Albtraum Inflation

shz.de von
05. Juni 2014, 12:03 Uhr

In der Welt der Ökonomie gelten andere Gesetze als im richtigen Leben. Gerade wird von dort eine Katastrophe gemeldet, und der Chef-Ökonom, ein gewisser Mario Draghi, wird von seinen Untertanen aufgefordert, sofort alle Hebel in Bewegung zu setzen, um wieder normale Lebenszustände herzustellen. Nun werden viele die Katastrophe gar nicht richtig bemerkt haben, und wenn ja, dann freuen sie sich über die Folgen, was bei Katastrophen ungewöhnlich ist. Des Rätsels Lösung: Die Teuerungsrate ist im Vergleich zum Vorjahr nur um 0,5 Prozent gestiegen. Wunderbar, dürften 90 Prozent der Bevölkerung sagen und müssen sich dafür schämen, beweisen sie doch, dass sie von Ökonomie nichts verstehen. Fallen nämlich die Preise gen Null, dann, so die Ökonomen, denken Verbraucher und Unternehmer, alles wird noch billiger. Daher warten sie ab, statt zu kaufen und zu investieren. Mit der Folge, dass die Wirtschaft nicht mehr brummt, sondern ächzt, und das Wachstum schwächelt. Nun will Draghi alles unternehmen, damit die Inflation wieder auf zwei Prozent steigt. Dann sind die Ökonomen glücklich. Die Konsumenten allerdings nicht.

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