Argentinien: Staatsanwalt erschossen aufgefunden

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Jurist untersuchte Bombenanschlag auf jüdisches Zentrum in Buenos Aires 1994 / Er klagte Staatspräsidentin Kirchner an

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19. Januar 2015, 15:21 Uhr

Ein argentinischer Staatsanwalt, der vor wenigen Tagen Anklage gegen Staatspräsidentin Cristina Fernández de Kirchner erhoben hatte, ist unter ungeklärten Umständen ums Leben gekommen. Alberto Nisman (Foto) untersuchte die Hintergründe des Attentats auf das jüdische Gemeindehaus Amia 1994 mit 85 Toten. Er wurde am Sonntagabend tot in seiner Wohnung in Buenos Aires aufgefunden. Nach Medienberichten lag er mit einer Schusswunde in der Badewanne. Neben ihm seien eine Waffe vom Kaliber 22 und eine Patronenhülse gefunden worden. Die Staatsanwaltschaft konnte noch nicht sagen, ob es sich um Selbstmord handelt oder Mord.

Nismann hatte Kirchner und Außenminister Héctor Timerman vergangene Woche vorgeworfen, sie hätten die Vorgänge um den Anschlag vom 18. Juli 1994 verschleiern wollen. Als Drahtzieher des Attentats auf das Zentrum werden hohe iranische Politiker vermutet. Kirchner und Timerman planten laut Nisman die Verfolgung von sieben verdächtigten Iranern einzustellen, um die wirtschaftlichen Beziehungen zu Teheran zu verbessern. Die Regierung hatte die Anklage als „lächerlich“ bezeichnet.

Gestern hatte Sonderstaatsanwalt Nisman seine Vorwürfe im Parlament erläutern wollen. Die Oppositionsabgeordnete Patricia Bullrich sagte, Nisman habe ihr noch am Wochenende gesagt, dass er bedroht worden sei.

Die Regierung Israels bekundete  „tiefe Trauer“ über Nismans Tod. Ein Außenamtssprecher bezeichnete Nisman als „mutigen Juristen“ und „furchtlosen Kämpfer für Gerechtigkeit“.

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