zur Navigation springen

Beratungen am Donnerstag : Afghanistan-Einsatz: Nato will mehr Soldaten im Kampf gegen die Taliban

vom

Der Afghanistan-Einsatz der Nato geht ins 17. Jahr. Hoffnungen auf ein schnelles Ende waren verfrüht.

shz.de von
erstellt am 09.Nov.2017 | 08:16 Uhr

Brüssel | Die Verteidigungsminister der Nato-Staaten wollen an diesem Donnerstag über die geplante Verstärkung ihres Afghanistan-Einsatzes beraten. Nach Angaben von Generalsekretär Jens Stoltenberg wird die Zahl der Soldaten zur Ausbildung afghanischer Sicherheitskräfte im kommenden Jahr auf rund 16.000 steigen. Dies entspricht einem Plus von mehr als 3000 zusätzlichen Kräften.

Hintergrund der geplanten Truppenaufstockung ist das Wiedererstarken der radikalislamischen Taliban und die Expansion der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in das Land. Erst am Dienstag hatten IS-Kämpfer in Kabul einen großen Fernsehsender angegriffen und einen Wachmann getötet.

Die Nato gegen Taliban und IS in Afghanistan.

Die Nato gegen Taliban und IS in Afghanistan.

Foto: dpa
 

Ob Deutschland im kommenden Jahr auch mehr Soldaten nach Afghanistan schicken wird, ist angesichts der noch nicht abgeschlossenen Regierungsbildung nach der Bundestagswahl unklar. Das Verteidigungsministerium bestätigte jüngst aber Überlegungen, die Ausbildungstruppe der Bundeswehr in Afghanistan wieder zu verstärken. Die sogenannte Mandatsobergrenze ermöglicht derzeit eine Entsendung von bis zu 980 Soldaten – zur Zeit sind nur in Mali mehr deutsche Soldaten stationiert.

Hintergrund: Der Ausbildungseinsatz der Nato in Afghanistan

Die Nato-Mission Resolute Support (RS) hat Anfang 2015 die langjährige Vorgängermission ISAF abgelöst. Unter ISAF haben Nato-Soldaten in Afghanistan auch gekämpft – unter RS dürfen sie nur noch „trainieren, assistieren und beraten“.

Das Herz der Mission sind einige Hundert Berater. ISAF hatte Ausbilder auf allen Ebenen, von Korps bis Kompanie. Die RS-Berater dürfen heute nur noch auf höchster Ebene (Korps) beraten. Damit war die Mission zu klein, um die überforderten, erschöpften afghanischen Streitkräfte zu unterstützen.

Die zusätzlichen Soldaten sollen nun auch unterhalb der Offiziersebene besonders wichtige Angriffsfähigkeiten der afghanischen Streitkräfte trainieren. Es geht vor allem um die Spezialkräfte, die bis 2020 auf rund 34.000 Mann verdoppelt werden sollen, und die Luftwaffe, aber auch um die Bereiche Artillerie und Logistik sowie Führungsqualitäten.

Die Deutschen stellen für Resolute Support bis zu 980 Mann. Der größte Teil der Soldaten ist im Norden in Masar-i-Scharif eingesetzt, wo sie das deutsche Lager verwalten, das als Basis für den Einsatz anderer Nationen sowie für Spezialkräfte dient.

 

Eine Liste der Länder, die sich an der Truppenaufstockung beteiligen werden, hat die Nato bislang nicht veröffentlicht. Nach Angaben aus Bündniskreisen werden die USA allerdings zumindest vorerst mit etwa 2500 bis 2800 Soldaten einen Großteil der Verstärkung stellen. Andere am Einsatz beteiligte Länder haben demnach insgesamt lediglich 700 bis 800 zusätzliche Soldaten zugesagt.

Am Mittwoch hatten die Verteidigungsminister der Bündnisstaaten unter anderem über Änderungen an der Nato-Kommandostruktur und den Nordkorea-Konflikt gesprochen. Mit den Beratungen über Afghanistan endet das Nato-Treffen. Direkt im Anschluss wird es allerdings noch ein Treffen der internationalen Koalition gegen den IS geben. An ihr sind neben den 29 Nato-Staaten noch Dutzende andere Länder beteiligt.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen