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Reaktionen auf Tod des Altkanzlers : Angela Merkel: Helmut Kohl war ein „Glücksfall für uns Deutsche“

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Über Parteigrenzen hinweg zollen Politiker und Weggefährten Respekt für den Staatsmann Helmut Kohl.

shz.de von
erstellt am 16.Jun.2017 | 19:36 Uhr

Der Tod des früheren Bundeskanzlers Helmut Kohl (CDU) hat in Deutschland und international Trauer ausgelöst. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat den verstorbenen Altkanzler als „Glücksfall für uns Deutsche“ gewürdigt. Man werde noch lange bewundern, wie entschlossen er und seine Mitarbeiter die Gunst der Stunde zur deutschen Vereinigung genutzt hätten. „Das war höchste Staatskunst im Dienste der Menschen und des Friedens“, sagte Merkel am Freitag in Rom. „Helmut Kohl ist damit zu einem Glücksfall für uns Deutsche geworden.“ Kohl habe auch ihren Lebensweg entscheidend verändert. „Ich bin ganz persönlich dankbar, dass es ihn gegeben hat.“

 

Die CDU verliert einen ihrer namhaftesten Politiker. Auf Twitter verabschiedet sich die Partei mit einem schlichten „Wir trauern“.

Die stellvertretende CDU-Vorsitzende Julia Klöckner hat den verstorbenen Altkanzler Helmut Kohl als „großen Politiker“ gewürdigt. Die rheinland-pfälzische CDU-Landes- und Fraktionschefin schrieb am Freitag auf Twitter: „Wir trauern um den Kanzler der Einheit, Ehrenbürger Europas, unseren ehemaligen Ministerpräsidenten, CDU-Landesvorsitzenden. Ein großer Politiker“.

CDU-Generalsekretär Peter Tauber dankt Kohl für Europa und die Einheit.

 

Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) sagte, Kohl habe „entscheidend zu den glücklichsten Zeiten beigetragen, die wir Deutschen je hatten“. „Wir werden ihm das nie vergessen. Sein Vermächtnis, ein weltweit geachtetes Deutschland in einem friedlich geeinten Europa, bleibt die Richtschnur unseres Handelns und ist Auftrag für alle künftigen Generationen.“ In einem Schreiben sprach Lammert Kohls Frau Maike Kohl-Richter sein Beileid auch im Namen des Bundestags aus, dem Kohl mehr als ein Vierteljahrhundert angehörte.

Die sächsische CDU würdigt Kohl als großen Staatsmann und Europäer. Ohne ihn wäre die Deutsche Einheit nicht möglich gewesen, „deshalb haben wir Ostdeutschen ihm viel zu verdanken“, sagte der Generalsekretär und stellvertretende Vorsitzende der Unionsfraktion im Bundestag, Michael Kretschmer. „Nur weil er Deutschland in Europa fest verankert hat und die europäischen Staaten ihm vertraut haben, konnte die Einheit gelingen.“ Die Bedeutung dieses Vertrauens müsse den Deutschen angesichts der aktuellen Spannungen in der EU auch heute bewusst sein. „Denn es kommt ja gerade auf Deutschland an, für einen Ausgleich der Interessen in Europa zu sorgen“, betonte Kretschmer.

SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz würdigte Kohl als „großen Europäer“ und „großen Staatsmann“. „Helmut Kohl hat historische Weichen für Deutschland und Europa gestellt und sich Verdienste erworben, die Bestand haben und nicht vergessen werden“, sagte Schulz am Freitag in Berlin. Kohls Vision von einem europäischen Deutschland sei ein Vermächtnis an die deutsche Nation und an ganz Europa.

Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) sagte: „Er war ein großer Staatsmann, ein großer deutscher Politiker und vor allem ein großer Europäer, der sehr viel dafür getan hat, dass nicht nur die Deutsche Einheit gekommen ist, sondern auch dass Europa zusammengewachsen ist“, teilte Gabriel am Freitagabend mit. „Das ist sein großes Vermächtnis. So wird er uns in Erinnerung bleiben. Wir sind in diesen Minuten in Gedanken bei seiner Familie und seinen Kindern. Es ist ein wirklich großer Deutscher gestorben.“

Der ehemalige rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) würdigt die Verdienste Helmut Kohls, erinnert zugleich aber an den heftigen Meinungsstreit mit dem Altkanzler. „Er hat wie wenige polarisiert“, schrieb Beck in einem Nachruf. Ein geeintes Deutschland und Europa sei sichtbarer Beleg für das erfolgreiche Wirken des Kanzlers Kohl, schrieb Beck. „Da war aber auch der politische Kämpfer in die eigene Partei hinein und der erbitterte Gegner der ,Sozen', wie er zu sagen pflegte.“ So habe Kohl Rudolf Scharping und ihm nie verziehen, dass die SPD die Regierung in der Staatskanzlei in Mainz übernommen habe.

Justizminister Heiko Maas (SPD)  sowie die Grünen-Politiker Cem Özdemir und Volker Beck trauern um den „großen Europäer“ Kohl.

 

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller hat mit Betroffenheit und Trauer auf den Tod reagiert. „Die Berlinerinnen und Berliner werden nie den Anteil vergessen, den Helmut Kohl an der friedlichen Wiedervereinigung und damit letztlich auch an der Einheit Berlins hatte“, erklärte der SPD-Politiker am Freitag. „Helmut Kohl hat sich um Deutschland und seine Hauptstadt verdient gemacht. Wir denken an diesem Tag daher auch daran, dass er stets an Berlin als Hauptstadt festgehalten und sich in der Debatte um den Sitz von Parlament und Regierung klar zum Umzug nach Berlin bekannt hat. Wir werden ihn nicht vergessen und ihm ein ehrendes Angedenken bewahren.“ Kohl ist seit 1992 Berliner Ehrenbürger.

Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) hat Altkanzler Helmut Kohl für seine Verdienste gewürdigt. „Deutschland verliert einen herausragenden Politiker, der stets für ein einiges Europa eingetreten ist und die Chance zur Deutschen Einheit beherzt ergriffen hat. Einen bedeutenden Kanzler, der die Geschicke der Republik lange geprägt hat“, hieß in einer Mitteilung. Kohl sei ein „leidenschaftlicher politischer Streiter“ gewesen, der sich nie geschont habe und seine politischen Gegner auch nicht.

„Mit Helmut Kohl ist ein großer Staatsmann von uns gegangen. Sein politisches Vermächtnis ist herausragend. Ihm verdanken wir die Vollendung der Deutschen Einheit in Frieden und Freiheit. Er war ein maßgeblicher Architekt der Europäischen Union. Die CDU Schleswig-Holstein trauert um Helmut Kohl und ist in Gedanken bei seiner Familie“, sagte der Landesvorsitzende der CDU Schleswig-Holstein, Daniel Günther. „Helmut Kohl war ein Staatsmann mit klaren Werten und großer Verlässlichkeit. Er hat Deutschland und Europa geprägt, wie kaum ein anderer. Seine Leistungen werden unvergessen bleiben.“

Schleswig-Holsteins Landtagspräsident Klaus Schlie sagte: „Helmut Kohl war als Wegbereiter und Gestalter der Deutschen Einheit einer der größten und bedeutendsten Politiker der Bundesrepublik Deutschland.“ Er sei als „Europäer aus tiefstem Herzen“ ein Bundeskanzler gewesen, der sowohl sein Heimatland als auch die europäische Entwicklung entscheidend geprägt habe. „Die Überwindung des Eisernen Vorhangs wäre ohne sein Engagement nicht möglich gewesen. Er hat an der Seite Frankreichs und Großbritanniens ein Europa gestaltet, auf das wir heute bauen und das unverzichtbar ist. Nationale Alleingänge waren ihm fremd.“

Als einen Ausnahmepolitiker hat Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) den verstorbenen Altkanzler Helmut Kohl bezeichnet. „Unser Land trauert um den Kanzler der Wiedervereinigung“, sagte Seehofer laut Staatskanzlei. Kohl sei einer der ganz großen Kanzler der Bundesrepublik Deutschland gewesen, ein international hoch geschätzter Staatsmann und ein überzeugter Europäer. „Sein Name wird auf alle Zeit verbunden bleiben mit der Wiedervereinigung unseres Vaterlandes“, sagte Seehofer. Kohl habe immer an die Einheit geglaubt und auf sie hingearbeitet. Im richtigen Augenblick habe er mit Tatkraft, Entschlossenheit, Geschick und Weitblick die historisch einmalige Chance zur Wiedervereinigung ergriffen. „Als langjähriges Mitglied seines Bundeskabinetts macht mich sein Tod auch ganz persönlich sehr betroffen“, sagte Seehofer, der in den neunziger Jahren als Bundesgesundheitsminister am Kabinettstisch Helmut Kohls saß.

Der FDP-Politiker Christian Lindner verneigt sich vor dem Kanzler, der eine Generation geprägt hat.

Sein Parteikollege Wolfgang Kubicki sagte: „Mit Helmut Kohl geht einer der großen Staatsmänner des vergangenen Jahrhunderts. Er wird den Menschen immer als der ‚Kanzler der Deutschen Einheit‘ in Erinnerung bleiben. Mehr historische Bedeutung geht nicht. Der überzeugte Europäer Helmut Kohl hat mit seinem beharrlichen Streiten für die Wiedervereinigung das Tor auch für die Einigung unseres gespaltenen Kontinents aufgestoßen. Es bleibt unsere Aufgabe, die europäische Einigung auch in seinem Sinne fortzuführen. Unsere Gedanken sind bei seiner Familie.“

Konstantin von Notz (Grüne) verabschiedet sich mit einem persönlichen Statement vom Altkanzler. Der streitbare Bundeskanzler habe ihn und viele seiner Generation politisiert.

Der Fraktionsvorsitzende der Nord-SPD Ralf Stegner zieht via Twitter seinen Hut vor dem Staatsmann. „Bei allen großen Differenzen: Chapeau!“

 

Der EU-Politiker Jean-Claude Juncker verliert mit Helmut Kohl auch einen engen Freund.

 

Die Führung der Linken hat Helmut Kohl als „eine prägende Persönlichkeit mit einem widersprüchlichen Erbe“ gewürdigt. „Über alle politischen Differenzen hinweg steht heute die Trauer um einen großen Europäer“, erklärten die Vorsitzenden von Partei und Fraktion, Katja Kipping, Bernd Riexinger, Sahra Wagenknecht und Dietmar Bartsch. Kohl habe die Bundesrepublik vor dem Jahrtausendwechsel geprägt wie nur wenige andere politische Persönlichkeiten. „Er war ein überzeugter Europäer, der zugleich mit der Fehlkonstruktion der Währungsunion eine - von ihm nicht beabsichtigte - Entwicklung einleitete, die Europa heute in seine tiefste Krise bringt.“ Kohl habe die deutsche Einheit zu seinem Anliegen gemacht, wenn auch die wirtschaftlichen Weichenstellungen „zu großen sozialen Verwerfungen in Ostdeutschland“ geführt hätten. „Er hat die soziale Spaltung des Landes nie so groß werden lassen wie seine Nachfolger und es vermieden, die Bundesrepublik in militärische Abenteuer zu stürzen.“ 

Katja Kipping zitiert den Altkanzler in einem Tweet.

Die deutschen Katholiken bezeichneten Kohl als überzeugten Christen. Mit seinem Tod gehe eine Ära zu Ende, schrieb der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, der Münchner Kardinal Reinhard Marx, in einer Kondolenz. Die Kirche sei dankbar dafür, „dass Helmut Kohl mit visionärer Kraft, mit Mut, Beharrlichkeit und großem Verhandlungsgeschick die Einheit Deutschlands befördert und mit anderen herbeigeführt hat“.

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