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Angriff auf Konvoi – wie reagiert Russland?

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

shz.de von
erstellt am 15.Aug.2014 | 18:17 Uhr

Es ist ein schwerer Vorwurf, für den es bislang keine Beweise gibt: Russischer Nachschub für die militanten Separatisten sei nachts illegal über die Grenze gerollt. Die ukrainische Artillerie habe „die russische Militärkolonne zum Großteil vernichtet“, teilt Kiew mit. Fragen und Antworten zur Lage:

> Welche Folgen hätte ein solcher Zwischenfall? „Eine russische Militärinvasion in der Ukraine könnte zu einer Katastrophe führen“, warnt der Politologe Dmitri Trenin vom Carnegie Center in Moskau. Es drohe ein Scheitern wie im Krieg der Sowjetunion in Afghanistan. Bisher hatte die Atommacht Russland erklärt, der Konflikt in der Ukraine sei eine innere Angelegenheit des Nachbarlandes. Eine solche Argumentation würde Moskau schwer fallen, sollten wirklich Fahrzeuge der eigenen Armee im Kampfmodus im Nachbarland unterwegs sein.

> Was bedeutet das für Präsident Wladimir Putin? Der Kremlchef käme in Erklärungsnot: Er hatte Ende Juni eine Einmarscherlaubnis streichen lassen und den Friedensplan des ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko unterstützt.

> Wäre es überhaupt möglich, dass ein russischer Militärkonvoi ungehindert über die Grenze in die Ostukraine fährt? Ja. Seit Beginn des bürgerkriegsähnlichen Konflikts hat die Ukraine teilweise die Kontrolle über ihre Grenze mit Russland verloren. Die Führung in Kiew wirft Moskau vor, hier Waffen einsickern zu lassen – etwa auch das Raketensystem Buk, mit dem am 17. Juli vermutlich das malaysische Passagierflugzeug MH17 abgeschossen wurde. Russland räumt ein, an der Grenze tausende Soldaten auf eigenem Territorium stationiert zu haben. Damit folge Moskau aber auch einem Wunsch des Westens, der die Grenze besser geschützt sehen wolle, so der Kreml.

> Der Westen beschuldigt Russland, die Separatisten in der Ostukraine mit Waffen und Kämpfern zu versorgen. Was ist dran an den Vorwürfen? In russischen Staatsmedien präsentieren sich die Aufständischen gerne als „Freiwilligenarmee“, die für die „Freiheit des Donbass“ kämpft. Das taktische Geschick ihrer Einheiten stamme von ukrainischen Soldaten, die übergelaufen seien, behaupten sie. Die meisten ihrer Waffen seien erbeutet. West-Experten widersprechen dieser Darstellung. Nur mit professioneller militärischer Ausbildung sei es möglich, der „Anti-Terror-Offensive“ der Regierungskräfte so lange zu widerstehen, sagen sie. Russland weist aber Vorwürfe zurück, die militanten Gruppen mit Kriegsgerät oder Kämpfern zu unterstützen.

Wie ist die Lage im Konfliktgebiet? Es deutet vieles darauf hin, dass ukrainische Truppen die Separatistenhochburgen Donezk und Lugansk weiträumig eingekesselt haben. Die Aufständischen versuchen, sich nicht von der Grenze zu Russland abdrängen zu lassen. Von dort erhalten sie nach ukrainischen wie US-Angaben Nachschub. Mit einer Schwächung der Separatisten wächst Experten zufolge das Risiko, dass Russland seine Unterstützung aufstockt – oder in die Kämpfe eingreift.

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