Am Pranger

Die Agrarwende geht nur miteinander

shz.de von
18. Januar 2015, 13:45 Uhr

Der Bauer ist immer das arme Schwein. Ob Verbraucherverbände, Tier- oder Umweltschutz-Organisationen protestieren, ob gegen Massentierhaltung, Gentechnik, Antibiotika-Einsatz oder gegen ein Freihandelsabkommen mit den USA gewettert wird: Am Pranger landet der Landwirt. Erst recht, wenn er einen großen Stall und mehrere Trecker hat. Oder wenn er viel Mais anbaut. Dann hat er vielleicht bei der Tierhaltung eine saubere Weste. Aber er ist am Hunger schuld, räumt er doch nachwachsenden Rohstoffen einen höheren Rang ein als der Lebensmittelproduktion. Überhaupt die großen Höfe! Böse, böse. Verdrängen die Kleinen und setzen auf Export.

Am Ende ist der Landwirt auch noch für die Globalisierung verantwortlich. Und wird nicht nur von Demonstranten, die zur Grünen Woche auf die Straße gehen, angegangen, sondern von Agrarkonzernen, vom Handel und von der Politik ausgespielt. Wenn Bäuerinnen und Bauern nicht angemessen für ihre Arbeit entlohnt werden, liegt das zu einem guten Teil an denen, die gern Landwirte kritisieren: Verbraucher, die nicht bereit sind, für gute Lebensmittel etwas mehr zu bezahlen. Politiker, die ständig am Agrar-Subventionsrad drehen und der Industrialisierung Vorschub leisten. Obendrein die Lobbyverbände: Die einen wünschen sich die Kleinbauern-Idylle zurück, die andern machen Agrarfabriken den Hof. Wie wäre es, miteinander zu reden? Davon hätte der Bauer etwas. Eine Agrarwende gegeneinander schafft nur Verlierer.

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