Zwölf Todesopfer : Anschlag auf Deutsche in Istanbul: Wieder kein Urteil

Der Sultanahmet-Platz ist abgesperrt. Hier detonierte der Sprengsatz in der Nähe einer Touristengruppe.
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Auf dem Sultanahmet-Platz detonierte der Sprengsatz in der Mitte einer deutschen Touristengruppe.

Aus bisher ungeklärten Gründen, wurden der Richter und die Beisitzer ausgetauscht. Ende Januar soll die Verhandlung fortgesetzt werden.

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08. Januar 2018, 11:13 Uhr

Istanbul | Fast zwei Jahre nach dem Selbstmordanschlag mit zwölf deutschen Todesopfern im Istanbuler Altstadt-Viertel Sultanahmet ist am Montag doch kein Urteil in dem Prozess gefällt worden. Der Grund für die unerwartete Fortsetzung des Verfahrens ist der Austausch der Richter und seiner Beisitzer, wie aus dem Protokoll der Verhandlung am Montag hervorging. Unklar blieb, warum die Richter kurz vor Abschluss des Verfahrens ausgewechselt wurden. Der Prozess soll nun am 24. Januar fortgesetzt werden.

Bei dem Selbstmordanschlag am 12. Januar 2016 in der Istanbuler Altstadt hatte ein Attentäter zwölf deutsche Touristen mit in den Tod gerissen, 16 Menschen waren verletzt worden.

Insgesamt sind 26 Verdächtige angeklagt, die meisten davon Syrer. Ursprünglich hatten Anwälte bereits vergangenen November mit einem Urteil gerechnet. Da aber kein Fahrzeug zur Verfügung stand, um die inhaftierten Angeklagten vom Gefängnis zum Gericht zu bringen, konnte der Prozess nicht fortgeführt werden. Nach Angaben der Verteidiger kommen solche logistischen Schwierigkeiten hin und wieder vor.

Fünf der 26 Verdächtigen saßen bis November im Gefängnis. Nach der Vertagung des Prozesses wurde einer von ihnen bis zur nächsten Verhandlung wieder auf freien Fuß gesetzt. Die vier anderen, für die die Staatsanwaltschaft lebenslange Haftstrafen gefordert hatte, blieben wegen dringenen Tatverdachts in Untersuchungshaft.

Erwartete Urteile

Für die drei syrischen Hauptverdächtigen fordert die Staatsanwaltschaft Medienberichten zufolge jeweils 13 mal lebenslange Haft. Ihnen wird neben der Tötung von zwölf Deutschen vorgeworfen, sie hätten die verfassungsmäßige Ordnung umstürzen wollen. Einem Iraker drohen wegen des Vorwurfs der Mitgliedschaft in der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) bis zu 15 Jahre Haft. Für die restlichen Angeklagten werden Freisprüche erwartet.

Der Attentäter

Die türkischen Behörden identifizierten den 1988 in Saudi-Arabien geborenen Syrer Nabil Fadli als Attentäter bei dem Anschlag. Fadli war laut Gerichtsunterlagen IS-Anhänger und ließ sich rund einen Monat vor dem Attentat von Syrien aus in die Türkei schmuggeln. Die vier Hauptangeklagten werden beschuldigt, dem späteren Selbstmordattentäter geholfen zu haben.

Türkei verdächtigt IS hinter dem Attentat

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass ein IS-Anhänger mit dem Code-Namen Omar-Ebu Abid, der sich mutmaßlich im Irak aufhält, das Attentat in Auftrag gegeben hatte. Der IS bekannte sich jedoch nie zu der Tat. Das Gerichtsverfahren hatte im Juni 2016 begonnen.

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