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Kampf um Präsidentschaft in den USA : Anti-Trump-Koalition: Ted Cruz und John Kasich verbünden sich

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Mit allen Mitteln wollen Teile der republikanischen Partei eine Kandidatur Donald Trumps verhindern. Nun tun sich seine verbliebenen Konkurrenten zusammen, zumindest für ein paar Vorwahlen.

shz.de von
erstellt am 26.Apr.2016 | 10:23 Uhr

Washington | Im US-Wahlkampf schließen sich die beiden republikanischen Bewerber Ted Cruz und John Kasich zusammen, um eine Nominierung ihres Konkurrenten Donald Trump zu verhindern. Das gaben der Senator aus Texas und der Gouverneur von Ohio in zeitgleich am Sonntagabend (Ortszeit) veröffentlichten Statements bekannt.

Die Wahlen in den fünf Ostküstenstaaten Connecticut, Delaware, Maryland, Pennsylvania und Rhode Island dürfte Donald Trump für sich entscheiden. Um eine absolute Mehrheit Trumps zu verhindern, muss Cruz die Vorwahlen in Indiana gewinnen. Aktuelle Entwicklungen lesen Sie in unserem Liveblog zu den Vorwahlen in den USA.

Eine Kandidatur Trumps bei der Präsidentenwahl gegen einen Mitbewerber der Demokraten im November wäre „eine sichere Katastrophe“, schrieb der Wahlkampfmanager von Cruz, Jeff Roe. Die Vereinbarung sieht vor, dass sich Kasich am 3. Mai bei der Vorwahl in Indiana zurückhält, und sich auf die Abstimmungen in Oregon am 17. Mai und New Mexico am 7. Juni konzentriert, wo Cruz ihm den Weg freimachen will. In anderen Staaten wollen sie dagegen weiter gegeneinander konkurrieren.

Die „New York Times“ berichtet, das Bündnis der beiden Bewerber sei bereits Stunden nach der Bekanntgabe zu größter Irrelevanz verkommen. Grund ist ein Auftritt von Kasich bei einem Wahlkampfauftritt in Philadelphia am Montag. Dort appelierte er an die Wähler in Indiana, für ihn zu stimmen. Das sei kein großer Deal. Auch wenn Kasich öffentliche Auftritte in Indiana gecancelt habe, nehme er zahlreiche Wahlkampftermine wahr, heißt es in dem Bericht weiter. Trumps spöttische Reaktion ließ nicht lange auf sich warten: „Kasich hat gerade die Menschen in Indiana aufgerufen, für ihn zu stimmen. Typisch Politiker - kann keinen Deal einhalten“.

 

Die britische Zeitung „The Guardian“ kommentiert den Zusammenschluss als zu schwach und zu spät. „Die beiden verbliebenen Rivalen [...] haben endlich einen Pakt gegen Trump geschlossen. Ob sie ihn damit wirklich stoppen können, ist fraglich. Es könnte sogar unwahrscheinlicher geworden sein, weil es so aussehen könnte, als manipuliere das Establishment die Vorwahlen im Hinterzimmer. Die eigentliche Frage dabei ist aber, warum es so lange gedauert hat. Dass Trump die Vorwahlen dominieren könnte, zeichnete sich bereits ab, bevor sie begonnen hatten. Trumps Erfolg basiert auf rechtspopulistischer Politik, die in der Partei Abraham Lincolns eigentlich keinen Platz haben sollte. Aber die Fähigkeiten, eine solche Entwicklung zu stoppen, hat diese Partei schon lange aus der Hand gegeben.“

Trump hingegen twitterte weiter: „Es ist traurig, dass zwei erwachsene Politiker sich gegen jemanden zusammentun müssen, der erst seit zehn Monaten Politiker ist, nur damit sie verhindern, dass dieser die Nominierung der Republikaner bekommt.“ Trump ist ein politischer Quereinsteiger, er hat noch nie ein Amt innegehabt. Weiter schrieb er: „Cruz und Kasich verschwören sich, um meine republikanischen Nominierung zu verhindern. Verzweiflung!“

 

Tatsächlich waren Cruz und Kasich sich im emotional aufgeladenen Wahlkampf nicht sehr freundlich gesonnen. Ihre Abmachung kommt unmittelbar vor einer Reihe weiterer Abstimmungen: An diesem Dienstag wählen beide Parteien in Connecticut, Delaware, Maryland, Pennsylvania und Rhode Island. In den Staaten an der Ostküste werden Trump gute Chancen auf einen Sieg nachgesagt.

Für die Nominierung der Republikaner braucht ein Kandidat beim Parteikonvent im Juli insgesamt 1237 Delegiertenstimmen. Trump ist der einzige Bewerber bei den Republikanern, der noch vor dem Parteitag die absolute Mehrheit der Delegierten hinter sich bringen könnte. Allerdings ist das auch bei dem Immobilien-Milliardär fraglich.

Die restlichen Vorwahlen müssten für ihn sehr gut laufen. Wenn keiner der drei verbliebenen Bewerber auf eine Mehrheit kommt, würde es auf dem Parteitag mehrere Wahlgänge geben. Das Ergebnis der Vorwahlen wäre für einen großen Teil der Delegierten nicht mehr bindend. Das könnte den Weg für einen anderen Kandidaten ebnen.

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