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„Super-Tuesday“ in den USA : Analyse: So liefen die US-Vorwahlen in zwölf Bundesstaaten

vom
Aus der Onlineredaktion

Clinton und Trump machen das Rennen. Doch es gibt auch kleine Überraschungen. Die Republikaner sind gespalten.

shz.de von
erstellt am 02.Mär.2016 | 11:20 Uhr

Palm Beach | Es fehlte nur das Präsidentensiegel. Ansonsten glich die Kulisse für den Auftritt Donald Trump’s in der Wahlnacht, die einer Pressekonferenz im Weißen Haus. Inklusive des Vertrauten, der hinter ihm im Bild steht. Diese Rolle übernahm der Gouverneur von New Jersey Chris Christie ein, der vor kurzem selber noch Präsident werden wollte.

Die Vorwahlen am „Super-Tuesday“ gelten als richtungsweisend. Und die Favoriten Trump und Clinton haben geschafft, was von Wahlbeobachtern erwartet wurde: Sie haben ihren Vorsprung auf die Konkurrenz deutlich ausgebaut. Und scheinen nicht mehr zu stoppen zu sein.

Am Abend des „Super-Tuesday“ fiel Christie im Trump-eigenen „Mar-a-Lago“-Ressort die Aufgabe zu, „den nächsten Präsidenten der Vereinigten Staaten“ anzukündigen. Donald Trump genoss den Auftritt in seinem Florida-Palast. Genüsslich sagte er dem Senator des Bundesstaats und Gegenspieler bei den Vorwahlen, Marco Rubio, das nahe Ende voraus.  

„Marco Rubio ist der große Verlierer der Nacht”, zog Trump über den Senator her. „Ich wusste, dass er ein Leichtgewicht ist“. Tatsächlich konnte Rubio nur bei den Wahlen in Minnesota gewinnen. In den anderen elf Staaten landete er hinter Trump und dem Ultra-Konservativen Ted Cruz und in Vermont auch John Kasich. Donald Trump feiert seine Wahlerfolge bei Twitter. Er bedankt sich etwa bei seinen Wählern in Kentucky:

Bei den Demokraten setzte sich Hillary Clinton in sieben der elf Vorwahl-Staaten durch. Sie räumte im Süden ab und rang Bernie Sanders einen hart erfochtenen Sieg in Massachusetts ab. Sanders gewann in seinem Heimatstaat Vermont, in Colorado, Minnesota und Oklahoma.

Die Karten zeigen, welcher der Kandidaten bisher wo gewonnen hat. Bei den Republikanern:

Und bei den Demokraten:

Trump räumte am „Super-Tuesday“ im Süden mit zum Teil zweistelligen Siegen in Alabama, Arkansas, Georgia, Tennessee und Virginia ab. Außerdem siegte er mit deutlichem Abstand in Massachusetts und mit knappen Vorsprung vor dem überraschend starken Kasich in Vermont.

 

Der andere Wahlsieger bei den Republikanern heißt Ted Cruz, der in seinen Heimatstaat Texas und im Nachbarstaat Oklahoma gewann. Die Tea-Party-Ikone forderte die Republikaner auf, „im Gebet zu bedenken“, wie die Partei zusammen kommen könne, um Trump zu stoppen. „Wir sind das einzige Team, das Donald Trump schlagen kann und wird“.

 

Der Fernsehsender NBC projizierte eine klaren Vorsprung des New Yorker Geschäftsmanns Trump bei den Delegierten-Stimmen. Die Republikaner vergaben am „Super-Tuesday“ etwa ein Viertel der Delegierten zum Nominierungs-Parteitag in Cleveland.

Demnach könnte Trump nach Auszählung aller Stimmen rund 350 Delegierte einstreichen, Cruz 195 und Rubio 115. Benötigt werden für die Nominierung 1237 Stimmen auf dem Parteitag.

Republikaner gegen Trump

Trump verkaufte sich bei der Pressekonferenz in Mar-a-Largo als Kandidat, der die Republikaner größer gemacht und viele Demokraten herübergezogen habe. „Ich bin ein Versöhner“, umwarb er die Parteiführer, den Widerstand gegen seine Kandidatur aufzugeben.

Kurz darauf drohte der Rechtspopulist dem Speaker im US-Kongress, Paul Ryan, mit Konsequenzen wegen dessen Kritik an seinen Äußerungen über die Rassisten des Ku-Klux-Klan. “Wenn Ryan nicht mit mir zurecht kommt, wird er einen hohen Preis bezahlen.”

Derweil mehren sich die Stimmen bei den Republikanern, die offen dafür werben, Trump die Nominierung zu verweigern. Der ehemalige Mehrheitsführer der Konservativen im Repräsentantenhaus Tom DeLay warnte in der Wahlnacht vor dem Rechtspopulisten. „Er wird die Republikanische Partei zerstören“. Trump sei weder konservativ noch halte er viel von der Verfassung. „Er möchte ein König sein“.

Stachel im Fleisch Clintons

Hillary Clinton trat in der Wahlnacht in Miami mit der Aura einer Spitzenreiterin vor ihre Anhänger. Entsprechend richtete sie ihr Augenmerk weniger auf ihren partei-internen Konkurrenten denn auf Trump. “Amerika hat niemals aufgehört, großartig zu sein. Wir müssen es ganz machen,” erklärte Hillary in Anspielung auf den Wahlkampfslogan des Republikaners.

Während Trump Mauern bauen wolle, reiße sie Barrieren ein. „Amerika ist stark, wenn wir alle stark sind“. Das Land brauche nicht mehr Uneinigkeit und jemanden, der versuche Gruppen gegeneinander auszuspielen. „Wir können mehr Liebe und Freundlichkeit vertragen.“

 

Hillary Clinton zeigt sich siegessicher:

Für Bernie Sanders ist nach diesem „Super-Tuesday“ der Pfad zur Nominierung sehr schmal geworden. Angesichts der Spendenrekorde, die ihm seine Anhänger bereiten, wird er aber ein Stachel im Fleisch Clintons bleiben. Seine Fans feierten ihn enthusiastisch mit „Feel the Bern“-Rufen als er gegen 19 Uhr 30 als erster Kandidat in der Wahlnacht vor die Kameras trat.

Sanders versprach weiterhin „unbequeme Wahrheiten auszusprechen, und diese zu konfrontieren“. Es ginge bei diesen Wahlen nicht nur darum, einen Präsidenten zu wählen, „sondern eine politische Revolution loszutreten“.

 

Der Vorwahlkampf geht weiter

In den kommenden beiden Wochen werden Republikaner und Demokraten noch einmal so viele Delegierte vergeben wie an diesem „Super-Tuesday“. Clinton und Trump gehen mit Rückenwind in die nächsten Rennen, wobei der republikanische Spitzenreiter davon profitiert, das seine Partei nach diesem Wahltag so gespalten ist wie nie zuvor.

Die Siege Cruz und Rubios, sowie das gute Abschneiden John Kasichs in Vermont, garantieren praktisch, dass Trump’s Konkurrenten im Rennen bleiben, und sich die Stimmen weiter aufteilen. Damit ist der Sieger vom „Super-Tuesday“ nach Ansicht vieler Analysten kaum mehr aufzuhalten.

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