt Holger Bauer. Es handele sich um „schwarze Schafe“. Feuerwehren seien ein Spiegel der Gesellschaft und solche Fälle seien daher nicht auszuschließen. „Jährlich werden in Deutschland etwa ein Dutzend Fälle bekannt, bei denen ein Feuerwehrmann oder eine Feuerwehrfrau Brandstifter war. Dies entspricht etwa 0,3 Promille aller Brandstiftungen.“ Dennoch: Der Imageverlust für die Feuerwehren sei immens. Holger Bauer: „Die Wehrführungen nehmen die jüngsten Vorkommnisse zum Anlass, diese Thematik mit ihren Mitgliedern im Sinne der Prävention aufzuarbeiten.“ Die Tatverdächtigen seien sofort vom Dienst suspendiert worden, teilte der Verband mit.

Zuletzt hatten Ende November rund 300 Strohballen auf einem Feld bei Hammoor, ein Carport in Ahrensburg, sowie eine Mülltonne und ein Papiercontainer in Großhansdorf gebrannt. Insgesamt sind in Ahrensburg und Umgebung seit Oktober 2013 etwa 20 Autos, mehrere Carports und Scheunen, Tausende Strohballen und unzählige Papiertonnen und Container in Flammen aufgegangen. Die Polizei schätzt den Gesamtschaden der über 100 Brandstiftungen auf 3,6 Millionen Euro.
Zum Kommentar
Unfall auf Rader Hochbrücke

Geisterfahrer auf A7: Tod nach 1000 Metern

Meinung – shz.de/dpa/Kröger
Bei einem schweren Verkehrsunfall auf der Rader Hochbrücke ist am Samstagmorgen ein 74-jähriger Autofahrer aus dem Kreis Rendsburg-Eckernförde ums Leben gekommen. Die Polizei geht davon aus, dass er als Geisterfahrer unterwegs war und an der Auffahrt Büdelsdorf in der falschen Richtung auf die Fahrbahn Richtung Norden auffuhr. Nach rund 1000 Metern Falschfahrt prallte er auf ein anderes Auto. Die 33-jährige Fahrerin aus Kiel wurde dabei schwer verletzt.

Der Kleinwagen des Geisterfahrers wurde bei dem Unfall komplett zertrümmert, der Mann im Wrack eingeklemmt. Der Notarzt konnte nur noch seinen Tod feststellen. Die Feuerwehr Rendsburg mußte den tödlich Verunglückten mit hydraulischem Gerät aus den Trümmern bergen. Die 33-Jährige wurde in eine Klinik gebracht. Die beiden am Unfall beteiligten Fahrzeuge wurden abgeschleppt. Die genaue Unfallursache ermittele ein Sachverständiger, berichtet die Polizei.

Die A7 war am Morgen in beide Richtungen mehr als zwei Stunden voll gesperrt, der Verkehr wurde umgeleitet. Im Raum Rendsburg/Büdelsdorf kam es auf der Umgehungsstrecke zu erheblichen Behinderungen und langen Staus.

Der Unfall ereignete sich um 7.30 Uhr bei Rendsburg in nördlicher Richtung, die südliche Strecke wurde wegen Sturmböen um 8.30 Uhr ebenfalls gesperrt. Die Sperrung wegen des Sturms wurde um 10 Uhr wieder aufgehoben, der Verkehr in Richtung Süden fließt wieder störungsfrei. In Richtung Norden ist die A7 seit mittags Uhr wieder frei. Die Unwetterwarnung des Deutschen Wetterdienstes wegen Sturm- und Orkanböen wurde gegen 15 Uhr wieder aufgehoben.

Blaulichtmonitor
Zum Kommentar
Dauerregen in SH

Schlimmstes Hochwasser seit Jahrzehnten

Meinung – dpa/shz.de
Die Wasserstände in den überschwemmten Gebieten von Hamburg und Schleswig-Holstein sind am Freitag weiter zurückgegangen. Die Bilanz aber zeigt: Derart schlimme Überschwemmungen gab es lange nicht in Schleswig-Holstein. „Die Situation war sehr außergewöhnlich“, sagte Florian Gottschalk vom THW in Norderstedt. Zwar gebe es gelegentlich regionale Überschwemmungen, aber dass flächendeckend fast alle kleineren Flüsse in Schleswig-Holstein Hochwasser führen und auf Dämme und Deiche drücken, sei sehr selten. Anwohner der Schmalfelder Au berichteten laut Feuerwehr, es sei das schlimmste Hochwasser seit 50 Jahren gewesen.

Die Pegelstände von Krückau, Pinnau und Stör hatten in den vergangenen Tagen die höchsten dort je gemessenen Werte erreicht. Die Treene führte so viel Wasser wie statistisch gesehen nur alle 200 Jahre. Gefährdet waren auch die Anwohner des Alsterlaufs, entlang der Ammersbek, der Susebek und der oberen Bille. In Wrist drohte das Wasser des Flüsschens Bramau eine Gasverteilerstation zu überfluten.

Besondes betroffen war Kellinghusen (Kreis Steinburg). Dort beendete die Feuerwehr ihre Einsätze inzwischen, teilte ein Sprecher der Feuerwehrleitstelle mit. In Wrist (Kreis Steinburg) müsse noch eine Fläche von 300 Hektar freigepumpt werden. Die meisten Rettungskräfte von Feuerwehr und Technischem Hilfswerk (THW) konnten ihre Ausrüstung wieder einpacken. Nur vereinzelt mussten noch Keller leergepumpt oder mit Sandsäcken gesichert werden.

In Kellinghusen waren am frühen Freitagmorgen noch viele Straßen überschwemmt und nicht befahrbar, sagte ein Sprecher der Feuerwehr. Vorsorglich seien deshalb zwei geländefähige Krankenwagen in den Ort gebracht worden, um die medizinische Versorgung der Bevölkerung gewährleisten zu können.

Der Kreisfeuerwehrverband Segeberg zog am Nachmittag des zweiten Weihnachtstages folgende Bilanz: Im Bereich der Integrierten Leitstelle Holstein habe es rund 130 wetterbedingte Einsätze gegeben, davon dauerten einige länger als 48 Stunden.

In Hamburg waren die Einsatzkräfte vor allem in den Norden der Hansestadt ausgerückt, um in Stadtteilen wie Duvenstedt, Ohlstedt und Lemsahl-Mellingstedt Häuser und Grundstücke gegen die Alsterfluten zu schützen. Nach Angaben der Feuerwehr wurden mehr als 3000 Sandsäcke verbaut, rund 140 Helfer waren im Einsatz. Die offizielle Hochwasserwarnung der Innenbehörde wurde am Freitag wieder zurückgenommen.



 3959582031001

Nach dem Regen setzt nun eine Kaltwetterperiode ein. Am Freitag gab es in Schleswig-Holstein vielerorts Frost, es schneite auch, sowohl im Norden wie in Flensburg als auch im Süden wien in Ahrensburg. Für die kommenden Tage werden Temperaturen um null Grad, nachts meist Frost, vorhergesagt. Auf den Feldern und Wiesen Schleswig-Holsteins stehen nun große Wasserflächen, die bei einem Frosteinbruch gefrieren könnten. Das würde neue Probleme nach sich ziehen, sagte Florian Gottschalk vom THW.





Blaulichtmonitor











Zum Kommentar

30. Oktober: Traumschiff „Deutschland” ist pleite Die Eigentümergemeinschaft stellt für das berühmte Kreuzfahrtschiff „MS Deutschland” Insolvenzantrag. Vorausgegangen waren Jahre voller Pech und Pannen der einst vom Unternehmer Peter Deilmann aus Neustadt in Holstein in Auftrag gegebenen „Deutschland”. Der Insolvenzverwalter findet bis Mitte Dezember keinen Käufer, eine geplante Weltreise wird abgesagt. Das ZDF dreht unterdessen weitere Traumschiff-Folgen - allerdings zunächst die Landszenen ohne das Schiff.MS „Deutschland“: Von Fuchsis Traumschiff zum Pleite-Alptraum 1. November: Hamburg kauft „Rote Flora“ Das autonome Kulturzentrum „Rote Flora“ im Hamburger Schanzenviertel ist wieder im Besitz der Stadt. Die Johann-Daniel-Lawaetz-Stiftung hat Grundstück und Immobilie als Treuhänderin für 820.000 Euro gekauft. Zuletzt gehörte die Flora dem Immobilienunternehmer Klausmartin Kretschmer, der jedoch Insolvenz anmelden musste. Er versetze die linksautonome Szene mit Umbauplänen und Räumungsandrohungen immer wieder in Aufruhr. Kretschmer hatte die „Rote Flora“ 2001 für umgerechnet 190.000 Euro von der Stadt gekauft.Rote Flora: Anstiftung zur Brandstiftung?  8. November: Dithmarscher scheitern an Erfindung der Grill-SaunaAufsehen erregendes Unglück in Heide: Mithilfe eines Holzkohlegrills wollen Menschen in Heide ein Badezimmer zur Sauna machen. Das geht grundlich schief. Zehn müssen wegen Rauchvergiftung ins Krankenhaus, darunter sechs Kinder. „Dumm und unverständlich“, kommentiert ein Sprecher der Feuerwehr.Grill sollte aus Badezimmer eine Sauna machen 8. November: Zwei Tote bei Unfall mit McLaren-SportwagenBei einer Verkaufsveranstaltung in Norderstedt steigt ein Junge in einen knallgelben Sportwagen. Der 26 Jahre alte Fahrer kann das Auto nicht unter Kontrolle halten und fährt in einen Wagen im Gegenverkehr. Beide Fahrer sterben, der Junge ist traumatisiert.Unfall mit Sportwagen: Zwei Tote, ein Junge verletzt 12. November: Weiterer Stellenabbau bei der HSH Nordbank„Wir gehen davon aus, dass in den nächsten drei Jahren rund ein Fünftel der Arbeitsplätze abgebaut werden muss, also rund 500 von 2600 Vollzeitstellen“, sagt der Vorstandsvorsitzende Constantin von Oesterreich. Die Bank hat bereits viele Arbeitsplätze eingebüßt. Vor der Finanzkrise beschäftigte sie rund 5000 Mitarbeiter, einschließlich Teilzeitbeschäftigten, heute noch rund 3000.HSH Nordbank streicht 500 Stellen 12. November: Yachthalle in Neustadt brennt nieder3887436888001In Neustadt in Holstein geht eine Ausstellungshalle mit 40 neuen Yachten in Flammen auf. Die Boote und die Halle werden komplett zerstört. Der Schaden beträgt 30 Millionen Euro. Die Yachten gehörten Händlern und sollten verkauft werden. Die Ermittler gehen von Brandstiftung aus.Feuer in Yacht-Halle - Schaden in Millionenhöhe 17. November: Todesfalle B5Bereits der achte tödliche Unfall des Jahres auf der B5: Bei Schmedeswurth im Kreis Dithmarschen kommt ein 27 Jahre alter Mazda-Fahrer ums Leben, als er in einen Lkw im Gegenverkehr prallt. Auf der Bundesstraße, die durch Nordfriesland und Dithmarschen führt und wichtigste Verkehrsverbindung an der Westküste nördlich von Heide ist, kommt es immer wieder zu tödlichen Unfällen.Todesfalle B5: Seit April starben acht Menschen 18. November: Doppelmord im Stall in HaaleFeuerwehrleute finden die Leichen von zwei Frauen bei Löscharbeiten in einem Stall in Halle zwischen Rendsburg und Hohenwestedt. Die 83-Jährige und ihre 57 Jahre alte Tochter betrieben in dem kleinen Dorf einen heruntergekommenen Gnadenhof für Pferde. Der Täter legte einen Brand im Stall, den die Feuerwehr aber schnell löschen kann. Die Staatsanwaltschaft setzt 5000 Euro Belohnung für Hinweise zur Aufklärung des Gewaltverbrechens aus. Kurz darauf wird ein 28-Jähriger verhaftet. Die Frauen sollen Kunden bei dem Automechaniker gewesen sein.Zwei tote Frauen nach Brand in Pferdestall entdeckt 19. November: Carsten Rodbertus endgültig raus bei Prokon Die Auseinandersetzungen des Insolvenzverwalters Dietmar Penzlin mit dem früheren geschäftsführenden Gesellschafter und Gründer Carsten Rodbertus werden außergerichtlich beigelegt. Eine Schadenersatzklage gegen Rodbertus kann mangels Vermögen nicht erhoben werden. Der selbsernannte Öko-Pionier, der 75.000 Anleger dazu brachte, 1,4 Milliarden Euro in Prokon-Genussrechte zu investieren, zieht sich als Gesellschafter und Geschäftsführer zurück. Zudem darf er „künftig in keiner Form mehr in Sachen Prokon tätig werden oder öffentliche Erklärungen abgeben“.Endgültig: Prokon ohne Rodbertus 20. November: Tod einer Rinderherde in Bokholt-HanredderDer amtlich angeordnete Abschuss einer Rinderherde im Kreis Pinneberg sorgt für Aufsehen und Proteste. Das Ordnungsamt begründet die Tötung der 21 Tiere durch einen Jäger damit, dass die Herde verwildert und nicht mehr zu bändigen gewesen sei. Es habe die Gefahr bestanden, dass die Galloway-Rinder auf die A23 laufen.Rinderherde abgeschossen: „Ein Bild des Grauens“ 25. November: Hohe Haftstrafen im Yagmur-ProzessDie 27-jährige Mutter wird zu einer lebenslangen Haftstrafe wegen Mordes, der Vater zu viereinhalb Jahren Haft wegen Körperverletzung mit Todesfolge durch Unterlassen. Die von der Staatsanwaltschaft beantragte „besondere Schwere der Schuld“ sieht das Gericht nicht. Ansonsten hätte die Täterin keine Chance gehabt, nach 15 Jahren wieder frei zu kommen. Die dreijährige Yagmur war kurz vor Weihnachten 2013 in der Wohnung ihrer Eltern an den Folgen schwerer Misshandlungen durch die Mutter gestorben. Der 26 Jahre alte Vater wusste nach Ansicht der Richter von den Misshandlungen, habe diese aber nicht gestoppt. Das Mädchen war von Geburt an von Jugendämtern betreut worden.Tote Yagmur: Lebenslange Haft für Mutter 1. Dezember: Pflegeeltern von Chantal vor GerichtFast drei Jahre nach dem Methadon-Tod der elfjährigen Chantal beginnt vor dem Landgericht Hamburg der Prozess gegen die Pflegeeltern. Die Anklage wirft dem 54-jährigen Mann und der vier Jahre jüngeren Frau aus Hamburg-Wilhelmsburg fahrlässige Tötung und Verletzung der Fürsorge- und Erziehungspflicht vor. Chantal hatte am 15. Januar 2012 eine Tablette geschluckt. Sie glaubte offenbar, diese helfe gegen Übelkeit. Tatsächlich war es Methadon.Tod durch Methadon: Chantals Pflegeeltern weisen Vorwürfe zurück 4. Dezember: Sylt-Shuttle geht wohl an US-FirmaDie Railroad Development Corporation (RDC) wird für die zehn Jahre ab 2015 wohl den Zuschlag für den Betrieb des Autozugs nach Sylt erhalten. Bewerben wollen sich auch das Land Schleswig-Holstein und die Bahn. Das Land wird wegen eines Planungsfehlers allerdings nicht zum Zuge kommen. Die Bahn bietet für die Benutzung der Gleise deutlich weniger als RDC. Die Amerikaner versprechen durchgängig halbstündige Abfahrten von 5 bis 22 Uhr, aber keine niedrigeren Preise.Autozug nach Sylt: Freie Bahn für US-Firma  5. Dezember: Polizist erschießt Asylbewerber in HusumEin Mann aus Somalia bedroht zunächst Nachbarn in einem Haus mit einem Messer. Nachdem die Polizei eingetroffen ist, stürmt er auf die Straße und bedroht einen der Beamten. Der erschießt ihn. Die Staatsanwaltschaft geht von Notwehr aus.Polizist erschießt bewaffneten Mann in Husum 9. Dezember: Jedes vierte Atomfass in Brunsbüttel beschädigt154 der 573 bislang untersuchten Fässer mit radioaktiven Abfällen in den Kavernen seien erheblich beschädigt, zieht der Konzern Vattenfall vorläufige Bilanz. Messungen hätten aber keine gefährliche Radioaktivität gezeigt. Nun sollen die Fässer nach und nach geborgen werden. Dabei gibt es allerdings ein Problem: 57 Fässer konnten per  Kamera wegen der engen Lagerung in einem unterirdischen Betondepot noch nicht eingesehen werden.Rostige Atommüllfässer in Brunsbüttel: So geht es weiter 10. Dezember: Uthoff schuldet Land 29 Millionen Euro Die Steuerschulden des insolventen Augenarztes Detlef Uthoff sind deutlich größer als bekannt. Die Steuerschuld gegenüber dem Land beträgt fast 30 Millionen Euro bestätigt der Insolvenzverwalter. Insgesamt hat Uthoff Schulden von annähernd 100 Millionen Euro. 2013 wollte die damalige Kieler Oberbürgermeisterin Susanne Gaschke Uthoff einen Teil seiner Steuerschuld erlassen. Über die anschließende Diskussion war Gaschke gestürzt.Augenarzt Uthoff schuldet dem Land 29 Millionen 12. Dezember: Feuerwehrleute in Ahrensburg als mutmaßliche Brandstifter Die seit Herbst 2013 anhaltende Serie von Brandstiftungen in Ahrensfelde (Kreis Stormarn) ist aufgeklärt. Alle sechs mutmaßlichen Täter sitzen in Untersuchungshaft. Vier von ihnen sind Mitglieder der Feuerwehr Ahrensfelde, die anderen beiden sollen von ihnen angestiftet worden sein. Ahrensburg: Brandstifter sind Feuerwehrmänner20. Dezember: Geisterfahrer auf A7Am Samstagmorgen vor dem 4. Advent fährt ein 74-Jähriger in Büdelsdof auf die A7 - und nimmt die falsche Fahrbahn. Bei einer Kollision kurz darauf stirbt der Geisterfahrer, eine 33-Jährige aus Kiel wird schwer verletzt. Die Autobahn wird mehrere Stunden gesperrt.  Geisterfahrer auf A7: Tod nach 1000 Metern24. Dezember: Das Weihnachtshochwasser Es regnet in Schleswig-Holstein. An den Tagen vor Weihnachten. Am Heiligabend. Am ersten Weihnachtstag. Erst am 26. Dezember hört der Dauerregen auf. Keller laufen voll, Flüsse steigen über die Ufer, Wiesen werden zu Seenplatten.  Die Feuerwehr ist tagelang im Dauereinsatz. Pegelstände gehen weiter zurück(mit dpa)<div class="seperator-text seperator-text-over"><h3 class="text">Blaulichtmonitor</h3></div><a href="http://www.shz.de/blaulichtmonitor" title="zum Blaulichtmonitor"><img alt="" src="http://www.shz.de/img/incoming/origs8284801/6652539381-w1280-h960/blaulichtmonitor-635.gif" width="100%"/></a><br/><br/>