AfD-Spitzenkandidat : Alexander Gauland will Aydan Özoguz „in Anatolien entsorgen“

Die AfD hofft, mit den Spitzenkandidaten Alexander Gauland und Alice Weidel drittstärkste Kraft im Bundestag zu werden.  
Die AfD hofft, mit den Spitzenkandidaten Alexander Gauland und Alice Weidel drittstärkste Kraft im Bundestag zu werden.  

Außerdem spricht der AfD-Spitzenkandidat in Thüringen über eine schleichende Landnahme, die es zu verhindern gelte.

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28. August 2017, 10:48 Uhr

Bei einem Wahlkampfauftritt im thüringischen Eichsfeld hat der AfD-Spitzenkandidat für die Bundestagswahl, Alexander Gauland, für einen Eklat gesorgt. So soll er am Samstag von einer Entsorgung der SPD-Vizevorsitzenden und Staatsministerin Aydan Özoguz gesprochen haben. Der „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ („FAZ“) zufolge empörte sich Gauland zunächst über eine Äußerung Özoguz' Diese hatte im Mai gegenüber dem „Tagesspiegel“ gesagt: „Eine spezifisch deutsche Kultur ist, jenseits der Sprache, schlicht nicht identifizierbar.

AfD-Vize Alexander Gauland fällt nicht zum ersten Mal mit seinen Äußerungen auf. So hatte er im Vorfeld der Europameisterschaft gesagt, dass Deutsche Jérôme Boateng zwar als Nationalspieler schätzen würden, aber ihn nicht als Nachbarn haben wollten. Die Aussage war auf breite Ablehnung gestoßen. Viele solidarisierten sich mit dem Münchner Fußball-Profi.

Das Zitat von Özoguz soll Gauland dann folgendermaßen kommentiert haben: „Das sagt eine Deutsch-Türkin. Ladet sie mal ins Eichsfeld ein und sagt ihr dann, was spezifisch deutsche Kultur ist. Danach kommt sie hier nie wieder her und wir werden sie dann auch, Gott sei dank, in Anatolien entsorgen können.“ Nach FAZ-Angaben folgten Applaus und vereinzelte Jubelrufe aus dem Publikum.

„Man will uns dieses Deutschland wegnehmen. Und, liebe Freunde, das ist fast so etwas – früher hätte man das eine Invasion genannt – wie eine schleichende Landnahme“, sagte Gauland über den Zuzug von Flüchtlingen und islamistischen Terror. Dieser müsse man geschlossen widerstehen.

Später forderte Gauland, man solle abgelehnte Asylbewerber auch in Staaten abschieben, in denen es zu Menschenrechtsverletzungen kommt. Dazu zähle auch Libyen. Der Journalist Mario Sixtux postete den Bericht bei Twitter und zitierte dazu die Philosophin und Publizistin Hannah Arendt.

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Dem „Tagesspiegel“ sagte Gauland, er könne sich nicht erinnern, ob er den Begriff „entsorgen“ gebraucht habe. Wer aber wie Özoguz sage, dass das Zusammenleben in Deutschland jeden Tag neu ausgehandelt werden müsse, „gehört zurück nach Anatolien“.

Gauland-Aussage sorgt für Empörung und Kritik

Die Bundesregierung hat sich von den Äußerungen Gaulands am Montag distanziert. „Frau Özoguz stammt aus Hamburg - insofern disqualifizieren sich diese Äußerungen von selbst“, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert in Berlin. Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) ließ Gaulands Worte als „schlimme verbale Entgleisungen“ verurteilen. „Sie lassen jeden Anstand und Respekt gegenüber Andersdenken vermissen und wecken überall auf der Welt die schlimmsten Erinnerungen an unser Land“, hieß es aus dem Auswärtigen Amt.

„Die Entgleisung von Gauland gegenüber Özoguz ist widerlich“, schrieb SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz auf Twitter. „Wir müssen alles dafür tun, dass solche Rassisten nicht in den Bundestag kommen.“ SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann ergänzte: „Gauland redet wie ein Nazi. Die AfD ist eine Schande für Deutschland.“

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Auch seitens des Koalitionspartners gab es deutliche Worte: „Gauland will eine Deutsche mit türkischen Wurzeln, die Mitglied der Bundesregierung ist, ,entsorgen‘. Das nennt man Rassismus“, schrieb CDU-Generalsekretär Peter Tauber auf Twitter.

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Weiter nördlich, in Braunschweig, sorgte der niedersächsische AfD-Vorsitzende Armin-Paul Hampel für Aufregung. Dieser verglich die Mitglieder des Deutschen Bundestages mit den Abgeordneten des Reichstages unter der Führung der Nationalsozialisten. Das damalige Ein-Parteien-Parlament sei nach der Machtergreifung als „Reichsmännergesangsverein“ bezeichnet worden, sagte Hampel bei einer Veranstaltung. Im Volksmund hieß es damals, die nationalsozialistischen Abgeordneten würden sich nur mit dem Singen der Nationalhymne beschäftigen. Hampel sagte: „Die, die im Bundestag in der Flüchtlingskrise nicht aufgestanden sind, drohen auch so bezeichnet zu werden.“

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