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Bundeskanzlerin : Angela Merkels Besuch in Algerien abgesagt

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Präsident Bouteflika hat Bronchitis. Der 79-Jährige tritt schon seit längerem öffentlich kaum noch in Erscheinung.

Algier/Berlin | Der zweitägige Besuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel in Algerien ist kurzfristig abgesagt worden. Die Reise sei wegen des Gesundheitszustandes des algerischen Präsidenten Abdelaziz Bouteflika auf einen späteren Termin verschoben worden, teilte das algerische Präsidentenamt am Montag mit. Bouteflika leide unter einer Entzündung der Bronchien.

Merkel wirbt dafür, Algerien, Tunesien und Marokko im deutschen Asylrecht als sichere Herkunftsländer einzustufen, um Abschiebungen abgelehnter Bewerber zu beschleunigen.

Algeriens Präsident tritt öffentlich kaum noch auf. Nach mehreren Schlaganfällen in den vergangenen Jahren sitzt der 79-Jährige im Rollstuhl und soll große Probleme mit dem Sprechen haben. Merkel wollte am Montagabend nach Algerien reisen und sich dort für eine Eindämmung der Fluchtbewegung einsetzen.

Ihr Besuch sollte abends in der Hauptstadt Algier beginnen. Die frühere französische Kolonie gilt als wichtiger Akteur für Stabilität und Sicherheit in der Region, wie es aus Kreisen der Bundesregierung hieß.

Geplant waren unter anderem Gespräche mit Ministerpräsident Abdelmalek Sellal und dem seit 1999 amtierenden Bouteflika. Merkel wollte sich außerdem mit Vertretern der Zivilgesellschaft treffen.

Der Wüstenstaat Algerien, das größte Flächenland Afrikas, grenzt an die wichtigen Transitländer für Flüchtlinge, Mali und Niger. Außerdem engagiert sich die Regierung in Algier für eine Stabilisierung des benachbarten Bürgerkriegslandes Libyen, von wo aus rund 90 Prozent der Migranten und Flüchtlinge über das Mittelmeer nach Europa übersetzen.

In den vergangenen Monaten ist Algerien verstärkt gegen Islamisten vorgegangen. Stark im Blick stünden auch effektive Grenzkontrollen im Kampf gegen Schmuggel und Menschenschleusungen, hieß es in Berlin.

Bei Merkels Besuch sollte auch ein weiterer Ausbau der Wirtschaftsbeziehungen mit Afrikas größtem Flächenstaat Thema sein. Einschränkungen etwa der Versammlungs- und Pressefreiheit in Algerien werden auch in Deutschland mit Sorge beobachtet. Die Kanzlerin wollte sich mit Vertretern gesellschaftlicher Organisationen treffen. Sicherheit und Bürgerrechte könnten noch in eine bessere Balance gebracht werden, hieß es in deutschen Regierungskreisen.

Wirtschaftlich profitiert das Land vor allem von seinen enormen Öl- und Gasvorkommen, die Exporterlöse machen rund 98 Prozent der Deviseneinnahmen aus. Algerien zählt zu den wichtigsten Abnehmern deutscher Rüstungsgüter außerhalb der Nato.

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erstellt am 20.Feb.2017 | 15:06 Uhr

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