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BVB-Spiel gegen Monaco : Anschlag auf BVB-Bus: Bekennerschreiben mit Islamisten-Bezug

vom

Drohungen richten sich gegen Prominente und Sportler. Auch Merkel findet Erwähnung. Ein zweites Bekennerschreiben stammt möglicherweise aus der antifaschistischen Szene.

shz.de von
erstellt am 12.Apr.2017 | 09:39 Uhr

Dortmund | Nach dem Anschlag auf den Mannschaftsbus von Borussia Dortmund mit zwei Verletzten prüfen die Ermittler die Authentizität von zwei Bekennerschreiben. In dem in der Nähe des Tatorts aufgefundenen Schreiben gibt es nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur vom Mittwoch Hinweise auf einen islamistischen Hintergrund. Ein zweites, am späten Dienstagabend im Internet veröffentlichten Schreiben, könnte nach der Diktion aus der antifaschistischen Szene kommen. Darin wird betont, keinesfalls seien die BVB-Spieler „Ziel dieser symbolischen Tat“ gewesen.

In Sicherheitskreisen wurde betont, der Hintergrund der Tat stehe keinesfalls fest. Es könne sich jeweils auch um Fälschungen handeln, die auf falsche Spuren locken sollten. Bei den Tätern könne es sich nach wie vor auch um gewaltbereite Fußballfans, Erpresser, andere Kriminelle oder Menschen mit rechtsextremem Hintergrund handeln.

In dem in Tatortnähe gefundenen einseitigen Bekennerschreiben in deutscher Sprache wird unter anderem auf den Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt mit zwölf Toten vom Dezember und den Einsatz deutscher Tornado-Kampfflugzeuge in Syrien Bezug genommen. Das Schreiben trage keine Symbole der Terrormiliz Islamischer Staat (IS), hieß es weiter. Zunächst hatten „Süddeutsche Zeitung“, NDR und WDR über diese Details berichtet.

Das in der Nähe des beschädigten Busses aufgefundene Schreiben beginnt demnach mit den Worten „Im Namen Allahs, des Gnädigen, des Barmherzigen“. Es werde behauptet, dass die deutschen Kampfflugzeuge daran beteiligt seien, Muslime im Kalifat des sogenannten Islamischen Staates zu ermorden. Weiter heiße es, ab sofort stünden Sportler und andere Prominente „in Deutschland und anderen Kreuzfahrer-Nationen“ auf einer „Todesliste des Islamischen Staates“, schreiben die Rechercheure von „SZ“, WDR und NDR.

Auch Kanzlerin Angela Merkel (CDU) wird in dem Schreiben namentlich erwähnt. Dort heißt es: „Aber anscheinend scherst du dich Merkel nicht um deinen kleinen dreckigen Untertanen. Deine Tornados fliegen immer noch über dem Boden des Kalifats, um Muslime zu Ermorden.“

Das angebliche Bekennerschreiben im Wortlaut

„Im Namen Allahs, des Gnädigen, des Barmherzigen, 12 ungläubige würden von unseren Gesegneten Brüder in Deutschland getötet. Aber anscheinend scherst du dich Merkel nicht um deinen kleinen dreckigen Untertanen. Deine Tornados fliegen immer noch über dem Boden des Kalifats, um Muslime zu Ermorden. Jedoch wir bleiben standhaft durch die Gnade Allahs.

Ab sofort stehen alle ungläubigen Schauspieler, Sänger, Sportler und Sämtliche prominente in Deutschland und anderen Kreuzfahrer-Nationen auf Todesliste des Islamischen Staates.

Und das solange die folgenden Forderungen nicht erfüllt werden: - Tornados aus Syrien abziehen.- Ramstein Air Base muss geschlossen werden.“

 

In dem möglicherweise aus der Antifa-Szene stammenden Bekennerschreiben wird erklärt, der Bus sei mit eigenes für den Anschlag angefertigten Sprengsätzen als „Symbol für die Politik des BVB“ attackiert worden, die sich nicht genügend gegen Rassisten, Nazis und Rechtspopulisten einsetze. Seit Jahren dürften auch Menschen mit einer menschenverachtenden Gesinnung ins Stadion, anstatt örtliche Antifaschisten zu Rate zu ziehen, „um solches Gedankengut aus dem Stadion zu verbannen“. Auch hier ist unklar, ob das Schreiben authentisch ist.

Parallelen könnten zu einem Fall aus Dresden gesehen werden: Im September letzten Jahres tauchte nach Sprengstoffanschlägen auf eine Moschee und ein Kongresszentrum ein Bekennerschreiben auf der linken Plattform „Indymedia“ auf. Der Verfasser soll demnach die Antifa Dresden gewesen sein, doch das stimmte nicht.

Die Bundesanwaltschaft hat die Ermittlungen übernommen. Weitere Informationen will sie am frühen Nachmittag bekanntgeben, wie die Behörde in Karlsruhe am Mittwoch mitteilte.

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