Herkunft der Empfänger : An wen fließt das Kindergeld in Schleswig-Holstein?

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In Schleswig-Holstein beziehen 314.393 Berechtigte Kindergeld.

14 Millionen Euro werden in Schleswig-Holstein an ausländische Empfänger ausgezahlt – vor allem an Türken.

shz.de von
11. August 2018, 13:12 Uhr

Kiel | In Schleswig-Holstein werden monatlich knapp 14 Millionen Euro Kindergeld an Empfänger nicht-deutscher Staatsangehörigkeit ausgezahlt. Insgesamt fließen über 104 Millionen Euro monatlich. Die Familienkasse Nord stellt Vergleichszahlen von Juli 2017 und Juli 2018 bereit.

Wie viele Kinder beziehen Kindergeld im oder aus dem Norden?

In Schleswig-Holstein beziehen 314.393 Berechtigte Kindergeld – in Hamburg sind es 207.436. Die Zahlen sind im Vergleich zum vergangenen Jahr um 1,4 Prozent (Schleswig-Holstein) und 0,2 Prozent (Hamburg) gestiegen.

Woher stammen die meisten ausländischen Kinder?

Die meisten Kinder nicht-deutscher Staatsangehörigkeit, die Kindergeld aus oder im Norden bekommen, sind türkischer Herkunft. An zweiter Stelle stehen die polnischen Kinder, gefolgt von den Empfängern aus Rumänien und Bulgarien.

Nationalität Juli 2018 Juli 2017 Abweichung /(%)
Deutschland 281.039 279.151 1888/0,7
Türkei 5634 5769 -135/-2,3
Polen 4441 4366 75/1,7
Rumänien 1467 1224 243/19,9
Bulgarien 1231 1057 174/16,5
ehem. Sowjet 1057 1025 32/3,1
Serbien 810 814 -4/-0,5
Griechenland 606 651 -45/-6,9
Italien 544 517 27/5,2
Kroatien 430 384 46/12,0
Dänemark 419 433 -14/-3,2

Ist die Zahl ausländischer Empfänger angestiegen?

Die Zahl der Kindergeld-Empfänger aus dem EU-Ausland ist insgesamt gestiegen. Insbesondere ist der Zuwachs der rumänischen und bulgarischen Berechtigten zu beobachten. Auch die Empfänger anderer südosteuropäischer Staatsangehörigkeiten haben sich vermehrt. „Die Zahl der Berechtigten aus Polen und der Türkei stagniert beziehungsweise nimmt leicht ab“, beschreibt Knut Böhrnsen, Sprecher der Familienkasse Nord, die Entwicklung. Allerdings sei die Abnahme nur sehr gering um ein bis vier Prozent.

Welche Gründe gibt es für diese Veränderungen?

Der Brexit, also der geplante EU-Austritt Großbritanniens, führt unter anderem zu einer Verlagerung von Arbeitskräften Richtung Deutschland. Die Menschen zahlen hier Sozialbeiträge. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten aus Osteuropa ist bundesweit von 2015 bis 2017 um 295.000 auf knapp 1,2 Millionen gestiegen. Zudem werden vermehrt Fach- und Pflegekräfte aus anderen Ländern gebraucht. „Im Zuge der europäischen Freizügigkeit hat die osteuropäische Bevölkerungsgruppe auch hier im Norden zugenommen. Wir in Schleswig-Holstein und Hamburg sind auf den Zulauf der Arbeitskräfte aus der Umgebung angewiesen. Sie sind bei uns herzlich willkommen und haben natürlich auch Anspruch auf Kindergeld“, sagt Böhrnsen.

Wie wird verhindert, dass Betrüger Kindergeld beziehen können?

„Wir sehen zunächst keinen Anlass, dass es irgendeinen Betrugsverdacht gibt“, betont Böhrnsen. „Wir stellen den Anspruch nicht in Frage – egal, ob Däne, Franzose oder Rumäne. Wir prüfen den Antrag auf Kindergeld ganz normal, egal welche Nationalität dahintersteckt.“

Wenn dennoch Zweifel entstehen, dass in einem Fall Anspruch auf Kindergeld besteht, würde dieser erneut gründlich geprüft. Generell müsse immer die Steuer-ID des Antragstellers vorliegen. Zusätzlich könnten beispielsweise ein Mietvertrag oder Schulbescheinigungen angefordert werden.

Was passiert, wenn Betrugsverdacht besteht?

In Verdachtsfällen werde die Kindergeld-Zahlung zügig eingestellt und der Sachverhalt erneut geprüft, erklärt Böhrnsen. Die Familienkasse sei zudem so organisiert, dass es Schwerpunktstandorte für die Fälle einzelner Länder gibt. „Dort sitzen Experten mit fachlichem, regionalem Know-how“, so der Sprecher. Diese kennen sich mit den Dokumenten und Regelungen der einzelnen Länder aus. Es gebe sogar Kooperationspartner in den Nationen.

Wie groß ist das Ausmaß des Betrugs?

Die Familienkasse betont, es gebe keinen flächendeckenden Betrug. Stichproben ergaben einzelne Missbrauchsfälle vor allem in Nordrhein-Westfalen. Beim Kindergeld für Personen, die aus dem Ausland kommen, um hier zu arbeiten, deren Kinder aber in der Heimat geblieben sind, „findet so gut wie kein Missbrauch statt“.           

(mit dpa)

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