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Biotop-Kartierung in SH : Angst um A20 und B5: Wirtschaft wettert gegen Habecks Natur-Inventur

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die auf fünf Jahre angelegte Biotop-Kartierung lässt die Wirtschaft um den Ausbau der Infrastruktur bangen. Habeck hält dagegen: So können Schutzgebiete schon vor Baubeginn berücksichtigt werden.

shz.de von
erstellt am 02.Jun.2015 | 18:35 Uhr

Kiel | Aus der schleswig-holsteinischen Wirtschaft kommt harsche Kritik an Umweltminister Robert Habeck (Grüne). „Höchst irritiert, höchst alarmiert“: So reagiert der Hauptgeschäftsführer der Unternehmensverbände UV Nord, Michael Thomas Fröhlich, auf eine von Habeck verantwortete landesweite Biotop-Kartierung. Sie soll bis 2019 erstmals seit über 20 Jahren den Bestand an schützenswerter Natur in einer bisher nie dagewesenen Tiefe dokumentieren. Die Küsten-Koalition will die Erkenntnisse zur Grundlage aller Planungen im Land machen.

„Das wird zu einem Mehr an Naturschutz führen und lässt befürchten, dass wir erhebliche Behinderungen bei der Entwicklung erfahren“, kritisiert Fröhlich. Er denkt dabei etwa an den Weiterbau der A20, den Ausbau der B5 oder auch den Netz-Ausbau für Strom oder Glasfaser. Fröhlich äußert sich enttäuscht, „dass jemand mit bundespolitischen Ambitionen sich mit diesem Projekt auf Kosten Schleswig-Holsteins profilieren will“. Er zeigt sich „überrascht, dass die sonst gute Dialogkultur des Ministers nicht gereicht hat, uns vorab zu informieren“.

Auch der Naturschutz-Experte der Kieler Industrie- und Handelskammer, Klaus Thoms, prophezeit: Das neue Wissen durch die Kartierung „kann auf lange Sicht die Konfliktlage verschärfen“. Es müsse nicht immer gleich darauf hinauslaufen, dass eine Trasse gar nicht mehr durch ein bestimmtes Gebiet führen könne – aber es könnten Ausgleichsmaßnahmen zu Gunsten des Naturschutzes für Investoren teurer werden. Für den Umwelt- und Agrarexperten der CDU, Heiner Rickers, ist die Biotopkartierung „nicht nur eine millionenschwere Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für den Grünen nahe stehende Umweltingenieurbüros auf Kosten des Steuerzahlers“.

Habeck hält der Kritik entgegen: „Gerade die vertieften Kenntnisse der Kartierung helfen, Infrastruktur rechtssicher zu planen.“ So werde von vornherein klar, welche sensiblen Punkte Trassen umgehen müssten. Der Grüne nennt die Groß-Inventur eine „notwendige Grundlage, um die richtigen Schwerpunkte im Naturschutz zu setzen“. Kein anderes Bundesland habe so veraltete Daten wie Schleswig-Holstein.

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