Alte Traditionen im neuen Kleid

shz.de von
03. Dezember 2013, 00:33 Uhr

Die Weihnachtszeit ist immer noch eine ziemlich altmodische Angelegenheit. Gut, den Tannenbaum gibt es bereits zur Mehrfachverwendung in Plastik, und bei den Lichterketten ist derart aufgerüstet worden, dass manches sonst bieder dastehende Einfamilienhaus jetzt einen derart wunderbaren Glanz angelegt hat, dass Passanten stehenbleiben und sagen: Oh, es funkelt ja wie im Märchenwald. In einer NDR-Satire behauptete ein Reporter sogar, der Pilot eines Jumbos habe eine weihnachtlich ausgeleuchtete Auffahrt mit dem Flughafen verwechselt.

Inzwischen hat ausgerechnet der gute alte Adventskalender gleich in mehreren modernen Versionen mit der Tradition gebrochen. Bisher war es so, dass die Kleinsten der Familie ein Türchen am Kalender öffnen und mit einer süßen Überraschung rechnen durften. Meistens aus Schokolade, wenn auch nicht immer von bester Qualität. Nun droht von dieser Stelle Enttäuschung; denn statt Leckerlis bietet eine neue Generation von Kalendern Artikel zur Körperpflege. Eine Probepackung Haarshampoo oder ein Stückchen Seife. Harmloser, wenn auch nicht besonders weihnachtlich, ist das Angebot von Teekontors. Hinter jedem Türchen lässt sich ein Beutel mit einer exotischen Teesorte hervorziehen. Und für den finanziell gehobenen Haushalt bietet die Schmuckindustrie, sozusagen zum Anfüttern für den Gabentisch, kleine Aufmerksamkeiten. Der letzte Schrei sind Anstecknadeln, auf denen eine Zahl ankündigt, wie schnell sich der Heilige Abend nähert. Digitale Adventskalender haben sich dagegen noch nicht durchgesetzt.

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