zur Navigation springen

Ankunft bei Sturm : Afghanische Flüchtlinge auf dem Weg zur Hallig Hooge

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Eine sechsköpfige Familie findet ein neues Zuhause auf der zweitgrößten Hallig. Einige Bewohner haben bereits ihre Unterstützung angeboten.

shz.de von
erstellt am 27.Nov.2015 | 19:28 Uhr

Rund hundert Einwohner hat Hooge – jetzt kommen sechs hinzu. Eine Flüchtlingsfamilie aus Afghanistan soll am kommenden Dienstag auf die zweitgrößte deutsche Hallig übersetzen. „Wir sind gerade dabei, die Ankunft vorzubereiten, sagt Bürgermeister Matthias Piepgras. „Und es könnte noch spannend werden, wie wir die Familie auf die Hallig bekommen.“ Der Grund: Für morgen ist laut Wetterbericht Sturm angekündigt und für Montag Land unter.

Es sei geplant, die Flüchtlinge durch einen Gemeindemitarbeiter bereits auf dem Festland zu empfangen und auf der Fährfahrt zu begleiten, so Piepgras. Auf Hooge soll das Elternpaar mit seinen vier Kindern in einer 100 Quadratmeter großen Gemeindewohnung untergebracht werden. „Möbliert und ausgestattet ist die schon“, berichtet der Bürgermeister.

Bereits vor einem Jahr habe die Hallig dem Kreis angeboten, sich an der Aufnahme von Flüchtlingen zu beteiligen. „Vor vier Wochen wurden wir angefragt, seit vergangenen Dienstag wissen wir Bescheid.“ Wie mit der für die Halligbewohner völlig neuen Situation umzugehen sei, lasse man auf sich zukommen. „Ich denke und plane momentan detailliert nur bis Dienstag“, sagt Piepgras. Alle Beteiligten würden sehr verantwortungsvoll mit der Situation umgehen und eine Bereicherung für die Hallig sehen. „Aber zunächst soll die Familie einfach ankommen.“

Von den Neubürgern sind nur die groben Daten bekannt, deren Sprache sei Farsi, und Farsi spreche niemand auf Hooge. „Wir wollen möglichst viele Halligleute bei der Betreuung mit einbinden, es haben sich auch schon einige Bewohner angeboten“, so Piepgras.

Zwei der vier Kinder sind im Schulalter, „die Zahl der Grundschüler auf Hooge steigt somit von sechs auf acht“. Die anderen beiden kommen in den Kindergarten, wo sich die Anzahl der Betreuten von zwei auf vier verdoppelt. Für Sprachunterricht ist gesorgt: „Eine Schweizerin ist gerade bei uns als Halligschreiberin, die will sich darum kümmern.“

Die schnelle Integration in das Halligleben habe Priorität. Kirche, Chor, Feuerwehr, Vereine, man mache sich Gedanken, sagt Bürgermeister Piepgras: „Vor hundert Jahren sind aus dieser Region viele Menschen ausgewandert, weil sie große Not litten. Jetzt geben wir etwas zurück in den großen Kreislauf.“ 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert