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Armutsbericht 2015 : Armes Hamburg – Immer mehr Bedürftige auch in Teilen von SH

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Sozialverbände und Gewerkschaften sind entsetzt: In keinem anderen Bundesland ist die Armut so sehr gestiegen wie im reichen Hamburg.

Trotz niedriger Arbeitslosigkeit und wachsender Wirtschaft ist Armut in Deutschland weiter verbreitet als je zuvor. Das jedenfalls stellt der Paritätische Gesamtverband in seinem jährlichen Armutsbericht fest. „Die Armut hat einen neuen Höchststand erreicht“, sagte Verbandschef Ulrich Schneider in Berlin. Demnach seien im Jahr 2013 rund 12,5 Millionen Menschen von Armut bedroht gewesen – das sind 15,5 Prozent der Bevölkerung und so viele wie nie, seit vor zwanzig Jahren erstmals die Zahlen erhoben wurden. Im Jahr 2012 waren 15,0 Prozent betroffen.

Besonders stark ist die Armutsquote im wohlhabenden Hamburg gestiegen – von 14,8 auf 16,9 Prozent. „Damit liegt Hamburg erstmals deutlich über dem Bundesschnitt“, sagte Schneider. Einen Grund für die Verschlechterung konnte er nicht nennen. „Wir sind da ratlos“, räumte er ein.

In Hamburg forderte der Chef des Paritätischen Landesverbands, Joachim Speicher, dass die Armutsbekämpfung bei den Koalitionsverhandlungen von SPD und Grünen Priorität haben müsse. „Der neue Senat wird auch daran gemessen werden, ob er die steigende Armut wieder verringern kann“, sagte er. Ein Sprecher des amtierenden Sozialsenators Detlef Scheele räumte ein, dass Erwerbslose, Alleinerziehende, kinderreiche Familien oder Migranten in Hamburg besonders von Armut betroffen seien. Allerdings habe der Senat zuletzt gegengesteuert: „Mit dem Ausbau der Kindertagesbetreuung, frühkindlichen Bildungsangeboten, Integrationsmaßnahmen für Migranten und den Jugendberufsagenturen haben wir gehandelt.“

Als armutsgefährdet gelten laut Statistik Haushalte, die weniger als 60 Prozent des mittleren verfügbaren Einkommens in Deutschland haben. Bei einem Single liegt die Schwelle demnach bei 892 Euro im Monat, bei einer vierköpfigen Familie bei 1873 Euro.

In Schleswig-Holstein erhöhte sich die Armut anders als beim Nachbarn Hamburg nur leicht von 13,8 auf 14,0 Prozent. Damit geht es dem nördlichsten Bundesland relativ gut. Denn noch geringer ist das Armutsrisiko nur beim Spitzenreiter Bayern mit 11,3 Prozent sowie in Baden-Württemberg und Hessen. Zu verdanken ist der Wohlstand im Norden allerdings vor allem dem blühenden Speckgürtel um Hamburg: Unter den 95 deutschen Regionen liegt er auf dem sechsten Platz, direkt hinter dem reichen München (siehe Tabelle).

Der Chef des Paritätischen Landesverbandes in Kiel, Günter Ernst-Basten, warnte daher auch vor einer zu optimistischen Sicht auf die Zahlen. „Besonders die Städte Kiel, Flensburg, Neumünster und Lübeck haben sehr hohe Armutsquoten“, sagte er. Sie seien mit denen im Ruhrgebiet oder im Osten vergleichbar. Auch ergebe sich aus der Hartz-IV-Statistik, dass der Anteil armutsgefährdeter Kinder in Schleswig-Holstein sogar etwas höher sei als im Bundesschnitt.

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erstellt am 19.Feb.2015 | 21:37 Uhr

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